Sein eigener Sohn bedient sich zum Zwecke der Eigenwerbung am abgestreiften Logo und Claim eines großen Elektronikherstellers. In Form obiger Reklame erschien mir seine Botschaft in der U-Bahn, begleitet von der heiligen Comic Sans, einem Divis statt Halbgeviertstrich, einer kontroversen Zeichen- und Zwischenraumspationierung und natürlich falschen Anführungszeichen. Aus Wasser machte er Wein Philips’ »Let’s make things better« machte er Jesus’ »He makes things better«. Der Berliner Jugendverband »Entschieden für Christus« will auffallen, vor allem beim Freund der gepflegten Makrotypografie. Aber wer könnte I H M schon böse sein?
Artikel im Januar 2007
Wenn es Gott wirklich gibt …
Be mite
Hauptintention der Diplomarbeit »Agile Produktentwicklung im Neuen Web« von Julia Sörgel und Sebastian Munz ist die Erschaffung von etwas Nützlichem. Etwas, was nachhaltig fortbestehen und ständig im Dialog mit den Usern weiterentwickelt werden soll. Unter diesem Anspruch entsteht mite. Ein hilfreiches Onlinetool, das zur Erfassung und Auswertung von Arbeitszeit dient. Besonders interessant dürfte das für kleine Agenturen und Freelancer sein, die bei der bisherigen Entwicklung bisher konsequent eingebunden wurden. Wer die Beiden von ihren optisch herausragenden Popnutten kennt, ahnt, dass die kostenlose Software zur Zeiterfassung ebenfalls gut bekömmlich und einfach zu bedienen ist. Die Eingabe ist so schmerzlos wie nur irgend möglich gestaltet, das Tool erstellt daraus im Handumdrehen aussagekräftige und verwertbare Reports.
Bei den beiden sympathischen Kommilitonen meines Studiengangs Druck- und Medientechnik bin ich mir sicher, dass sie ihr lobenswertes Manifest sehr ernst nehmen. Meine Empfehlung daher lautet ausprobieren. Be mite. Das sind die Guten.
Rot für das Ampelweibchen
Als ich jüngst das Foto vom Dresdner Ampelweibchen sah, fand ich das witzig. Als Pandon zum Standardsymbol eine amüsante Idee, toll für Touristen. Da wusste ich aber noch nicht, dass dahinter eine ernsthafte politische Initiative steckt.
![Das Dresdner Ampelweibchen [Foto von J.Siebert] Das Dresdner Ampelweibchen](/img/zeitgeist/ampelweibchen_420.jpg)
Das Dresdner Ampelweibchen [Foto von J.Siebert]
Im Radio kurz darauf ein Interview mit Canan Bayram, Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus und frauenpolitische Sprecherin der SPD. Sie forciert ernsthaft die generelle Einführung von weiblichen Ampelsymbolen. Eine etwas konkretere politische Inititiative »Wien sieht’s anders« startete vor einigen Wochen in der Österreichischen Hauptstadt. Hier geht man sogar noch einen ganzen Schritt weiter und versucht, alle Piktogramme im öffentlichen Raum mindestens zur Hälfte zu verweiblichen.
Was als Ausdruck lokalpolitischer Lockerheit noch amüsiert, ist als ernsthafte Idee so überflüssig wie ein Hühnerauge. Piktogramme sind in der Regel neutral und nicht männlich. Oder haben etwa alle Männer Glatze, sind geschlechtslos und laufen zu allem Überfluss nackt herum, wie der Ampelmann uns weiß machen möchte? Was soll ein Piktogramm überhaupt leisten? Es muss bereits im ersten Moment des Betrachtens klar erkennbar sein. Daher ist auf jedes überflüssige Detail zu verzichten. Hierzu gehören bei einem Menschen symbolisierenden Piktogramm Haare, Klamotten und sonstige spezielle Merkmale. Sonst muss man am Ende noch Kinder berücksichtigen, Frisurentrends, körperlich Versehrte, religiös Verschleierte und verschiedene Farbigkeiten für unterschiedliche Hautfarben. Um dem Ganzen vielleicht noch eine kleine nette Anmutung zukommen zu lassen kann man ja auf dezente Mittelchen zurückgreifen, wie etwa die Hände beim beliebten Ostampelmännchen. Aber eben immer neutral gegendert [ein Unwort!] und unter der Maßgabe, dass eine prägnante Informationsweitergabe vor halbgarer Political Correctness steht. So meint Markus Heckhausen von Ampelmann Berlin treffend über derartige Bestrebungen:
Der Rock und die Zöpfe nehmen den Figuren die Klarheit, die sie nach umfangreichen Studien von ihrem Entwickler Karl Peglau 1961 [Ost-Ampelmann, I.G.] bekommen haben. Und bei einem derart wichtigen Thema sollte auch nicht all zuviel experimentiert werden.
Es scheint offensichtlich zum Trend zu gehören, das ohnehin schwindende Gemeinverständnis weiter zu demontieren, sich noch deutlicher vom Mitmenschen abzugrenzen. »WIR wollen nicht vergessen werden. WIR auch nicht. Und WIR schon gar nicht.« Will man das wirklich?
Besteht durch die detailliertere Darstellung von Piktogrammen nicht auch die Gefahr, dass sich nur noch bestimmte Personengruppen an etwaige Verbotsschilder halten, nur noch Frauen bei Rot an der Ampel stehen bleiben, alle Muslime den Fußgängerüberweg boykottieren? Okay, der Sarkasmusmodus wird an dieser Stelle wieder deaktiviert. Aber genau darin liegt die Schwierigkeit in der Gestaltung von Piktogrammen. Die detaillierte Abstraktheit, möchte ich sie mal so nennen. Schnell erkennen, den Hinweisen folgen und nicht von einem Auto überfahren werden.
Abschließend stellt sich natürlich noch die Frage, ob derartige Mittel tatsächlich eine gesellschaftliche Gleichberechtigung schaffen? Ändert ein weibliches Verkehrszeichen wirklich etwas an den Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen? Werden wir dadurch gleich[berechtigt]er? Ich finde es bedenklich, dass gerade jene frauenpolitische SprecherInnen und Gender-Mainstreaming-Faschisten die Damen der Schöpfung auf lange Haare und Rock reduziert darstellen wollen. Immer schön die traditionellen aber überholten Wertvorstellungen pflegen. Damit dürfte ihrem eigentlichen Ansinnen doch wenig gedient sein. Unter diesen Gesichtspunkten braucht man über die Sinnhaftigkeit von den entstehenden Kosten wohl kaum noch zu diskutieren.
Das Bestreben nach einer Gleichbehandlung von Frau und Mann ist längst nicht abgeschlossen und weiterhin wichtig. Es gibt aber Bereiche, die vom blinden Aktionismus verschont bleiben sollen. Dazu gehören Zeichen und Symbole, die der allgemeinen Sicherheit dienen, eben beispielsweise Ampelmenschen. Es gilt, gemeinsam die wirklichen Probleme in diesem Bereich anzupacken, als Fronten wieder deutlicher herauszuarbeiten und Unterschiede zu manifestieren. Das sind Zeichen der Hilflosigkeit und Zeugen eines Problemunverständnisses, die die eigentlichen Probleme sicher keinen Schritt näher an Lösungen heranbringen werden.
Raümungsverkauf

Gesehen in der Müllerstraße in Berlin-Wedding.
Arroganz XPress
Das 7.1er Update für Quark XPress ist für alle Kunden kostenlos verfügbar. Endlich wird Ukraine durch die Rechtschreibprüfung korrekt geschrieben. Weitere Verbesserungen stecken ebenfalls in dem für Mac OS X 157 MB großen [!] Paket. Der Versuch, vom Programm direkt aus upzudaten, schlägt allerdings fehl. Nicht mal ein Link zur Quark-Website ist zu finden. Man muss das Google-Orakel befragen, sofern man den Link nicht irgendwo gespeichert hat. Aber auch auf der Site findet sich kein einfacher Download-Button. Zuerst müssen Daten hinterlegt werden. E-Mailadresse, vollständiger Name und Adresse. Okay, es ist kein unüberwindbarer Umstand, aber für das sicherlich teuerste Programm auf dem Rechner [um die 2.500 Euro] in einer immer einfacher und schneller werdenden Rechnerumgebung einfach zu viel des Aufwandes.
Offenbar gehört die bekannte Arroganz des Unternehmens Quark gegen seine Kunden keinesfalls der Vergangenheit an. Schade. Hier wird eine Corporate Language gesprochen, die sich rächen wird. Ich arbeite trotzdem noch gern mit diesem DTP-Programm.
Noch.








