
Das viel diskutierte diesjährige TYPO-Design unter Verwendung einer meiner derzeitigen Lieblingsschriften
Nach zwei Monaten Leerlauf im Fontwerk wird es mal wieder Zeit für ein paar Zeilen. Was liegt näher, als kurz noch die vergangene TYPO Berlin zu resümieren, wie ich es auch in den letzten Jahren getan habe. Diese TYPO war eine sehr besondere für mich, da ich zum ersten Mal als Sprecher aktiver Teil der größten europäischen Designkonferenz sein durfte. Um es gleich vorweg zu nehmen: dieser Teil der Veranstaltung lief recht gut. Zu meiner eigenen Überraschung konnte ich mich fünf Minuten vor Präsentationsbeginn auf den Ruhepuls von Dschamolidin Abduschaparov einstellen, so dass die Situation auf der Bühne erträglich wurde und so die unendlichen typografischen Weiten von OpenType im Vordergrund standen [Bericht von HD].
Leider habe ich den Großteil der anderen Vorträge in diesem Jahr verpasst, da ich viel zu sehr damit beschäftigt war, die Zeit mit vielen tollen Leuten zu verbringen. Auch wenn es abgedroschen klingt, aber das Ganze ist am Ende vor allem ein großes Familientreffen … mit dem Unterschied, dass am Ende auch drei Tage nicht ausreichen, mit allen genügen Zeit zu verbringen. Mein persönliches Programmhighlight des ersten Tages war schließlich Pantea Lachins Vortrag über die Gruppenaustellung Kath Keshi, wohingegen ich persönlich etwas enttäuscht von Esther Dysons Keynote und Florian Fischers »Form Follows Space«-Dingens war.
Der zweite Tag startete erfrischend mit einem Pecha Kucha, das es über den Typostammtisch nun auch auf die große Bühne geschafft hat und auch hier mit seinem kurzweiligen Charakter begeistern konnte. Reading-Absolvent Mitja Miklavčič widmete sich danach eingehend der guten alten Clarendon, was sehr fundiert, aber manchen offenbar zu trocken erschien. Chip Kidd rundete den Abend mit seinem mehr komödiantischen Vortrag unter dem Credo »Bitch, I don’t know your life!« ab und erfüllte damit mal wieder alle Erwartungen. Wahrscheinlich könnte er auch den BVG-Fahrplan präsentieren und ich würde mich darüber schlapp lachen.
FontBureau-Gründer Roger Black nahm sich zu Beginn des dritten Tages meines Lieblingsthemas an, den Webfonts. Auch hier hatte ich das Gefühl: alle wollen sie, aber keiner weiß so recht wie. Hervorragend recherchiert und zusammengetragen war die »kurze Geschichte der Perspektive« von Nick Shinn, obgleich es von vielen als eine Art Kontrastprogramm zu unterhaltenden Nabelschauvorträgen empfunden wurde, aber gerade deshalb auch auf seine Art herausstach. Den fachlichen Abschluss gestaltete diesmal Sol Sender, der sich für die Kampagne zu Barack Obamas Präsidentschaftskandidatur verantwortlich zeigte. Spannende Einblicke in das Kommunikationsdesign der ganz großen Weltpolitik, es hätte kaum besser enden können.
Eine kleine aber wichtige Randnotiz: Die neue Webseite von FontShop Deutschland feierte auf der TYPO nach langer Entwicklungszeit Premiere. Weitere Berichte von Besuchern der Konferenz wurden hier zusammengetragen. Das Thema des nächsten Jahres ist Lust. Den fälligen Wortwitz dazu erspare ich mir.
