Artikel im September 2006


Typosuppe 16

Ich freue mich schon riesig auf den Film, den ich vor kurzem bereits anpries. Umso mehr geht mir die Typo des Filmplakates jedesmal durch Mark und Bein, wenn ich irgendwo darauf stoße. Es ist für mich schon erstaunlich, wie sehr sich doch die sechs Jahre Schulrussisch tief in den Geist gebrannt haben. Ich kann und will einfach im Schriftzug des Plakates nicht »Borat« sehen, ich lese immer nur »Wojadt«, trotzdem der Buchstabe »Ja« hier als »R« benutzt wird, indem er eine spiegelverkehrte Anwendung erfährt.

Wojadt? Borat!
Falsch

Es ist ein bisschen wie mit dem FedEx-Logo, nur eben ohne verstecktes Symbol, dafür aber mit »verstecktem« Text. Der gute – von Sacha Baron Cohan brillant gespielte Charakter – heißt Борат Сагдиев, B-o-r-a-t und S-a-g-d-i-j-e-v. Ist eigentlich ganz einfach mit diesen schicken kyrillischen Buchstaben. Aber ich urteile zum Freitag Abend mal gutmütig und befürchte, dass die Designer hier bewusst die Buchstaben versauen. Wer denkt dabei jedoch an all die Leute, die Russisch zumindest lesen können? Welche Höllenqualen sie beim Lesen ausstehen …
Wojadt? Borat!
So wäre es richtig

Übrigens hätte das »D« – hier fälschlicherweise als »A« verkleidet – zum falschen »R« eine kleine Unterschneidung verdient. Womit ich zu guter Letzt auch noch dem urtypografischen Anspruch dieser Kategorie gerecht geworden wäre.

[Infos: en.wikipedia.org/wiki/Borat | borat.de | borat.de/trailer]

Typospur (20): Ultra Bold = Baufirma

Auch die Chinesen verwenden die typischen ultrafetten Schriftschnitte für Logos von Baufirmen

Auch die Chinesen verwenden klassischerweise die ultrafetten Schriftschnitte für Baufirmenlogos.

Berliner Typostammtisch 9/06 – Zusammenfassung

Eine wirklich gut besuchte Premiere © Foto: H.Krause - Danke!
Ein kleiner Blick in die gut besuchte Runde (Foto H.Krause)

Das war er also, der erste Berliner Typostammtisch. 20 Schriftbegeisterte folgten unserem Vorschlag und trafen sich in geselliger Runde in der Nachbarschaft des ARD-Hauptstadtstudios. Illustre Gäste wie beispielsweise Erik Spiekermann, Jan Middendorp, Alessio Leonardi oder Henning Krause machten den Abend zu einem kurzweiligen Vergnügen für (hoffentlich) alle Beteiligten. Ralf Hermann von Typografie.info reiste sogar extra aus Weimar an und bekommt dafür das Silberne Lenkrad in Bronze ;)

Erik Spiekermann erklärt das »FontFont-Hertzsprung-Russell-Diagramm«
Erik Spiekermann, das »FontFont-Hertzsprung-Russell-Diagramm« erklärend.

Die Buchstaben wurden an diesem Abend ausnahmsweise mal nicht geformt und angewendet, sondern in verbaler Form ausgetauscht, das aber dafür nicht zu knapp. Eine Meinungsumfrage zur Regelmäßigkeit des Stammtisches ergab für die zweimonatliche Variante einen leichten Stimmenvorsprung gegenüber der monatlichen und quartalsweisen. Außerdem wurde unter anderem von Oliver Adam angeregt, zukünftig kurze prägnante Vorträge bzw. Themen zu behandeln. Diesbezügliche Vorschläge wurden natürlich auch gleich eingebracht, von »Sex & Type« über »Vivat Kalligrafie – Wer schreibt, genießt zweimal«, »Packaging Design«, »Die Welt verbessern – braucht man Schrift dazu?« und »Alltagstypo, auf der Straße gefunden« reichten hierbei die ersten Angebote.

Alessio Leonardi, Ivo Gabrowitsch und Jens Kutilek (© Foto mit freundlicher Genehmigung von Henning Krause)
Alessio Leonardi, ich selbst sowie Jens Kutilek (Foto H.Krause)

Beim nächsten Mal werden wir auch einen Ort finden, in dem die Gäste nicht mehr so weit voneinander entfernt sitzen müssen. Im Zweifel können wir auch eine Art Zwangsrotationssystem einführen. ;) Für eine Premiere lief der Abend aber aus meiner Sicht schon ganz gut. Ich habe mich sehr gefreut, viele Gesichter kennenzulernen, die ich bis dato nur aus Kommentaren in diversen Typoblogs und -foren kannte. Nach dem gestrigen Kennenlernen und Abklopfen bin ich sehr zuversichtlich, dass wir dem Ganzen einen schicken Anzug verpassen werden.

Ralf Hermann, Initiator von typografie.info, kam extra aus Weimar angereist (© Foto mit freundlicher Genehmigung von Henning Krause)
Ralf Hermann, Initiator von typografie.info, kam extra aus Weimar angereist (Foto H.Krause)

Christoph Koeberlin, a.k.a. Jackie Treehorn, geschätzter Kollege bei FSI und ständig-mir-die-guten-Typobücher-bei-ebay-Wegschnapper (© Foto mit freundlicher Genehmigung von Henning Krause)
Christoph Koeberlin, geduldiger Kollege bei FSI und ständig-mir-die-guten-Typobücher-bei-ebay-Wegschnapper (Foto H.Krause)

Typospur (19): Alles Gold, was glänzt

In Stein gehauen

Passend

»Ich hätte gern drei Brötchen.« »60 Cent, haben Sie die passend?« »Mal schauen, zur Not müssen wir eben feilschen …« »Das hab ich schon gemacht, eigentlich wären es 66 Cent.« »Oh, das ist aber nett. Dann hab ich es auch passend.«

Als ich heute morgen die Tüte auspacke finde ich sogar vier Brötchen.