Artikel des Jahres 2008


Berliner Typostammtisch 08/08: Zusammenfassung

Begrüßung zum 10. Berliner Typostammtisch Der hochwertig bestückte Preistisch | © Foto: Ivo Gabrowitsch Volle Konzentration galt den kniffligen Fragen

Florian Hardwig ist 1. TypoStammQuiz-Champion! Mit einer olympischen Höchstleistung auf den letzten Metern verwies er am vergangenen Donnerstag den Top-Favoriten Erik Spiekermann und FSI-Fonttechniker Jens Kutílek auf die weiteren Podestplätze. Zur Feier des zehnten Berliner Typostammtischs bereitete Typoexperte Jan Middendorp ein grandioses Fragespiel vor und ließ es sich nicht nehmen, in guter holländischer Showmastermanier die Veranstaltung zu leiten, nachdem er dem Abend bereits mit seinem modifizierten TypeCon-Vortrag »What’s The Punkt? A Chinese Encyclopedia of Letterforms« eine geschmeidige Eröffnung verpasste.

Leicht waren die Fragen nicht, harte typografische Nüsse mussten geknackt werden. So zum Beispiel meine Lieblingsfrage »Was haben die Gestalter der Graublau, Karbid, FF Fago, Logotypia, Minima, BMF Elettriche und Toshna gemeinsam?« Die Anstrengung lohnte sich, gab es doch tolle Preise zu gewinnen: mehrere Firmen und Personen trugen mit Sachspenden zum Gelingen des Abends bei. So sendete uns aus Bad Homburg die Firma Linotype gleich drei ihrer Bücher zur Unternehmensgeschichte »A Line Of Type«, FSI FontShop International stellte »Made With FontFont« und Notizbücher zur Verfügung, FontShop eine TYPO-Tasche, ein TYPO-T-Shirt und ein Typometer, Jan Middendorp selbst eine legendäre Druk, eine Baseline und ein David-Carson-Buch, Ilja Wanka einen Satz seltener gestanzter Helvetica-Buchstaben aus der DDR, HD Schellnack ein paar druckfrische Poster und Heftchen »25 Designer And One Toy« [dazu später bei ihm vielleicht mehr] und auch ich warf noch zwei Druckmaschinenquartette in die Runde [auch dazu später in einem eigenen Artikel mehr]. Vor einer solchen Unterstützung kann man nur den Hut ziehen! Ich bin begeistert darüber, wie unsere Veranstaltungsreihe von der Typogemeinde getragen wird. Toll.

Wer urlaubsbedingt oder aus anderen Gründen nicht dabei sein konnte, hat auf jeden Fall etwas verpasst. Ein besonderer Dank gilt daher noch einmal Jan, der wirklich viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt hat. Ein Dank auch für das Fotografieren diesmal an Ralf Herrmann, der wieder extra aus dem fernen Jena anreiste. Mehr seiner Bilder des Abends sind in unserer Flickr-Gruppe zu finden.

Das Ganze schreit förmlich nach einem 2. TypoStammQuiz. Das wird es bestimmt auch irgendwann geben, so dass Florian seinen Titel auch verteidigen darf. Dabei steht es natürlich jedem frei, selbst als Quizmaster aktiv zu werden.

The Dawn of Disco: Ivo im Fotohaifischbecken

Werbungineigenersache lautet das heutige Stichwort. Seit einigen Monaten bereits kann man mich, pardon, kann man Lizenzen meiner Bilder kaufen. Die Fotoagentur meines Vertrauens heißt ƒStop, meine erste kleine Kollektion dort »The Dawn of Disco«. Nachdem ich letztes Jahr bei FSI – der Mutti von ƒStop – arbeitete, kam ich auf die Idee, einige meiner Bilder dort vorzustellen. Schließlich ist es nun kein Geheimnis, dass neben dem typografischen auch ein fotografisches Herz in mir schlägt. Da der Großteil meiner Werke auf hochauflösend scanbaren Film vorlag [12 Megapixel sind Minimum] und die Motive offenbar nicht ganz am Geschmack von »Daumen-hoch-Daumen-runter« Max vorbei gingen, ging meine erste, thematisch gemischte Kollektion in Produktion. Derzeit befindet sich auch schon meine zweite Kollektion in der ƒStop’schen Pipeline, hauptsächlich mit ein paar fotografischen Eindrücken aus San Francisco.
Baseballfeld im nächtlichen San Francisco
Ein Bild aus der kommenden Kollektion: Baseballfeld im nächtlichen San Francisco. [© 2008 Ivo G. • ƒStop]

Alle Bilder werden ebenfalls bei FontShop erhältlich sein, voraussichtlich nach dem lang ersehnten Relaunch der Website. Der Branchenprimus Getty Images wertet sein Angebot bereits auf. ;) Eine Sache, die mich in diesem Zusammenhang im übrigen stutzig macht, ist die dortige Falschschreibung meines Namens. Ein »r« zu viel bedeutet, dass dort nicht mit automatischer Datenübernahme oder zumindest »Copy and Paste« gearbeitet wird, sondern mit einem manuellen Einpflegen der Fremddaten. Das dürfte wohl einfacher und vor allem sicherer gehen, schließlich leben wir bereits im achten Jahr nach dem Millennium. Nebenbei: Auf den Fehler wurde Getty bereits vor genau einem Vierteljahr aufmerksam gemacht … Da hofft man doch, dass sie dort wenigstens nicht mehr mit Windows 3.1 unterwegs sind.
Welpen, wenn ich nicht irre, Golden oder Labrador Retriever
Ein Bild aus der aktuellen Kollektion: Welpen, wenn ich nicht irre, Golden oder Labrador Retriever.
[© Ivo G. • Als E-Card bei ƒStop verschicken.]

Die ganze Aktion ist für mich vor allem ein großes Experiment, mit dem Vorteil, dass Anfragen der finanziell klammen Art in Zukunft ausbleiben dürften, denn die Nutzungsbedingungen sind nun deutlich geregelt. Reich werde ich damit sicher nicht, dafür ist die Auswahl [noch?] deutlich zu klein. Ich würde mich aber definitiv freuen, sollte das eine oder andere Bild in spannenden Projekten eingesetzt werden. Sollten Fontwerk-Leser also auf meinen Plattenspieler, den Fernsehturmpömpel oder die Mittelmeerdächer zurückgreifen: eine Rückmeldung wäre ein Traum!

[Anmerkung: Die Auswahl meiner Bilder bei ƒStop ist etwas größer als bei Getty.]

Type Wars: Die Fonteinbettung schlägt zurück

Es tut sich was. Im März sorgte Apple mit der neuesten Safari-Version 3.1 für einen entscheidenden Schritt in der Geschichte des Webdesigns [Firefox und Opera werden demnächst folgen]. Nachdem man beim Gestalten von Websites jahrelang quasi nur auf Systemschriften wie Georgia, Arial oder Verdana zurückgreifen konnte, ist mit der Umsetzung des CSS3 Modul Web Fonts endlich freie Schriftwahl angesagt. Theoretisch. Was grundsätzlich für alle Internetnutzer eine längst überfällige Angelegenheit ist, hat in der Praxis einen entscheidenden Haken: die Schriftlizenzen – vom Großteil der dafür qualitativ kaum in Frage kommenden Free Fonts abgesehen – geben eine solche Verwendung nicht her. Das ist verständlich, werden doch die so eingesetzten Schriften auf jeden Besucherrechner kopiert und somit unüberschaubar weitergegeben. Es müssen also Lösungen her, die sowohl im Sinne der Hersteller, als auch der Anwender funktionieren.

Einige Hersteller werden sich bereits intensiv mit der neuen Situation beschäftigen und über kurz oder lang mit entsprechenden Reaktionen aufwarten. Dabei gibt es theoretisch längst eine für alle Beteiligten bessere Alternative, nämlich Microsofts Web Embedding Fonts Tool [WEFT]. Die funktioniert zwar grundsätzlich genauso, jedoch wandelt sie den gewählten Font in ein spezielles Format um, das recht schlank die benutzten Zeichen enthält. Diese EOT-Datei [Embedded OpenType] wird statt einer normalen Schriftdatei [TrueType oder OpenType] auf den Server geladen. Der entscheidende Nachteil: Nur der hauseigene Internet Explodierer kann diesen interpretieren, alle anderen Browser ignorieren die proprietäre Technologie, obgleich man sie gemeinsam mit der Firma Monotype dem World Wide Web Consortium als Standard vorgeschlagen hat.

Die Microsoft-nahe Foundry Ascender Corp. holt nun in Form von FontEmbedding.com zum »Font-Linking«-Gegenschlag aus. Auf der neuen Website gibt es ab sofort eine Art kostenloses webbasiertes WEFT, momentan mit einer kleinen Auswahl Free Fonts von Ray Larabie. Später sollen auch Lizenzschriften folgen. Ziel des Projektes ist, WEFT so zu pushen, dass die Variante mit den üblichen Fonts überflüssig wird.

Ich für meinen Teil bin sehr gespannt, wie sich diese Entwicklung fortsetzt. Ich glaube zwar, dass das von Ascender initiierte Aufbäumen zu spät kommt und sich das neue Font-Linking mit den noch abzuwartenden Angeboten der Schrifthersteller durchsetzen wird, wünsche mir jedoch insgeheim, dass WEFT doch noch mehr wird als eine nur auf dem bösen Browser funktionierende Alternative.

[Mehr zu diesem Thema findet sich auch auf dem neuen Webfonts-Portal webfonts.info.]

Dreaming obsessively … for free

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Wie man sein Stadion richtig umbenennt

zeigt der beste Verein der Welt. Was Fans seit Jahren fordern, ist offensichtlich doch irgendwie machbar und wird von der Zielgruppe sehr wohlwollend aufgenommen. Da wird doch wohl nicht Jürgen im Spiel gewesen sein?