Artikel des Jahres 2009


Berliner Typostammtisch 08/09: Einladung

15. Berliner Typostammtisch
Grafik gesetzt in der PTL Superla Thin von Karl-Heinz Lange

Die Publicala von Karl-Heinz LangeEiner der erfahrensten Schriftgestalter der Republik schenkt der Berliner Typogemeinde etwas sehr persönliches: einen geschichtenreichen Abend. Und das, obwohl er eigentlich beschenkt werden müsste, feierte er doch unlängst seinen 80. Geburtstag. Karl-Heinz Lange, immer noch sehr aktiver und produktiver Designer, verspricht uns im Rahmen des 15. Berliner Typostammtisches unterhaltende Geschichten, Bilder und Schriften aus über 60 Berufsjahren [!] und rundet damit gewissermaßen seinen begeisternden Vortrag vor zwei Jahren ab. Karl-Heinz Lange während seines Vortrages im Oktober 2007Da unser Gast sich vorgenommen hat, damit ein allerletztes mal vor Publikum vorzutragen, wird dies vermutlich die letzte Gelegenheit sein, seinen Ausführungen live und in Farbe zu folgen, auch wenn er bis heute nach dem Motto »Fange nie an aufzuhören – Höre nie auf anzufangen« lebt.

Das g der Minimala von Karl-Heinz LangeWer dieses Highlight in der dreijährigen Typostammtisch-Geschichte auf keinen Fall verpassen will, sollte sich rechtzeitig am Donnerstag um 19 Uhr an bekannter Stätte einfinden. Dem Wunsch vieler Stammgäste entsprechend verzichten wir diesmal auf die Anmelde-E-Mail. Umso wichtiger ist daher aber die Pünktlichkeit, denn wer zuerst kommt, sitzt schließlich auch zuerst [oder überhaupt].

Webfonts ins Radio und auf die Bühne!

Radio 1

Die viel diskutierten Webfonts haben die Blogs und Foren dieser Welt für einen kurzen Moment in Richtung öffentlich-rechtliches Radio verlassen. Sven Oswald und Daniel Finger haben mich zu diesem Thema für ihre Sendung Escape – Digitales Leben interviewt. Die Sendung, die ausnahmsweise aufgezeichnet wurde, wird heute um 14 Uhr auf Radio 1 des RBB ausgestrahlt. Typografische Themen werden im Radio – wohl schon aus rein visuellen Gründen – doch recht selten behandelt. Dabei gäbe es so viel mehr zu berichten. Wobei … das könnte sicher jede Interessengruppe, Branche oder Wissenschaft von sich behaupten. Radio 1 kann in Berlin und Brandenburg ganz normal übers heimische Stern-Radio empfangen werden, aber auch weltweit über Livestream.

Natürlich kann man in den drei Minuten, die einem das Format bietet, dieses komplexe und sich beinahe täglich neu erfindende Thema nicht wirklich ausreichend darstellen. Dennoch war das Interview eine sehr aufregende Erfahrung. Ich hoffe, die Problematik letztlich doch verständlich untergebracht zu haben. Eben das ist momentan wirklich nicht einfach, manövriert sich doch die Diskussion um die Zukunft der Schriftdarstellung im Netz in immer nebligere Gewässer. Ich habe mir deshalb vorgenommen, den aktuellen Status der Entwicklung demnächst hier im Fontwerk zusammenzufassen.

TypeCon 2009Einem vorläufigen Höhepunkt steuert diese Entwicklung auf der TypeCon2009 in Atlanta entgegen. Verschiedene Technologien stehen offensichtlich in den Startlöchern und werden die Schriftenbranche vor eine Kraftprobe stellen, wie sie sie wohl seit dem Durchbruch digitaler Fonts nicht mehr erlebt hat. Die Podiumsdiskussion »Web Font Embedding – The New State of the Debate« wird die wichtigsten Positionen miteinander konfrontieren und hoffentlich neue Erkenntnisse ans Tageslicht befördern. Aufregende Zeiten.

Berliner Typostammtisch 06/09: Zusammenfassung

14. Berliner Typostammtisch: Ludwig Übele

In gewohnt gemütlicher Atmosphäre trafen sich am vergangenen Donnerstag weit über 30 Schriftbegeisterte zur 14. Auflage des Berliner Typografiestammtischs. Nachdem wir einen gratulierenden Applaus zu unseren Offenbacher Brüdern und Schwestern im Geiste schickten, wo jüngst das fünfjährige Jubiläum gefeiert wurde, durften die Anwesenden gespannt den Ausführungen Ludwig Übeles lauschen. Ludwig ist freiberuflich arbeitender Grafikdesigner mit einem hervorragenden Talent für die Gestaltung von Schriften unterschiedlichen Charakters. Serifenlose, Textschriften, bis hin zu Ich-bin-doch-nicht-blöd-Hausschriften: alles kein Problem. Das, kombiniert mit einem umfangreichen Fachwissen, einer sehr sympathisch bedachten Art sowie einer oft ganz trockenen Sicht auf die Typodinge ließen den Abend nicht nur kurzweilig, sondern vor allem inspirierend werden. Nicht ohne Grund hat Ludwig vor allem im letzten Jahr in zahlreichen Hitlisten einen festen Platz eingenommen, zum Beispiel auf Typographica oder dem TDC.

14. Berliner Typostammtisch: Ludwig Übele

Wer übrigens keine Typostammtische der Republik sowie sonstige wichtige Termine verpassen möchte, sollte mal einen näheren Blick auf Dan Reynolds’ neuen »Type Meet-Up Calendar« werfen. Wer dann auch noch mehr Fotos von diesem und den vergangenen Typostammtischen sehen will, darf sich gern in unserer Flickr-Gruppe umschauen. Die hier gezeigten Fotos wurden freundlicherweise von Indra Kupferschmid [die extra aus Essen anreiste] und Florian Hardwig zur Verfügung gestellt.

Berliner Typostammtisch 06/09: Einladung

14. Berliner Typostammtisch

Und wieder hallt der Ruf der Buchstaben durch die Hauptstadt. Die »Mini-TYPO«, wie sie letztens von einem Besucher genannt wurde, lädt wieder einschlägig Interessierte zu einem Abend voller Serifen, Punzen und Oberlängen ein. Morgen Abend wird uns dann jemand Einblick in seine Arbeit gewähren, auf den ich mich als großer Fan seiner Arbeit sehr freue: Ludwig Übele, dessen Fonts nicht nur regelmäßig in sämtlichen Hitlisten auftauchen, sondern uns auch täglich über nahezu alle Medien von diversen bekannten Produkten überzeugen wollen. Die Plätze sind auch diesmal fast schon alle besetzt, für die wenigen Restplätze genügt noch fix die einfache Anmeldung per E-Mail.

Grafik gesetzt in Blaktur von House Industries

Mein Kind wird zehn!

10 Jahre Gabrowitsch.de
10-jähriges Website-Jubiläum, symbolisch dargestellt mit P22 Zaner One und One Xtras

Auf den Tag genau vor zehn Jahren schubste ich meine erste Website ins Netz. Mit dem eigenhändig in Netscape Composer erstellten Vorläufer dieser gerade betrachteten Seite wurde ich innerhalb meines persönlichen Umfeldes noch als Exot betrachtet. Unglaublich, wie dieses Medium seitdem in unserem Leben Platz genommen hat. Ich war seit meiner Online-Entjungferung, die in Form eines Besuchs der Website der Fantastischen Vier etwa drei Jahre zuvor stattfand [damals noch erreichbar über ein extrem langsames, aber lautes Modem sowie der Eingabe einer ewig langen CompuServe-URL], auf geradezu dämonische Weise von ihm fasziniert. Diese Begeisterung hält bis heute an.

1999 war Webspace noch ein kostbares Gut, so dass ich meine ersten Gehversuche auf dem Server meiner damaligen Hochschule machte. Dazu musste man dem entsprechenden wissenschaftlichen Mitarbeiter eine Diskette in die Hand drücken, der die darauf befindlichen Webdaten dann munter auf den Uniserver kopierte. Bei jedem einzelnen Update …

Am 14. Juni 1999 tanzten also erstmals die animierten GIFs über den dezent dunkel gekachelten Hintergrund, mit negativer Times New Roman wurden die fälligen Botschaften in die Welt posaunt. Zehn Jahre sind seitdem vergangen, knapp fünf davon mehr oder weniger in Blogform. Zehn Jahre aktiven Auslotens der Möglichkeiten weltweiter Vernetzung. Zehn Jahre des privaten Globalpublizismus. Zehn Jahre des Ausreizens technischer und inhaltlicher Möglichkeiten. Zehn Jahre, in denen ich viel über das Medium gelernt habe. Und über mich selbst.

10 Jahre Gabrowitsch.de2009 sieht meine Internetwelt so aus: Zeit ist mit 30 Jahren deutlich kostbarer geworden, als sie es noch im zarten Alter von 20 war. Praktische Spielereien mit den neuesten technologischen Entwicklungen sind einfach nicht mehr drin. Allein ein neues Design der Website ist auf mittelfristige Sicht nicht machbar. Auch inhaltlich ist es schwer geworden, Schritt zu halten. Dabei mangelt es keinesfalls an potenziellen Themen und Ideen. Im deutschsprachigen Bereich ist das typografisch-fachliche Angebot an lesenswertem Futter zudem sehr übersichtlich geworden. Will heißen, dass heute eigentlich die beste Zeit für entsprechenden textlichen Ausstoß ist. Doch diese wertigen Beiträge entstehen leider nicht beim halbstündigen Morgenkaffee. So kommt mir der aktuelle Massentrend der 140 Zeichen gelegen. Die Themen werden in Tweets nicht mehr intensiv vorgestellt, ausgeweitet oder bewertet, sondern vielmehr quantitativ statt qualitativ und überhaupt gezwitschert. Auf zwei Twitterkanälen befriedige ich schnell und dreckig das eigene Mitteilungsbedürfnis: privat auf twitter.com/fontwerk und beruflich auf twitter.com/FontFont. Dann und wann erscheint sogar noch ein Beitrag in der Tradition alter Zeiten im Fontblog bzw. im FontFeed, aber das kann man alles auch an einer Hand abzählen. Auch im ehemals regelmäßig und eine Zeit lang sogar ausschließlich von mir bedienten Fotobereich habe ich mich längst entschleunigt und bin auf die analoge Fotografie umgestiegen. So passiert dieser Bereich quasi nur noch unbemerkt, weil fernab des globalen Netzes. Eine paradoxe Situation, denn prinzipiell steigen die eigenen Ansprüche gleichzeitig mit den Erfahrungen, dem Wissen und den Ideen — aber leider eben entgegengesetzt zum vorhandenen Freizeitrahmen.

So muss man bei einem solchen Jubiläum auch fragen dürfen: wird es in zehn Jahren die Website immer noch geben? Ich weiß es nicht. Es kann sein, dass ich morgen einfach alles stoppe oder gar lösche, um nur noch passiv am Webgeschehen teilzunehmen. Es kann aber auch sein, dass ich morgen genauso gut mit einem regelmäßigen Typo-Videocast, einer neuen zweisprachigen Artikelreihe oder aufwändigen Schriftenportraits an den Start gehe. Ich weiß es wirklich nicht. So bleibt mir nur, die vergangenen zehn Jahre noch einmal Revue passieren zu lassen und einzusehen, dass letztlich wohl auch dieser Artikel in 140 Zeichen hätte Platz finden können.

Vielen Dank für die mir und meinen Themen bisher geschenkte Aufmerksamkeit.

chCounter: MySQL error!
Error number: 1045
Access denied for user 'usr_web18_1'@'localhost' (using password: YES)
Script stopped.