Artikel im Februar 2007


Maskottchenterrorismus

Jetzt hat es also auch meinen Verein getroffen. Nach Herthinho, Wölfi, Ritter Keule und ihren ganzen bescheuerten Kollegen aus Randsportarten wie Handball oder Biathlon wird wohl bald auch ein armer Braunschweiger Student im Löwenkostüm durchs Stadion an der Hamburger Straße flitzen. Und das, obwohl Eintrachts PR-Leiterin Miriam Herzberg noch kürzlich betonte, dass es ein Maskottchen am Spielfeldrand nicht geben wird.

Ich verstehe ja, dass man dem einen oder anderen Kleinkind mit solchen Aktionen den Stadionbesuch schmackhaft machen möchte. Doch vergisst man nicht allmählich die Leute, die noch in der Überzahl sind? Diejenigen, die 90 Minuten ihre Mannschaft feiern und Fußball sehen wollen. Der wird neben Einlaufmusik, Eckballanimation und Videowand nämlich auch noch gespielt. Vergisst man leider manchmal. Stück für Stück wird diesen Fans zweiter Klasse, die Stehplätze statt Multifunktionsarenen wollen, Fankurven statt Spielplatzblöcke, Schals statt Anzug tragen und Bier statt Sekt trinken das Spiel vermiest. Dabei war Fußball immer der Sport des Proletariats. Billig, einfach, dreckig und ehrlich.

Der vom einfachen Fan gefühlte Trend geht aber offenbar dahin, nur noch zahlungskräftige Besucher in die Arenen zu locken, die finanziell ähnlich gut gestellt sind wie die Spieler selbst. Dann braucht man aber in Zukunft nur noch 500 VIP-Logen und keine Tribünen mehr. Die Wurstbude kann dann auch gleich abgerissen werden. Diese Entwicklung finde ich unschön und ich vermisse hierbei den Respekt vor dem Normalsupporter. Ich lebe selten in verklärten Erinnerungen von früher. Aber beim Fußball erinnere ich mich gern an Zeiten, als es Bier noch in Gläsern gab und darin sogar 5% Alkohol enthalten war. Nicht, dass ich es als Kind schon getrunken hätte, aber die selbstgebastelte Fahne [die man noch ins Stadion nehmen durfte] schwenkend habe ich höchstens mal Tore vermisst, jedoch keine zwei Meter großen Plüschtiere.

Der weise Addi Preißler war seiner Zeit weit voraus: »Entscheidend ist auf dem Platz«. Nennt mich in diesem Punkt von mir aus polemisch und ignorant. Diese Maskottchengeschichte ist leider nur ein weiterer unrühmlicher Haltepunkt einer Reise in für Fußballpuristen düstere Zeiten. Wenn ich eine hohle Show will, geh ich zur Blue Man Group. Ich will, dass sich die Spieler Blei in die Schuhe tun, damit sie schwerer werden. Fußball als Inhalt. Weniger gleich mehr. Ich gebe damit wieder ab an die angeschlossenen vereinseigenen Marketingabteilungen.

Die Geschichte der Autobahnschrift DIN

Recherchiert und aufgeschrieben vom Designer der FF DIN Albert-Jan Pool für die 17. Ausgabe des tschechischen TYPO-Magazins und seit heute online nachzulesen.

Berliner Typostammtisch 02/07: Zusammenfassung

Die Getränke wurden freundlicherweise vom Hausherren bereitgestellt, die Snacks besorgten Jürgen Siebert und ich Typografie-Professor und Typedesigner Jürgen Huber Etienne Girardet inspiziert die Spiekermannschen Hausnummern genauestens

Der bisher geheimnisumwittertste Typostammtisch in seiner noch jungen Geschichte fand am Freitag in Berlin-Mitte statt. Geheimnisumwittert vor allem deshalb, weil zum Zeitpunkt der Einladung noch nicht der besondere Ort und das Thema des Vortrages bekannt waren. Der ehrenwerte Erik Spiekermann stellte seine heiligen Hallen von SpiekermannPartners in der Friedrichstraße zur Verfügung. Als Typograf ist er längst weltbekannt, seine Qualitäten als spendabler Gastgeber finden hingegen viel zu selten Beachtung. Wir finden, zu Unrecht. Vielen Dank daher noch einmal, Erik, im Namen aller Anwesenden für deine Gastfreundlichkeit.
Wieder einmal war der Typostammtisch gut besucht
Wieder einmal gut besucht war der erste Typostammtisch 2007

Erik Spiekermann präsentiert seine neue Hausnummern-SerieKeine vier Stunden nach der Einladung zum 3. Typostammtisch über die E-Mailliste trafen alle Anmeldungen für die – aufgrund der Örtlichkeit leider auf knapp 20 begrenzten – Plätze ein. Dies beweist ein ernstes Interesse an dieser kleinen Veranstaltungsreihe und freut uns natürlich ungemein. Den Vortrag hielt anlässlich der Veröffentlichung der »100 besten Schriften« Fontshops Jürgen Siebert, der mit spannenden Hintergrundinformationen aufwarten konnte und sich gern den interessierten Fragen der anwesenden Typofreunde stellte. Daraus entwickelten sich im Laufe des fast fünfstündigen Abends angeregte Konversationen und Diskussionen. Es war alles in allem wieder ein tolles Treffen mit netten Gästen, das sich durch eine gehörige Prise Gemütlichkeit auszeichnete. Die kommende Veranstaltung – voraussichtlich im April – wird wieder rechtzeitig über den Verteiler und diese kleine Website bekanntgegeben.

Berliner Typostammtisch 02/07

Morgen findet der nunmehr dritte Typostammtisch statt. Leider lässt die Besonderheit des Veranstaltungsortes diesmal nur eine begrenzte Teilnehmerzahl von knapp 20 Interessenten zu, die wir bereits durch entsprechende Reaktionen auf unseren E-Mailverteiler erreichen konnten. Dieser Umstand gibt mir jedoch Gelegenheit, ein weiteres Mal auf den Verteiler hinzuweisen. Wer also künftig keine Infos zur Berliner Typorunde verpassen will, sollte dies am Besten in den Kommentaren [z.B. zu diesem Beitrag] zum Ausdruck bringen. Sie oder er bekommt dann die Infos auf jeden Fall rechtzeitig ins digitale Postfach. Einige organisatorische Fragen wurden übrigens erst kürzlich geklärt.

Fontwerk