Jetzt hat es also auch meinen Verein getroffen. Nach Herthinho, Wölfi, Ritter Keule und ihren ganzen bescheuerten Kollegen aus Randsportarten wie Handball oder Biathlon wird wohl bald auch ein armer Braunschweiger Student im Löwenkostüm durchs Stadion an der Hamburger Straße flitzen. Und das, obwohl Eintrachts PR-Leiterin Miriam Herzberg noch kürzlich betonte, dass es ein Maskottchen am Spielfeldrand nicht geben wird.
Ich verstehe ja, dass man dem einen oder anderen Kleinkind mit solchen Aktionen den Stadionbesuch schmackhaft machen möchte. Doch vergisst man nicht allmählich die Leute, die noch in der Überzahl sind? Diejenigen, die 90 Minuten ihre Mannschaft feiern und Fußball sehen wollen. Der wird neben Einlaufmusik, Eckballanimation und Videowand nämlich auch noch gespielt. Vergisst man leider manchmal. Stück für Stück wird diesen Fans zweiter Klasse, die Stehplätze statt Multifunktionsarenen wollen, Fankurven statt Spielplatzblöcke, Schals statt Anzug tragen und Bier statt Sekt trinken das Spiel vermiest. Dabei war Fußball immer der Sport des Proletariats. Billig, einfach, dreckig und ehrlich.
Der vom einfachen Fan gefühlte Trend geht aber offenbar dahin, nur noch zahlungskräftige Besucher in die Arenen zu locken, die finanziell ähnlich gut gestellt sind wie die Spieler selbst. Dann braucht man aber in Zukunft nur noch 500 VIP-Logen und keine Tribünen mehr. Die Wurstbude kann dann auch gleich abgerissen werden. Diese Entwicklung finde ich unschön und ich vermisse hierbei den Respekt vor dem Normalsupporter. Ich lebe selten in verklärten Erinnerungen von früher. Aber beim Fußball erinnere ich mich gern an Zeiten, als es Bier noch in Gläsern gab und darin sogar 5% Alkohol enthalten war. Nicht, dass ich es als Kind schon getrunken hätte, aber die selbstgebastelte Fahne [die man noch ins Stadion nehmen durfte] schwenkend habe ich höchstens mal Tore vermisst, jedoch keine zwei Meter großen Plüschtiere.
Der weise Addi Preißler war seiner Zeit weit voraus: »Entscheidend ist auf dem Platz«. Nennt mich in diesem Punkt von mir aus polemisch und ignorant. Diese Maskottchengeschichte ist leider nur ein weiterer unrühmlicher Haltepunkt einer Reise in für Fußballpuristen düstere Zeiten. Wenn ich eine hohle Show will, geh ich zur Blue Man Group. Ich will, dass sich die Spieler Blei in die Schuhe tun, damit sie schwerer werden. Fußball als Inhalt. Weniger gleich mehr. Ich gebe damit wieder ab an die angeschlossenen vereinseigenen Marketingabteilungen.






