Wie Journalisten der altehrwürdigen und von mir geschätzten Printmedien ihr eigenes Leichentuch weben, kann beim Medienpiraten nachgelesen werden. Aber Vorsicht! Dieser Bericht ist wirklich nichts für schwache Nerven. Für mich schreit das förmlich nach einem Online-Flächenbrand. Mein Feuerzeug ist dir sicher, Peer.
Artikel im April 2007
Nami: Adrian Frutigers neuer Display-Font
Adrian Frutiger ist längst fester Bestandteil der typografischen Geschichtsbücher. In das Kapitel seiner unzähligen Schriften wie Avenir, Univers, Frutiger, Courier New oder OCR-B muss nun eine weitere geschrieben werden: die Nami™. Zusammen mit Akira Kobayshi schuf Frutiger nun einen Displayfont, den er als die humanistischste Serifenlose bezeichnet, die er jemals zeichnete. Bereits in den Achtzigern begann er mit den Entwürfen zur Nami™, deren Name im Japanischen »Welle« bedeutet. 483 Zeichen sind Bestandteil der Schrift, darunter jeweils elf interessante Alternativformen in den drei verfügbaren Schnitten.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf ein Video des Interviews von Erik Spiekermann mit Adrian Frutiger aus dem Jahre 1996 hinweisen. Zu finden auf FontShops Typovideo-Website.
Chantalle, Veronique, Nathalie … wahre Liebe blickte mich an
Wenn die Kumpelz [wie man im Mansfeldischen zu sagen pflegt] ein Buch schreiben, darf das hier natürlich nicht unerwähnt bleiben. In diesem Fall zeichnet sich Tobias Gerlach für das hektarweise Roden des Harzwaldes verantwortlich, auf dessen Baumholzschliff »Hinfallen und Aufstehen – mein Jahr« dann gedruckt wurde. Der 11-Freunde-Redakteur hat schwere Zeiten hinter sich. Erst von seiner Freundin verlassen, will sich partout kein zwischengeschlechtliches Abenteuer einstellen. Und das, obwohl die besten Freunde mit ihm gemeinsam die WM-Städte im Wohnmobil bereisen.
Der österreichische Novum-Verlag war so gnädig, jene böswitzigen Abenteuer des Mansfelders ins belletristische Repertoire aufzunehmen und stellt auf der Verlagsseite eine kleine Leseprobe vor. Die Überschrift dieses Beitrages ist übrigens – wie sollte es anders sein – dem angepriesenen Erstlingswerk Tobias’ entnommen und lässt die Vielfalt der Ereignisse seines Jahres erahnen …
Slanted Nummer Vier: Pixel- und Matrixfonts
Was ich an der Typoszene besonders schätze, sind die Menschen. In welcher Branche trifft man sonst fast ausnahmslos Enthusiasten, die ihre Arbeit wirklich lieben, ja, zum Teil sogar leben? Oftmals ist Gewinnmaximierung ein Fremdwort, es geht angenehm oft um die Sache selbst. Das sieht man unter anderem am beeindruckenden Engagement für unseren Berliner Typostammtisch, aber auch anhand von Projekten wie Slanted. Jenes Typomagazin unterstütze ich selbst aus der selben Begeisterung heraus und dem Plattformgedanken folgend seit einiger Zeit mit Online-Beiträgen und nun auch als Redaktionsmitglied der Printversion.
Es macht Spaß, mit vielen Verrückten ein Magazin zu gestalten, das andere Typofreunde gern lesen und ihnen einen gewissen Mehrwert bietet. Mittlerweile ist die vierte Ausgabe des Slanted-Magazins für zehn Euro bestellbar. Der für Inhalt, Umfang [200 Seiten] und Auflage [10.000] wirklich lächerliche Preis kann nur durch eine bemerkenswerte Zusammenarbeit mit Océ erreicht werden, die das Heft in einer den Digitaldruck hervorragend präsentierenden Qualität auf einer VP6250 drucken und damit ihre Maschinen selbst bewerben. Hoffentlich auch mit gebührenden Erfolg.
Wer »Slanted #4 – The Grid Issue« in den Händen hält, spürt es schnell selbst, das »Gefühl Typografie«, ohne dabei in einem zu eng gefassten Themenkorsett gefangen zu sein. Für genau diese Freiheit sorgen Fachartikel, Font- und Labelvorstellungen, Fotostrecken, Illustrationen, Typostories, Musikrezensionen und nicht zuletzt Interviews, zu denen auch ich eines beisteuern konnte. Mit Jürgen Huber führte ich ein interessantes Gespräch über Fonts, Inspiration und seine Professur.
Nach der Lektüre sehe ich Pixel- und Matrixfonts nun in einem ganz anderen Licht, was vor allem den tollen vorgestellten Schriften und vor allem dem Leitartikel von Thomas Mettendorf geschuldet ist. Eine genauere Inhaltsübersicht ist unter slanted.de/1210 nachzulesen. Keine Frage, wer sich mit Typografie beschäftigt, kommt an Slanted wohl nicht mehr vorbei. Bestellt werden kann das Magazin über die Magma-Website, allerdings erst in ein paar Tagen. Die Erstauflage ist nämlich bereits ausverkauft. Ich freue mich sehr, die Redaktionskollegen auf der Slanted-Couch auf der TYPO Berlin wieder zu treffen. Bis dahin wünsche ich allen Lesern des Fontwerks frohe Ostern.

Das Interview mit Jürgen Huber
The beauty of letterpress
John Christensen spricht über die Schönheit einer Buchdruckpresse. Ein feines kleines Filmchen für zwischendurch auf elsa.photo.net.
[Gefunden im typoblogi.]

