× 1hundreddaysinsanfrancisco
» 17. Februar 2008, 18.56 Uhr | Kategorie Persönlich | 15 KommentareДо свидания.
До свидания.

Die Liebe zur Schrift teilten am gestrigen Valentinstag sagenhafte 45 Personen beim Berliner Typostammtisch. Damit hat er mittlerweile einen Interessentenkreis erschlossen, der kaum vorstellbar war, als vor etwa eineinhalb Jahren die Idee zu dieser Veranstaltungsreihe reifte. So gesehen ist es vielleicht auch nicht so schlecht, wenn der Stammtisch nun zunächst für mindestens drei Monate pausiert und etwas verschnaufen kann.

Den Hauptrahmen bildeten Andrea Schmidt und Roman Wilhelm, die den Abend unter dem Motto »Berlin-Hangzhou-Peking – Ein typografisches Experiment« gestalteten. Die Gäste waren sich in ihren durchweg positiven Meinungen zu den neuen Eindrücken und Erkenntnissen einig. Es war höchst interessant zu sehen, wie chinesische Studenten mit der lateinischen Typografie arbeiteten, Corporate Designs und Animationen erstellten und sich von ihrer riesigen Zeichenwelt in unser dagegen kümmerlich wirkendes Alphabet hinein dachten. Faszinierend, wie die Methoden der Herangehensweisen an bestimmte Aufgabenstellungen differieren.
Romans wissenschaftlich orientierter Ansatz zu den Unterschieden der beiden typografischen Welten schaffte ein Bewusstsein für ein unbekanntes aber sehr spannendes Terrain und offerierte ein enormes Potenzial weiterer Untersuchungen. Die Kombination beider Berichte empfand ich als sehr angenehm und inspirierend. Ich bedanke mich daher bei den Beiden noch einmal ganz herzlich im Namen aller Anwesenden für die tolle Vorbereitung und Durchführung.

Jedes Jahr am Fronleichnamswochenende finden in Lage-Hörste die Tage der Typografie statt, 2008 bereits zum zehnten Mal. Veranstalter Typosition, die Offenbacher Botschaft für Typografie und Gestaltung, hat dafür wieder ein wunderschönes Rahmenprogramm zusammengestellt. Jan Middendorp leitet die Veranstaltung mit einem Rückblick auf zehn Jahre Typedesign ein, bevor Ralf de Jong über Highlights der Buchgestaltung referiert. Die beliebten Workshops werden diesmal von Indra Kupferschmid [»Titeleien«], Paul van der Laan [Pixelschriften], Tanja Huckenbeck und Peter Reichard [Plakate] sowie Renate Dölzer und Angelika Götz vom Landesmuseum für Arbeit und Technik in Mannheim [Kalender] geleitet. Wer sich bis zum 1. März anmeldet, profitiert vom Frühbucherrabatt.
Auch 2008 geht es mit unserer typografischen Selbsthilfegruppe weiter. Die nächste therapeutische Sitzung findet am 14. Februar um 19 Uhr statt. Bitte meldet euch für den kassenärztlichen Antrag ab sofort wieder mit einem Kommentar oder über die einschlägigen Kontaktmöglichkeiten bei mir an. Zur Verstärkung unseres gemeinsamen Leidens probieren wir es diesmal mit der traditionellen chinesischen Medizin Typografie. Hierfür konnten zwei echte China-Experten gewonnen werden. Als Betreuerduo werden Andrea Schmidt und Roman Wilhelm unter dem Motto »Berlin-Hangzhou-Peking – Ein typografisches Experiment« ihre heilenden Kräfte wirken lassen.
Ich möchte jedoch nicht vergessen, noch einmal Verena Gerlach für Ihren Vortrag im Dezember zu danken. Leider habe ich es im Trubel der Feiertage erstmals nicht geschafft, eine rückblickende Zusammenfassung zu schreiben. Dabei hätte es sich auf jeden Fall gelohnt, denn ihre grafischen Arbeiten der unterschiedlichen, zum Teil sogar recht außergewöhnlichen Arbeitsbereiche [wenn ich beispielsweise an ihre Musikvideos denke] waren sehenswert, ihre Geschichten dazu überaus spannend.
Als kleinen Anreger für den kommenden Stammtisch verweise ich zuletzt noch auf einen aktuellen Beitrag über Roman im Deutsch-Chinesischen Kulturnetz.

Während ich gerade im Zoomfeed über Chip Kidd im Besonderen und das Design von Buchcovern im Allgemeinen philosophiere, möchte ich dringend eine themenbezogene Website empfehlen. Auf covers.fwis.com finden sich in angenehmer Regelmäßigkeit schön gestaltete Bücher, vornehmlich aus dem amerikanischen Raum. In der Regel wird dort der jeweilige Gestalter genannt und somit die Grundlage weiterer Recherchen geschaffen. Die Kommentar- und Diskussionsfunktion ist natürlich obligatorisch. Alles in allem ein schöner Quell der Inspiration, der mir jüngst wieder die Notwendigkeit der Spationierung versaler Überschriften ins Bewusstsein rief. Einige meiner persönlichen Favoriten – vor allem aus typografischer Sicht – habe ich mit den oben gezeigten Vorschaubildchen verlinkt.
Ich kann nicht glauben, dass so etwas passiert. Noch weniger kann ich glauben, dass so etwas in meiner Heimatstadt Hettstedt passiert.
… empfahl einst im schönsten aller Bundesligajahre Scott McKenzie für den Trip nach San Francisco. Auf das Kopfgemüse werde ich allerdings verzichten, wenn ich nach meinen letzten bestandenen Studienscheinen im Februar dorthin fliege. Der Aufenthalt in Kalifornien ist also der dritte Grund für die angekündigte Quantitätsänderung hier. [Im Übrigen hieß das nicht, wie einige glaubten, dass hier schlechtere Beiträge zu lesen sein werden, sondern lediglich weniger.]
Was aber mache ich dort und warum? Ganz einfach: Persönlich will ich an meinem Englisch feilen und das Land unserer kulturellen Vorbilder kennenlernen. Fachlich will ich mich nach dem intensiven Einblick in die Entstehung digitaler Schriften im Rahmen meines Praxissemesters bei FSI konzentriert mit deren Marketing im internationalen Kontext beschäftigen. Dafür gibt es an der amerikanischen Westküste natürlich nur eine Topadresse, nämlich die von FontShop USA. Hier kommt dann neben dem Zoomfeed – den ihr hoffentlich alle schon in eure Lesezeichenliste aufgenommen habt! – die zweite Verlagerung meiner Schreibaktivität zum Tragen. Ohne zu viel verraten zu wollen, könnt ihr euch aber schon mal gedanklich mit dem FontFeed beschäftigen.
Sollte ich in San Francisco dann zudem noch Zeit und Muße haben, über meine Erlebnisse und Erfahrungen zu schreiben, werde ich dies selbstverständlich im Fontwerk tun. Damit sollte allerdings niemand rechnen. Selbst mein täglicher Outputbedarf hat seine Grenzen.

Eigentlich wollte ich die Berlin-Serie mit dem 50. Beitrag ja beenden, aber was interessieren mich die Selbstbeschlüsse von gestern?