Artikel des Jahres 2012


Acht Last-Minute-Weihnachtsgeschenke für Grafikdesigner

Gib es zu: heimlich hast du doch auf die Mayas spekuliert und dir vorerst den Geschenkestress erspart. Doch nun realisierst du, dass du schlicht einem zuvor nicht gekannten apokalyptischem Hype aufgesessen bist und dir nur noch zwei Tage bis zur Bescherung bleiben. Zum Glück gibt es Fontwerk, dein Magazin für Einkaufsberatung und kurzfristige Geldanlagen. Wie bereits im letzten Jahr präsentiere ich exklusiv zehn acht spontane Geschenketipps für Grafikdesigner:

SonderzeichentasseSonderzeichentasse: Schon beim Morgentee hat man mit dieser formschönen Tasse die Tastenkombinationen der wichtigsten Sonderzeichen griffbereit – sogar plattformunabhängig für Windows und Mac. Überhaupt sendet Christoph Koeberlin mit seinem Typefacts-Shop ein permanentes Signal noch unzureichend erforschter Nerdstrahlung aus und treibt so jedem Fontautisten die Freudentränen in die Augen.

TypologoTypologo: Im hart umkämpften Markt der Logo-Bücher sticht dieses gerade erschienene von Michael Evamy wohltuend hervor. Nicht nur, dass er Schriften zu Recht eine Schlüsselrolle in der Logogestaltung zuschreibt, nein, er setzt die 1300 sorgfältig ausgewählten Beispiele verschiedener Epochen auch in einen lehrreichen Kontext. So verlässt sich das Buch nicht nur auf den bloßen Augenpfeffer – selbst wenn es das täte, wäre die Auswahl besser geeignet als ähnliche Bücher in meinem Regal –, sondern beschreibt mindestens kurz Logo, Designer, Hintergrund und/oder Schriftwahl und gliedert das Ganze in sinnstiftende Kapitel. Das macht Typologo unverzichtbar für Grafikdesigner, die hier und da ein Signet gestalten dürfen.

The Anatomy of TypeThe Anatomy of Type: Stephen Coles hat ein Buch geschrieben. Endlich, sagen Viele. Darin geht er 100 wichtigen Schriftarten auf die Grundlinie und seziert von Adelle bis FF Yoga Sans alles, was nicht rechtzeitig aus seinem Fontmanager-Programm flüchten konnte. Schriftenthusiasten werden sich danach die Finger lecken, allein schon wegen der in der täglichen Praxis nützlichen Querverweise zu Alternativschriften.

Kreativität aushalten – Psychologie für DesignerKreativität aushalten – Psychologie für Designer: Dieses Buch ist meine persönliche Entdeckung des Jahres. In vielen Aspekten einen allgemeingültigen Charakter tragend, konzentriert sich der in einer Art Romanform geschriebene Ratgeber jedoch auf Designer und zeigt typische Fallstricke des Alltags auf, besonders, aber nicht nur im kommunikativen Bereich. Autor Frank Berzbach unterrichtet Psychologie und Medienpädagogik und versteht, beide Themen mit typischen Problemstellungen von Berufsanfängern (und sicher auch erfahrenen Gestaltern) zu kombinieren und sinnvolle Ratschläge auf verständliche Weise zu offenbaren. Beispiel: Ohne das überstrapazierte Thema Zeitmanagement zu sehr zu fokussieren, gibt Berzbach effiziente Tipps zu einer optimaleren Herangehensweise des kreativen Workflows. Wissenschaftlich fundiert aber zu keiner Zeit langweilig kann das Buch letztlich dazu beitragen, einfach ein besserer, kreativerer und effizienter arbeitender Gestalter zu werden. Mit der erfrischenden Gestaltung sowie der bemerkenswert hochwertigen Verarbeitung des Buches hat der Hermann-Schmidt-Verlag zudem ein dickes Argument für Druckerzeugnisse Made in Germany präsentiert. Ein überfälliges Buch.

Sigur Rós – ValtariSigur Rós – Valtari: Für mich das Album des Jahres. Auch wenn sich viele Fans über Valtari enttäuscht zeigten, ist selbst ein für ihre Verhältnisse durchschnittliches Album noch vielen Lebenswerken anderer Künstler haushoch überlegen. Sakral und schüchtern entwickelt es nach und nach eine unbändige Kraft und befeuert die Kreativität des Zuhörers. Dazu trägt nicht zuletzt auch die typisch isländische grafische Gestaltung bei. Anspieltipps des Ambient-Post-Rock-Werks: Ég Anda, Dauðalogn und Varðeldur.

Creative-Sleep-KissenCreative-Sleep-Kissen: Kuschelige Kissen, die den Icons der Adobe Creative Suite nachempfunden sind. Ob man nun besser auf Photoshop, InDesign oder gar Dreamweaver schlafen kann, ist Jedem selbst überlassen. Zur Not tut es auch gleich die ganze Palette. Gegebenenfalls auch als iOS-Version.

Uniform Wares 103Uniform Wares 103: Wir haben alle viel zu wenig Zeit. Aber wir sollten zumindest schöne Uhren haben. Diese Uhr ist schön.

A-Book-Apart-BibliothekA-Book-Apart-Bibliothek: A Book Apart, der von Jeffrey Zeldman, Jason Santa Maria und Mandy Brown betriebene Verlag des Online-Magazins A List Apart, veröffentlicht einmalig gute Bücher für Webdesigner. Umfassend kompakt und absolut auf der Höhe der Zeit, wenn nicht sogar selbiger voraus. Die acht Titel ›HTML5 for Web Designers‹, ›CSS3 for Web Designers‹, ›The Elements of Content Strategy‹, ›Responsive Web Design‹, ›Designing for Emotion‹, ›Mobile First‹, ›Design Is a Job‹ und ›Content Strategy for Mobile‹ gibt es derzeit als Gesamtbibliothek mit 30% Rabatt (z.B. nur 49$ für die eBook-Variante!). Ich möchte beinahe sagen Pflichtkauf.
Mach ich aber nicht.

{BTST 12.12}: Stanley Kubricks Lieblingsschrift

34. Berliner Typostammtisch

Die Titelgrafik wurde gesetzt aus der Aeronaut (Georg Herold-Wildfellner)

34. Berliner Typostammtisch - Typostammquiz

34. Berliner Typostammtisch - Typostammquiz

34. Berliner Typostammtisch - Typostammquiz

34. Berliner Typostammtisch - Typostammquiz

34. Berliner Typostammtisch - Typostammquiz

34. Berliner Typostammtisch - Typostammquiz

© Fotos: Jens Tenhaeff, weitere Fotos hier

Wenn Typostammtischmitorganisator Florian Hardwig nach seiner letztjährigen Rolle als Quizmaster wieder als Ratender beim Typostammquiz an den Start geht, ist die Favoritenrolle vergeben. So tat er dann auch, was ein Typostammquizrekordmeister tun muss: er gewann die nunmehr fünfte Veranstaltung dieser Art stellvertretend für sein Team mit Chloé, Lucy Phillips und Alexander Roth. Bereits zum dritten Mal gelang ihm dies, diesmal knapp vor Jens Kutílek. Dabei hatten es die letztjährigen Finalisten und heutigen Quizmaster Tim Ahrens und Christoph Koeberlin vor allem im Finale besonders schwer gemacht, während sie in der Hauptrunde noch einer Mischung aus Experten- und Populärwissen vertrauten. Die Fragen werden übrigens in diesen Tagen noch einmal von Christoph öffentlich im Typostammtisch-Twitter-Account wiederholt. Folgeempfehlung!

Auch Preise wurden wieder zahlreich gespendet, so dass jeder der fast 50 Teilnehmer mit mehr ging, als er oder sie kam. Stellvertretend für alle Anwesenden möchte ich mich daher noch einmal herzlich bei folgenden Spendern bedanken:

  • Volker Busse: Typodarium
  • Hannes von Döhren: signiertes Poster Brandon Grotesque DIN A0
  • FontFont: 3× signiertes FontBook, 3× Buch Made with FontFont
  • FontShop Deutschland: Buch Bewegte Schrift (Dreesbach-Verlag), Magazin Zwiebelfisch, 2× Magnetbuchstaben, Street-Style-Memory-Game, Double-Bloom-Memory-Spiel, Typotopografie-Magazin, 2× Wasserflaschen, Buch Signalethik, Buchstabenbildermemo, 3× Kaffeebecher, 2× Buch Extraordinary Records, Kalender Burg Giebichenstein, Büchlein Handgeschriebene Schriften, T-Shirt, 2× Taschen
  • Gerd Gauglitz: Bücher Wilhelm Schubert ›Das Buch bei den Griechen und Römern‹, Jean Paul ›Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch‹
  • Christine Gertsch: Buch Wim Crowel
  • Gestalten: Buch Hand to Type
  • Florian Hardwig: Kunstkatalog Mixed Pickles, vier House-Schallplatten
  • LiebeFonts: Buch Typolyrics, Typeface-Memory-Game, Weihnachtskarten
  • Lucasfonts – Schokobuchstaben, Styroporbuchstaben
  • Letter in Berlin: 3× Wendeschilder für Ladengeschäft im Siebdruck
  • Thomas Maier: buchgedruckte Poster
  • Jan Middendorp: Schriftmuster Adobe Kepler, Buch ›Graphic Design Now«, Buch ›A Taxonomy of Office Chairs‹, Buch ›The Encyclopedia of Fonts‹
  • Mota Italic: T-Shirt, Perpetual Calendar, 3× Asterisk-Baumschmuck, Tasche Mister K
  • Pacifico Grafik: Kalender, Notizbuch
  • Klaus Rähm: Typografik Tschichold (Poster)
  • Rosetta Type Foundry: Schriftmusterbuch Rosetta #1
  • Nadine Roßa: Type-Cookies
  • Hermann Schmidt Verlag: Buch Tintentanz, Buch Taschenlexikon der Angst
  • Martin Z. Schröder: Buch Max Goldt
  • Andreas Seidel: Buch Emigre-Magazin Honey Barbara, ABC-Büroklammern
  • Georg Seifert: Lizenz ›Glyphs Mini‹
  • Jürgen Siebert: Schal
  • Ilja Wanka: Helvetica-Stanzbuchstaben aus DDR-Produktion
  • Yanone: Handgefertigte Buchstabenschokolade

{BTST 12.12}: Das fünfte Typostammquiz

34. Berliner Typostammtisch

Die Titelgrafik wurde gesetzt aus der Aeronaut (Georg Herold-Wildfellner)

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, Weihnachten steht vor der Tür. Wer den Typostammtisch schon länger begleitet, weiß, was das heißt: Es ist wieder Zeit für Geschenke … und für unsere traditionelle Raterunde! Die beiden Finalisten des letzten Jahres, Christoph und Tim, stecken mitten in den Vorbereitungen und tragen zur Stunde knifflige Fragen für das fünfte Typostammquiz zusammen.

34. Berliner Typostammtisch

Auch einige Preise sind bereits eingetroffen. Ein erstes Paket mit edlen Gaben hat uns der Verlag Hermann Schmidt Mainz geschickt, weitere Schenkungen wurden von Martin Z. Schröder und Etienne Girardet angekündigt. Bitte überlege, ob auch Du (oder Dein Arbeitgeber) passende Preise zur Verfügung stellen kannst. Jede Spende ist willkommen: Bücher, Plakate, Schriftmuster, Shirts, Gutscheine, Selbstgemachtes – alles darf auf dem Gabentisch präsentiert werden. Wenn alle sich wieder so spendabel zeigen wie in den letzten Jahren, dann ist sogar für jeden Teilnehmer ein Preis garantiert. (mehr…)

Judith Schalansky ›Jedes gedruckte Buch muss beweisen, warum es nicht als Datenmasse auf die Welt gekommen ist‹

Wie oft kommt es vor, dass ein Roman nicht nur vom Feuilleton, sondern auch von Designkritikern in höchsten Tönen gelobt wird? Allzu selten. Wenn dann noch Autorin und Gestalterin des Buches die selbe Person sind, wird der Wahrscheinlichkeitsrechnung ein Schnippchen geschlagen. Während Judith Schalansky in den Kulturressorts der Republik für ›Der Hals der Giraffe‹ artikelweise wohlwollende Worte erntet, zeichnete die Stiftung Buchkunst ihr gestalterisches Können mal eben mit dem Preis für das schönste deutsche Buch des Jahres aus. Zum zweiten Mal übrigens nach 2009.

Die verschiedenen Leinen der einzelnen Auflagen

[Foto: Ute Fahlenbock] Die verschiedenen Leinen der einzelnen Auflagen. (Das Original-Leinen war eine Weile nicht verfügbar.)

Das Fontwerk, euer Magazin für ganzheitliche Buchkonzepte, wollte selbstverständlich mehr über das Erfolgsgeheimnis der ehemaligen Typostammtischreferentin wissen. Ich interviewte Judith zu den grafischen Hintergründen des in grobem Leinen gekleideten Bestsellers, den ich nur zu gern als sexy im Äußeren und schlau, tiefsinnig und eloquent im Inneren charakterisiere. Selten hat eine im kühlen Mecklenburg-Vorpommern spielende Geschichte in seiner Gesamtheit derartige Attribute vereinen können.

Autorenfoto: Susanne Schleyer

— Welche Rolle spielt Typografie in deiner gestalterischen Arbeit?

Die größtmögliche. Als Buchgestalterin bin ich natürlich zuerst Typografin. Im Ernst: Bevor ich nicht weiß, welche Schrift ich nehme, fange ich nicht an.

— Welche Schrift hast du für Titel und Inhalt gewählt? Welches waren dafür deine Kriterien? Hat die Geschichte dabei selbst auch Einfluss auf die Schriftwahl?

Es ist die Miller von Matthew Carter, eine Scotch Roman, die dem Text einen etwas altmodischen, naturwissenschaftlichen Touch gibt. Viele alte Sachbücher, die ich für den Roman konsultiert habe, sind in ähnliches Schriften gesetzt. Wichtig war mir, dass es nicht zu belletristisch wirkt. Und als ich entdeckte, dass die Miller auch noch Display-Schnitte und kursive Kapitälchen besitzt, war es sowieso um mich geschehen. Für die Schrift auf dem Umschlag habe ich die Buchstaben des Display-Schnittes allerdings von Hand und bewusst unregelmäßig nachgemalt, um der Titelei auf dem groben Leinen einen robusten Charme zu verleihen.

— Wie konntest du deinen Verlag Suhrkamp überzeugen, für die Gestaltung selbst die Verantwortung zu übernehmen? Inwiefern hattest du dabei tatsächlich freie Hand?

Ich hatte das Glück, dass der Verlag sich von Anfang an gewünscht hat, dass ich mich auch um die Gestaltung kümmere. Da rannte ich also offene Türen ein. Sicherheitshalber hatte ich es mir auch in den Vertrag schreiben lassen. Aber ein Buch zu machen, dass nur mir gefällt, hätte mich nicht interessiert. Ich habe also herumgewerkelt, mich mit meiner Lektorin und meiner Herstellerin beraten und schließlich meinen Entwurf als Dummy der Verlagsleitung präsentiert. Die waren sofort überzeugt.

— Für ›Der Hals der Giraffe‹ hast du ganz bewusst auf einen Schutzumschlag verzichtet. Warum?

Mal abgesehen davon, dass das altmodische und etwas karg wirkende Leinen zu der Protagonistin, einer älteren, strengen Biologielehrerin mit Vorliebe für Frontalunterricht, gut passt, mag ich Schutzumschläge einfach nicht. Mein Erweckungserlebnis war die Tschichold-Lektüre: Als ich bei ihm las, dass der Einband das eigentliche Kleid des Buches sei, der Schutzumschlag aber nur sein Regenmantel, habe ich sofort alle Umschläge von meinen Büchern gerissen. Und was dabei zum Vorschein kam, war umso ansehnlicher, je älter die Bücher waren. Die Gestaltung des Einbandes wird heute sträflich vernachlässigt. Und so lange sich das nicht ändert, möchte ich bei meinen Büchern auf Schutzumschläge verzichten.

— Hattest du auch Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung der eBook-Version?

Es hat mich nicht interessiert.

— Stehst du eBooks grundsätzlich optimistisch oder eher skeptisch entgegen?

Ach, für gewisse Inhalte ist es schon ganz gut, dass sie gut verschlagwortet und leicht transportierbar zugänglich gemacht werden. Nicht für jede Doktorarbeit, nicht für jeden Unterhaltungsroman sollten Bäume sterben müssen.

— Beginnst du bereits vor der inhaltlichen Fertigstellung eines Buches mit dessen Gestaltung? Hast du während des Schreibens schon eine Vorstellung von der späteren gestalterischen Richtung?

Eigentlich beginnt die Gestaltung schon vor dem Schreiben. Als ich wusste, dass es ein Roman werden würde, war das Format im Grunde klar. Dann wollte ich endlich mal ein Buch über 200 Seiten schreiben. Also habe ich geschaut, was die optimale Druckbogenausnutzung ist. Noch bevor ich anfing, war mir klar, dass das Buch 224 Seiten haben wird. Während der Arbeit am zweiten Kapitel wurde ich plötzlich unruhig, weil ich noch nicht wusste, wie das Buch von außen aussehen würde. Also habe ich erst einmal das Cover entworfen, ehe ich weiterschreiben konnte.

— Warum folgen die meisten Buchtitel immer den selben Mustern? Müssten die Buchverlage angesichts der wachsenden digitalen Konkurrenz nicht viel mehr Mut beweisen und außergewöhnliche Wege gehen?

Buchtitel werden ja oft schon gestaltet, bevor das Manuskript fertig ist. Und da wird in den seltensten Fällen vom Text, von dem Buch an sich, ausgegangen, sondern vielmehr von einer Idee der Lektoren oder einer Vorstellung der Vertreter. Natürlich wird sich das jetzt ändern müssen. Jedes gedruckte Buch, das zukünftig erscheint, muss sich seines Buch-Seins sehr bewusst werden und beweisen, warum es nicht als Datenmasse auf die Welt gekommen ist. Dazu gehört, dass Inhalt und Form sich in diesem Medium wirklich begegnen.

— Wie hoch schätzt du in diesem Zusammenhang die Gestaltung des Buches als mitverantwortliche Ursache des Verkaufserfolges ein? Wäre es auch mit einem durchschnittlichen Design erfolgreich geworden?

Schwer zu sagen, weil ich dieses Buch als ein anderes, weniger angemessen gestaltetes, gar nicht denken kann. Ich glaube aber, dass die Leute sehr genau wahrnehmen, wenn Form und Inhalt so gut zueinander passen, dass sie als eine Einheit wahrgenommen werden.

— Wie kann man Auftraggeber von der Wichtigkeit guter Gestaltung überzeugen?

Einen Dummy basteln. Es geht nichts über diese Anschauung. Die Dinge fangen erst an zu leben und zu überzeugen, wenn man sie in die Hand nehmen kann.

— Mit welchem Buch möchtest du in drei Jahren Titelhattrick der Stiftung Buchkunst für das schönste deutsche Buch erzielen? Im Ernst, was darf man als Nächstes von dir erwarten?

Ich arbeite gerade an einer kleinen Reihe namens ›Naturkunden‹, die ab Frühjahr beim Matthes & Seitz erscheinen wird. Ich bin Herausgeberin und Gestalterin dieser Bücher. Das Tolle dabei ist, dass ich mir Bücher ausdenken kann, aber sie nicht schreiben muss.

Wie eine Schrift entsteht

Im Artikel zur Neugestaltung meiner Website habe ich bereits von meinem besonderen Verhältnis zur FF Ernestine berichtet. Welche intensive Beziehung ihre Gestalterin Nina Stössinger zu ihr pflegt, erklärte sie im Mai während eines anregenden Vortrages auf der TYPO Berlin (auf Englisch). Letztlich beantwortete sie dabei neben vielen anderen auch auch die Frage, warum Fonts Geld kosten. Sie machen schlichtweg eine Heidenarbeit.