Artikel des Jahres 2013


{BTST 05.13}: Stephen Coles

37. Berliner Typostammtisch

Die Titelgrafik wurde gesetzt aus der Anchor (Eric Olson, 2010)

Wenige Tage nach der TYPO steht schon der nächste Höhepunkt für Berliner Buchstabenfreunde an. Wir freuen uns, einen ganz besonderen Gast beim Typostammtisch begrüßen zu dürfen.

37. Berliner Typostammtisch

Stephen Coles braucht im Grunde keine große Vorstellung. Der Autor, Designer und typografische Berater ist eine feste Größe in der internationalen Schriftszene. Als Gründer des Blogs Typographica kam Stephen zu FontShop San Francisco und war dort sechs Jahre Creative Director. Mittlerweile pendelt er zwischen Kalifornien und Berlin, ist die treibende Kraft hinter Fonts In Use und gibt neben Typographica auch Chromeography und The Mid-Century Modernist heraus. Mit The Anatomy of Type veröffentlichte er jüngst sein erstes Buch. Regelmäßig schreibt er darüber hinaus für das Magazin Print, ist Gastdozent beim Type Camp und Mitglied des TypeBoards von FontFont.

Sein Vortrag (in englischer Sprache) trägt den Titel A Typeface is a Chair – »eine Schrift ist ein Stuhl«. Anhand dieser einfachen Metapher zeigt Stephen, auf welche Arten Schriften gemacht, beurteilt, ausgewählt und verwendet werden. Die begleitenden Illustrationen stammen von Laura Serra.

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28 Jahre

Eintracht Braunschweig – Aufstieg 2013

Achtundzwanzig Jahre. ACHTUNDZWANZIG!
92. Minute. Damir Vrancic. 1. Liga. Bumm!

Als Fan des BTSV habe ich die Mannschaft bisher nur in der 3. und selten 2. Liga erlebt. Und plötzlich – BUNDESLIGA! Was damals, am 28. Oktober 2000, beim 2:1 gegen Fortuna Düsseldorf in der Regionalliga Nord in der bis dato schlechtesten Saison der Vereinsgeschichte begann, erreicht für mich heute seinen vorläufigen Höhepunkt. Mir fehlen die Worte. Das ist einfach nur geil, unfassbar und mein größter Moment als Fan des besten Clubs der Welt seit dem legendären 18. Mai 2002.

Baut dem Torsten Lieberknecht ein Denkmal. Und reißt die Stadt Heinrichs des Löwen ab. Sowas passiert so schnell nicht wieder.

{BTST 03.13}: Tintentanz

36. Berliner Typostammtisch

Die Titelgrafik wurde gesetzt aus den Kapitälchen der Haptic Black (Henning Skibbe, 2008)

36. Berliner Typostammtisch

Zur 36. Ausgabe des Berliner Typostammtisches erwarten wir dieses Mal gleich zwei Gäste.

Der eine, Hans-Jürgen Willuhn, kann mit Fug und Recht als Meisterkalligraf bezeichnet werden. Seit fünf Jahrzehnten widmet er sich der Buch- und Schriftgrafik, erhielt diverse Lehraufträge für Kalligrafie und Schriftgestaltung, darunter sogar eine Gastprofessur in Kairo. Seit bald 20 Jahren lehrt er an der FH Potsdam. Ganze Generationen von Studierenden durften bei ihm die Ausdruckskraft der eigenen Schrift entdecken. Viele sind den Buchstaben treu geblieben und erinnern sich gerne.

Die andere, Pauline Altmann, zählt ebenfalls zu jenen, die sich in Potsdam von der Frische seines Kalligrafieunterrichts faszinieren ließen. Noch während des Studiums gewann sie den Wettbewerb zum 15-jährigen Villa-Aurora-Jubiläum und entwarf dafür Katalog und Ausstellungstypografie. Seit ihrem Studienabschluss arbeitet Pauline Altmann freiberuflich im Bereich Grafik- und Motion-Design, immer mit Fokus auf feiner Typografie.

Gemeinsam haben die beiden das Kalligrafiekonzept Willuhns, bei dem Rhythmus und Dynamik, Charakteristik und Form zusammenkommen, in einem wunderbaren Buch festgehalten. Tintentanz »ist kalligrafischer Ausdruckstanz, ist Jazz für die Hand, die schreibt. Dieses Buch weckt die Lust, das Charakteristische beim eigenen Schreiben herauszuarbeiten und zu kultivieren. Handschrift wird zum persönlichen Ausdrucksträger: individuell – unverwechselbar – leidenschaftlich.« Weitere Informationen zu dem im Hermann Schmidt Verlag Mainz erschienenen Buch finden sich auf tintentanz.de

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Die besten Schriften 2012

Auch zum Ende des Jahres 2012 habe ich mich durch Trillionaden neuer Schriftveröffentlichungen gewühlt, um mit bestem subjektiven Gewissen die zehn typografischen Leuchttüme der vergangenen zwölf Monate herauszupicken. Hier sind sie:

Harriet Series

Serif von Jackson Cavanaugh (USA) | Okay Type (USA)

Harriet Series von OkayType

Die weltweit erste Schrift, die am Tage ihrer Veröffentlichung Trending Topic auf Twitter wurde. Papa Baskerville und Mama Century haben der Harriet ihr bestes Erbgut vermacht. Der Kontrast und die Grazilität der optischen Größen machen mich völlig fertig. Ein hoch verdienter erster Platz — auch dank der bemerkenswerten Microsite.

→ Lizenzierungsmöglichkeit: Okay Type.

FF Tisa Sans

Sans Serif von Mitja Miklavčič (SI) | FontFont (D)

FF Tisa Sans von FontFont

Als glühender Verehrer der kleinen Slowenin FF Tisa war ich enorm gespannt auf ihr serifenloses Gegenstück. Und siehe da, auch die jüngere Schwester geizt nicht mit ihren Reizen. Eine warmherzige, elegante Schrift, die mit oder ohne Hilfe der Älteren anzupacken weiß. Die dezenten Ink-Traps und feinen Eigenheiten – besonders in der Kursiven – machen die FF Tisa Sans zu einer wohltuenden Besonderheit im Sans-Serif-Dschungel. Die Schrift dürfte so manchem Corporate-Design Menschlichkeit und Wärme verleihen.

→ Lizenzierungsmöglichkeiten: FontFont | FontShop

Dapifer

Slab Serif von Joshua Darden (USA) | Darden Studio (USA)

Dapifer

In den leichten Schnitten fast monolinear, in den fetten ein wuchtiger Kontrast. Mit der barocken Kursiven ergibt sich eine Slab-Serif, die eher rationalistische Vertreter der Gattung wie Rockwell und City verblassen lässt. Neben den exzentrischen Stencil-Schnitten und dem brillianten kursiven w stechen die teilweise außergewöhnlichen OpenType-Features heraus.

→ Lizenzierungsmöglichkeit: Darden Studio

Tablet Gothic

Sans Serif von Veronika Burian (CZ) und José Scaglione (ARG) | Type Together (CZ/ARG)

Tablet Gothic

Für Designer von Periodika die vielleicht nützlichste Schrift des Jahres. Dank ganzer 42 Schnitte von Thin bis Heavy und von Compressed bis Wide ist die Tablet Gothic ein mächtiges Werkzeug für Grafikdesigner. Obwohl ihre Wurzeln bis in Großbritannien und Deutschland des 19./20. Jahrhunderts reichen, ist sie alles andere als antik. Stattdessen versprüht sie eine erfrischende Jugendlichkeit, bleibt dabei jedoch zurückhaltend mit der richtigen Dosis Individualität. Damit hebt sich die Schrift wohltuend von vielen anderen Riesenfamilien ab, die sich zu sehr dem Inhalt unterordnen und dem Inhalt nichts Eigenes mitgeben können. Obwohl vordergründig für gedruckte Publikationen gemacht, verrät der Name die eigentliche Stärke: Apps und mobile Endgeräte. In derartigen Umgebungen haben Gestalter naturgemäß mit Platzproblemen zu kämpfen. Wohl dem, der da auf eine breite Palette verschiedener Schriftbreiten und einen derartigen typografischen MacGyver zurückgreifen kann. Die noch fehlenden 42 Kursiven sind für dieses Jahr geplant.

→ Lizenzierungsmöglichkeiten: Type Together | FontShop

Stan & Stan Plus

Slab Serif von Maurice Göldner (D) | OurType (BE)

Stan

Stan ist eine Neuinterpretation der 100 Jahre alten Wellington der Dresdener Schriftgießerei Brüder Butter. Die Egyptienne besticht durch Eleganz und singuläre Besonderheiten, wie etwa dem nach oben zeigenden Fähnchen am g. Solche Eigenheiten sollten sich mehr Schriftgestalter trauen. Mit Stan Plus steht der normalen Familie eine weitere mit längeren Ober- und Unterlängen zur Verfügung, falls man von der Stan nicht genug bekommt — oder über sich hinaus wachsen muss.

→ Lizenzierungsmöglichkeiten: OurType | FontShop

Instant

Sans Serif von Jérôme Knebusch (D) | BAT Foundry (F)

Instant

Großartiges – und überraschenderweise sehr gut funktionierendes – Konzept: noch Schreibschrift im dünnsten Schnitt, wird die Instant mit zunehmendem Gewicht nicht nur fetter, sondern auch eine seriöse, dynamische Serifenlose.

→ Lizenzierungsmöglichkeit: BAT Foundry

Heron Sans & Heron Serif

Schriftsystem (Sans Serif & Slab Serif) von Cyrus Highsmith (USA) | Font Bureau (USA)

Heron Sans & Heron Serif

Cyrus Highsmith hat es einfach drauf. Wenn es um Schriften für das Editorial-Design geht, macht Font-Bureaus Senior-Designer so schnell niemand etwas vor. Der neueste Streich in diesem Bereich ist seine Heron-Schriftsippe. Erfrischend schön amerikanisch strotzt sowohl die Sans- als auch die Slab-Serif nur so vor Selbstbewusstsein.

→ Lizenzierungsmöglichkeiten: Font Bureau | FontShop

Tabac Slab

Slab Serif von Tomáš Brousil (CZ) | Suitcase (CZ)

Tabac Slab

Vor zwei Jahren habe ich mich in die Tabac-Antiqua verguckt. Die Tabac Sans im letzten Jahr hatte es allein aufgrund der harten Konkurrenz nur in den Dunstkreis der Top-10 geschafft. Die nun erschienene serifenbetonte Linear-Antiqua taucht nun wieder locker in meiner Bestenliste auf und macht Lust auf einen flotten Dreier. Eine der gefühlvollsten Slab-Serifs, die ich kenne.

→ Lizenzierungsmöglichkeit: Suitcase Type Foundry

Karloff Negative

Serif von Peter Biľak (CZ), Pieter van Rosmalen (NL), Nikola Djurek (HR) | Typotheque (NL)

Karloff Negative

Was Peter & Co. mit dem inversen Kontrast gemacht haben, macht man eigentlich nicht. Gut, dass der olle Karloff das nicht wusste, denn so konnte eine famose Karloff Negative entstehen. Möglicherweise die verrückteste Schrifterscheinung des letzten Jahres.

→ Lizenzierungsmöglichkeit: Typotheque

Edward

Sans Serif von Hendrik Weber (D) | OurType (B)

Edward

OurType sind ein Phänomen. Jahr für Jahr erhöhen sie die Schlagkraft und fügen ihrer Bibliothek neue, richtig gute Schriften hinzu. Das liegt vor allem an ihrem Gründer Fred Smeijers, der die besten seiner Leipziger Studenten für seine Foundry gewinnen kann. So auch Hendrik Weber, der ein Revival der berühmten Blockletter-Schrift der Londoner Underground-Bahn von Edward Johnston zeichnete und dabei britischen Humanismus mit deutscher Gründlichkeit verheiratet.

→ Lizenzierungsmöglichkeiten: OurType | FontShop

Weitere bemerkenswerte Schriften

Wer nicht selbst einmal eine solche Bestenliste aufgestellt hat, ahnt nicht, wie schwierig (und aufwändig!) es ist, sich für zehn zu entscheiden. Jahr für Jahr steigt Anzahl und Qualität der Neuerscheinungen. Unter günstigeren Vorzeichen hätten folgende Schriftfamilien gut und gern auch unter den besten zehn landen können:

Adelle Sans Type Together | Aften Monokrom | Agmena Linotype | Andes Latinotype | Arek Rosetta | Atlas Commercial Type | Balkan Sans & Balkan Stencil Typonine | Bariol Atipo – gratis! | Bernini Sans Just Another Foundry | Brix Slab HvD Fonts | FF Chartwell FontFont | Clara Sans & Clara Serif Storm Type Foundry | Colette LuxTypo | Colfax Process Type | FS Elliot Fontsmith | Fakt Slab OurType | Geneo Typofonderie | Gira Sans Fountain | Graublau Slab Fonts.info | Greta Sans Typotheque | Hipster Script Sudtipos | Idlewild Hoefler & Frere-Jones | Kostic Serif Kostic | Lust Positype | Maax Editions 205 | Macula Bold Monday | Marat Sans Ludwig Type | Marian Commercial Type | FF Marselis FontFont | Neue Aachen ITC | Pipa Canadatype | Pitch KLIM | Pluto Sans HvD Fonts | Quatro Sans p.s.type | Recognition A2 | FF Scuba FontFont | Sonar Sans Kombinat | Stilson Font Bureau | Sys 2.0 Fabrizio Schiavi | FF ThreeSix FontFont | Timonium Type Supply | Tramuntana Tiponautas | Trio Grotesk Bold Monday | Trivia Serif Storm | User Stencil DSType | Value Sans & Value Serif Colophon | FF Videtur FontFont | Wayfinding Sans Fonts.info | Winco Re-Type | Worthe Numerals House Industries

Weitere Bestenlisten

Auch dieses Jahr durfte ich wieder meine Vorschläge für FontShops Best Type of 2012 beisteuern. Selbstverständlich haben auch wieder die Kollegen von Typefacts, MyFonts und Youworkforthem ihre Ranglisten veröffentlicht sowie erstmals Peter Glaab.

Meine Besten Schriften der Jahre 2011, 2010, 2009, 2008 und 2007 enthalten weitere empfehlenswerte Fonts.

{BTST 01.13}: Martin Z. Schröder

35. Berliner Typostammtisch

Die Titelgrafik wurde gesetzt aus der Edward (Hendrik Weber, 2012)

35. Berliner Typostammtisch

Bereits zum vierten Mal arrangierte Martin Z. Schröder exklusiv im handgefertigten Bleisatz ein Buch des ›Ober-Ironikers‹ Max Goldt. Dabei greift der typografisch versierte Schweizerdegen selbst gestalterisch in die Texte ein, zum Beispiel im ›Märchenschloss‹. Hier erscheint die verquatschte Restaurantkritik in kräftig geschmückter Zentenar-Fraktur. Das ist selten, denn üblicherweise ist es dem Typografen untersagt, sich derart aktiv in die Texte einzumischen. In dieser Buchreihe hingegen kommt dies öfter vor. Warum das so ist und warum das den ohnehin schon brillanten Texten gut tut, wird Martin Z. Schröder neben weiteren Einsichten in die Produktion des Buches ›Sind wir denn nur in Cordbettwäsche etwas wert?‹ beim ersten Typostammtisch des Jahres verraten.

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