Artikel des Jahres 2007


Typoforum runderneuert

Typoforum

DAS deutschsprachige Typografieforum typografie.info präsentiert sich zum Jahresende seinen Nutzern und Gästen im runderneuerten Gewand. Nicht jedoch das klarere Design steht im Vordergrund, vielmehr die komfortableren Funktionen. So wurde beispielsweise die Suche verfeinert, eine Lesezeichen- sowie eine Bildfunktion implementiert, es können nun gezielt Foren abonniert werden und und und …

Das Einzige, was immer noch beim Alten geblieben ist, sind die Inhalte. Die bedürfen allerdings auch keiner Überarbeitung.

Die besten Schriften 2007

Die Fontstars 2007
Das darf doch wohl nicht wahr sein. Ich hatte mir fest vorgenommen, in diesem Jahr [m]eine Best of der 2007 erschienenen Schriften aufzustellen. Was nun dagegen spricht? Man ist mir skandalöserweise zuvor gekommen! An sich ist das auch kein Problem, jedoch deckt sich jene vorgedrängelte Liste im Kern [die dort gezeigten Displayfonts sowie die fehlende Meta Serif einmal ausgenommen] sehr mit meiner geplanten. Nun, die Rede ist von den »Fontstars – Die besten Schriften 2007«. Hierbei handelt es sich nicht nur um eine schnöde, langweile Auflistung, nein, die Kollegen des FontShops veröffentlichen diese Liste auch noch als kaufbares Schriftenpaket. Gut, dann spar ich mir eben meine Jahresendcharts und überprüfe stattdessen die Fontstars auf Herz und Nieren. Wollen wir doch mal sehen …

Fontstars 2007Was sind also laut FontShop die besten Schriften 2007? 500 Fonts, die in diesem Jahr auf sich aufmerksam machten, wurden von einer internationalen Jury für diese Zusammenstellung überprüft. Die endgültige Kollektion umfasst schließlich 29 OpenType-Fonts 14 verschiedener Foundries. Acht Antiquas, neun Groteske, elf Displayfonts – zusammengefasst in Teilfamilien, die je nach Bedarf um die eine oder andere Verwandte ergänzt werden können. Damit dürften so einige Projekte zu stemmen sein. Visitenkarten, Logos bis hin zu kompletten Corporate-Design-Aufträgen sind vor allem mit den Satzschriften möglich. Besonders angetan haben es mir hierbei Peter Bil’aks Greta Text und Łukasz Dziedzics FF Clan. Letztere ist mir noch aus meiner Zeit bei FSI in Erinnerung. Vor etwa einem Jahr war ich als Tester direkt an ihrem Entstehungsprozess beteiligt und war zuweilen, na sagen wir überwältigt von ihrem »schnittigen« Umfang. Mit der zeitlichen Distanz wird mir auch in ihrem Erscheinen ihre Qualität bewusst, ihre Umsetzung in puncto Zurichtung, Umfang und Funktionalität sucht selbstredend ihresgleichen. Tatsächlich wird die besondere Qualität der FontFonts gerade in einer solchen Zusammenstellung so richtig deutlich. Nicht, dass ihre 26 Fontstargesellen minderwertig wären – sind sie selbstverständlich nicht –, doch in der Anwendung merkt man doch irgendwie, dass hier mit einem etwas strengeren Maß gemessen wird. Kapitälchen, acht Ziffernsätze, bedingte Ligaturen und was das typografische Herz sonst noch begehrt – bei der FF Clan all inclusive.

GretaDie schöne Greta hingegen war Liebe auf den ersten Blick. Sie ist noch deutlich umfangreicher als ihre Mitstreiter: Kapitälchen, ganze neun Ziffernsätze, erweiterter osteuropäischer Zeichensatz, 20 Währungszeichen, elf Ligaturen und Symbole für Wetter, Horoskop, Schach, Orientierung und Strukturierung. Solch Umfang in einer so peniblen Ausführung bringt den anwendenden Gestalter zur Verzückung. Allerdings hat der Umfang auch seinen Preis. Hierfür sind ganze 90 Euro pro Schnitt fällig, die Regular und die Italic kosten zusammen also schon 180 Euro. Das ist auch der Grund, warum Bil’ak nur diese zur Verfügung stellte.

Ich meine, dass sowohl die FF Clan als auch die Greta-Familie neben der zu Beginn erwähnten FF Meta Serif von Erik Spiekermann, Christian Schwartz und Kris Sowersby die Fonts des Jahres 2007 sind und zukünftig auf keinem Designerrechner fehlen sollten.

Um die Platzierungen streiten sich eine Reihe weiterer Schriften. Die letztlich ausgewählten Fontstars sollen jeweils kurz vorgestellt werden:

  • Agent of the Uncanny [Device Fonts]
    Der Londoner Comic-Zeichner und Schriftentwerfer Rian Hughes erstellte bereits 2006 für sein Fontlabel Device Fonts diese Pinselschrift, die dadurch besticht, dass sie eben nicht perfekt ist. Leider ist sie nur als reine Versal-Schrift erhältlich und nicht alle Glyphen haben echte Alternativformen. 39 $ ab Werk.
  • Amalia [OurType]
    Nikola Djureks Oma war die Namensgeberin dieser, an Utopia oder Baskerville erinnernden Schrift. Einseitig abgeflachte Tropfenserifen und die Kapitälchen, zwei Ziffernsätze und der osteurpäische Sprachumfang lassen keinen Zweifel aufkommen: diese Barock-Antiqua ist optimal für umfangreiche Texte. Die drei Schnitte Normal, Normal Italic und Bold würden direkt bei der Foundry zusammen 120 $ kosten.
  • Anziano [Fountain]
    Stefan Hattenbach las eine schwedische Ausgabe des »Herrn der Ringe« aus dem Jahre 1959. Von der Lesbarkeit der dort verwendeten Weiss von Emil Rudolf Weiss [1926] war er dermaßen beeindruckt, dass er eine eigene Interpretation umsetzte, die sich im Detail dann doch wieder deutlich von ihr unterscheidet. Werksatz und Editorial Design bieten sich für die Anziano geradezu an, die in Fontstars enthaltenen Regular, Italic und Bold lassen dafür alle Gestaltungsmöglichkeiten offen.
  • Blaktur [House Industries]
    »Like an overcooked knackwürst, Blaktur is bursting with all the flavor you’ll need for your next Riesling wine label design, church bulletin masthead or Udo Dirkschneider heavy metal tribute album. Blaktur goes from hip-hop to Bach with the click of a mouse.« Damit ist zur Blaktur alles gesagt. Fast alles. Zu ihr gehören nämlich noch vier Songs der »badneck«-House-Industries-Band, die damit bereits die diesjährige TYPO rockten. Zwar nicht meine Musik, aber die Songs sind inklusive und das wiederum ist eine tolle Idee. 49 € im Einzelkauf.
  • MVB Calliope [MVB Fonts]
    Eine ungekünstelte Blockbuchstaben-Handschrift, gestaltet von Gayle Sato. Relativ neutral und auf jeden Fall eine Alternative zu den omnipräsenten FF Hands. Sie wirkt im Einsatz besser als »roh«, stellte ich kürzlich beinahe überraschend fest. Seltsamerweise konnte ich den Semibold-Font nicht mal auf der MVB-Website finden.
  • Casey Classic [The Font Bureau, Inc.]
    Verschiedene Buchstabenkombinationen, Zierschwünge und Ligaturen: nicht selbstverständlich bei einem Displayfont. Nostalgie kommt beim Betrachter auf, die Einsatzmöglichkeiten scheinen vielfältig. Die verbundenen Glyphen sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Leslie Cabargas Font erinnert vor allem an das Logo der L.A. Dodgers. 40$. Eigentlich.
  • FF Clan [FontFont]
    Book, Medium und Black wurden auf die Compilation gepackt. Die Kursiven sind noch in Arbeit, habe ich mir sagen lassen. 3 × 59 € = 177 €.
  • FP Dancer Sans [Fontpartners]
    Morton Rostgaard Olsen erschuf mit der Dancer eine Familie, die zu gefallen weiß. In einer Sans- und einer Serif-Version, wobei hier die Sans Book, Book Italic und Bold enthalten sind, wirkt sie wie eine kontrastarme Satzschrift die vor kindlicher Leichtigkeit nur so strotzt. Dieser kindliche Spaß kostet jeweils glatte 50 Euro.
  • Greta Text [Typotheque]
    Alles dazu gesagt. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass die Greta den TDC Certificate of Excellence 2007 gewann. Zu Recht.
  • Kelly Twenty [Device Fonts]
    Nix für Pazifisten oder Zivis. Aber vielleicht für Prenzlauer-Berg-Underground-Party-Flyer-Gestalter? Hätte man weglassen können. 39 $ gehen an Rian Hughes, falls man gedient hat.
  • Kinescope [Mark Simonson Studio]
    Technisch interessant wird es wieder bei der Kinescope von Mark Simonson. Sechs stilistische Varianten wurden angelegt, damit sich immer die zueinander passenden Buchstaben anschließen. OpenType machts möglich. Inspiriert wurde Simonson übrigens von einem Superman-Cartoon. Also den Font niemals zusammen mit Kryptonit einnehmen. Hierfür würden im Einzelkauf schmallaufende 29 $ fällig.
  • MVB Sacre Bleu [MVB Fonts]
    Mark van Bronkhorst erstellte den Script-Font Sacre Bleu für sein Label MVB Fonts. Sein Merkmal ist eine Ungleichmäßigkeit, die ich wahlweise einem Achtjährigen oder Achtzigjährigen unterstellen würde. Ein Font aus der Sorte »kann, muss aber nicht«. Wenn muss, dann 29 $.
  • Seravek Basic [Process Type Foundry]
    Vier Jahre arbeitete Eric Olson an seiner Seravek, bis er sie schließlich in diesem Jahr in der Process Type Foundry Minneapolis veröffentlichen konnte. Die serifenlose Linearantiqua wird in den gut kombinierbaren Schnitten Regular, Regular Italic und Bold mitgeliefert. Die gute Ausstattung mit zahlreichen Ligaturen, Brüchen und osteuropäischem Zeichensatz treibt den Preis auf verhältnismäßig teure 75 $ pro Gewicht hoch.
  • Softmachine [ShinnType]
    Die Softmachine von Nick Shinn könnte auch von Donald Beekman sein. Zumindest war dies die erste Assoziation, die ich hatte. Im Fließtext sicher nicht zu empfehlen, aber als Outline-Displayfont auch mal den einen oder anderen Einsatz wert. Einfach mal probieren. Für 59 € das Stück.
  • MVB Solano Gothic Bold [MVB Fonts]
    Mark van Bronkhorst konstruierte diese schmallaufende Display-Grotesk ursprünglich für die Beschilderung einer kalifornischen Kleinstadt namens Albany. Die hohe x-Höhe fällt hierbei sehr ins Auge und zwingt sich dem Betrachter auf. Soll sie ja auch.
  • P22 Underground [P22]
    Diese Schrift ist 91 Jahre alt. Vielfach wurde die von Edward Johnston für das Londoner U-Bahnsystem entworfene Schrift bereits digitalisiert. Erstmal wurde sie nun aber vom London Transport Museum lizensiert. Gut, wegen mir hätte sie nicht unbedingt das digitale Zeitalter erreichen müssen, aber wer mal neue U-Bahnbeschilderung machen muss, 39,95 $ und man ist dabei.
  • P22 Zaner [P22/International House of Fonts]
    Zierschriften dieser Art werden meist vor Weihnachten gebraucht. In der Regel greift man dabei auf die Zapfino zurück. Wer sie aber nicht mehr sehen kann, ist mit der doppelschnittigen Zaner gut beraten. Diese Federschrift basiert auf der Handschrift eines Schreiblehrers mit jenem Namen. Paul Hunt setzte diese Handschrift ins OpenType-Format um. 99,95 $ kostet dieser kalligrafische Auswuchs.

Die Fontstars 2007Schlussendlich bekommt man also sehr viel Schrift für sein Geld. Die Fonts würden im Einzelkauf etwa 1.400 Euro kosten. 900 Euro kann man also sparen. Ein Angebot, was man eigentlich nicht ablehnen kann, auch wenn man sicher bei weitem nicht jeden Font einzeln kaufen würde. Allein die Satzschriften sind jedoch ihr Geld wert. Studenten bezahlen statt der 499 Euro sogar nur 399 Euro.

Zukünftig ist diese Zusammenstellung jährlich geplant. Dann soll sich das zahlenmäßige Verhältnis sogar noch etwas zugunsten der Antiquas und Grotesken verlagern und an der Optik und Haptik des Produkts geschraubt werden, die hier noch bedingt durch eine geringe Vorlaufzeit leider etwas in den Hintergrund geraten sind. So kann man mit dem Produkt am Ende nur mit der Verwendung des Inhalts im Rahmen von Gestaltungsaufträgen protzen und nicht durchs Zurschaustellen der Verpackung im Büro. Aber das ist ja schließlich auch etwas.

Der gesamte Inhalt der Fontstars-CDFazit: Wer schon lange nach einem günstigen Paket neuerer oder gar neuester Schriften sucht, die das Gros der täglichen Designanforderungen befriedigen können, sollte hier unbedingt zuschlagen. Wessen privates oder Agenturbudget zum Jahresende noch größer als erwartet ist und pro forma an eine nützliche Fontkollektion gedacht hatte ebenfalls. Noch unverbrauchte, aber sicher bald bekanntere Satzschriften, die durch einige reizvolle Displayfonts ergänzt zu einem seriösen und doch unschlagbaren Preis von 499 Euro angeboten werden gibt es wohl so schnell nicht wieder. Höchstens mit den Fontstars 2008. Dann habe ich meine Liste aber schon im Oktober fertig …

Bestellmöglichkeit, weitere Informationen und Schriftbeispiele finden sich auf der offiziellen Fontstarswebsite: fontshop.de/fontstars2007

Sinnlose Entfaltung Teil 2

Designers Skulls
Es ist schon wieder Zeit für besinnliche Totenköpfe. Wir erinnern uns … Gesucht wird nämlich auch in diesem Jahr der »Schädel des Jahres 2007«. Initiator Ekkehard Beck verspricht: »Mitmachen lohnt sich zwar nicht, macht aber Spaß.« Spitzenmotto! Wahrscheinlich werden die erwarteten Beiträge wieder als Font veröffentlicht. Die alten Beiträge, die genauen Teilnahmebedingungen, vergangene Entwürfe, die Jury und was weiß ich noch alles gibt es auf der offiziellen Website designers-skulls.de. Also Totenkopf zeichnen, einreichen und Ruhm und Preise gewinnen. Und den dazugehörigen Kopfblog besuchen.
[Daran erinnert worden von DIA]

Alles richtig gemacht

… vor zwei Monaten. Sehr bedenklich, diese Entwicklung, sehr bedenklich.

Berliner Typostammtisch 12/07: Erinnerung

Heute findet um 18.30 Uhr der letzte Berliner Typostammtisch dieses ereignisreichen Jahres statt. Gelegenheit also nicht nur zu einem Rekapitulationsbierchen und zu vorweihnachtlicher Stimmung im fachkollegialen Kreis, sondern auch zur Inspiration und für thematische Seitenblicke. Verena Gerlach trägt nämlich zu Beginn des Abends über das »Gestalten von und mit Buchstaben in allen Dimensionen« vor, aber das könnt ihr alles noch einmal genau im Einladungs-Posting nachlesen. Bitte kommt jedoch nicht unangemeldet. Lieber noch kurz Bescheid geben. Danke.