Artikel im Juli 2006


Berlin (39): Love Parade 2006, Siegessäule

Love Parade 2006, Abschlusskundgebung an der Siegessäule

Beeindruckende Zahlen aus Asien

In genau zwei Wochen schaue ich mir nun die Druckbranche Chinas für ein halbes Jahr genauer an. Aus diesem Grunde beschäftige ich mich verständlicherweise im Moment verstärkt mit jener Szene. Heute vermeldet Heidelberg nachfolgende rekordverdächtigen Zahlen, die mich in diesem Zusammenhang natürlich noch mehr beeinducken, als sie es ohnehin schon täten:

Vor kurzem unterzeichnete die weltgrößte Banknotendruckerei China Banknote Printing and Minting Corporation (CBPM) einen Kaufvertrag über 12 Speedmaster CD 102 der Heidelberger Druckmaschinen AG. Es handelt sich um den größten Auftrag innerhalb der letzten vier Jahre für Heidelberg China. Insgesamt umfasst er 60 Druckwerke und sechs Farbmess-Systeme Prinect Image Control.

60 Druckwerke auf einmal, das ist schon ein ordentlicher Brocken. Die Chinesen können aber noch mit anderen Zahlen beeindrucken. Im Deutschen Drucker vom 18. Mai 2006 las ich folgendes über eine Druckerei in Heshan:

Die in der Leo-Paper-Group-Druckerei Heshan produzierten Mengen füllen jede Woche bis zu 250 Schiffscontainer (je 6,1 m × 2,4 m)! So gehen zum Beispiel 5 bis 6 Mio. Hardcoverbücher pro Monat in den Export. Aus dem ganzen Land kommen die meist ledigen Arbeiter – 20% Männer und 80% Frauen, Durchschnittsalter 22 Jahre! Sie schaffen meist zehn Stunden pro Tag und 60 Stunden in der Woche und erhalten rund 200 US-$ Monatsnettolohn.

Zahlen, die sicher aus hiesiger Sicht beängstigend wirken können. Mir selbst machen sie jedoch für den Moment große Lust auf meinen mehrmonatigen Aufenthalt. Erst recht, wenn ich dazu noch etwas über die produzierte Qualität lese, das so manches Vorurteil zu widerlegen scheint:

Der selbst gesetzte Qualitätsanspruch manifestiert sich in sieben internationalen Standards entsprechenden Zertifizierungen (so unter anderem ISO 9001:2000, ISO 14001 und OHSAS 18001) sowie zehn nationalen und internationalen Anerkennungen.

Mir scheint, dass nicht nur die Chinesen von uns „lernen“, sondern wir wohl auch sehr viel von den Chinesen lernen können. Ich bin also sehr gespannt.

Alte Kicker-WM-Sonderhefte

Titelbild Kicker-WM-Sonderheft Mexiko 1970Die Fußballweltmeisterschaft 2006 ist vorbei, das haben wir ja bereits festgestellt. Damit ist sie nun genau das, was ihre Vorgängerveranstaltungen auch sind: Geschichte. Viele Legenden ranken sich um jede einzelne Weltmeisterschaft. Begründet wurden die meisten im Laufe eines Turnieres. Jedoch gab es immer schon im Vorfeld Interessantes zu berichten. Seiner journalistischen Pflicht bewusst war sich diesbezüglich seit eh und je der Kicker. Mit einem Sonderheft zur jeweiligen WM befriedigte er die Informationssucht der Fußballfans. Man diskutierte die Torwartfrage bereits vor Mexiko 1970, entdeckte die deutsche Abwehrschwäche schon in Italien 1990, stellte den neuen Pokal zum Turnier in Deutschland 1974 vor, porträtierte tragische Helden, wie Bernd Franke vor Spanien 1982.

Das WM-Alphabet. Einfach schön. Irgendwie.Uwe Seeler als Schiesser-WerbeikoneDer Kicker zeigt kostenlos alle WM-Sonderhefte von 1970-2002 in einer recht ordentlichen Qualität und lädt damit jeden Freund des runden Leders ein, viele Stunden auf der Kicker-Website zu verbringen. Ein aus heutiger Sicht typografischer, gestalterischer und inhaltlicher Traum (bisweilen wohl auch Albtraum) sind hierbei vor allem die Werbeanzeigen. Ich will dazu eigentlich gar nicht näher eingehen, man muss sie einfach einwirken lassen. Geniale Entdeckungen warten darauf, gefunden zu werden.

Der Direktlink zum Fußball- und Printwerbeparadies lautet:
e-paper1.kicker.de/ee/sonderheft/default.php?pSetup=sonderheft

Vorbei

Die Spieler sind schon weg …

Es war unvergleichlich schön und wird unvergessen bleiben. Mir selbst bleibt besonders der Besuch meines ersten (und sicherlich nicht letzten) WM-Spieles in Erinnerung, sowie die unbeschreibliche Stimmung hier in der WM-Hauptstadt.

Das Logo der Fußball-WM 2010 in Südafrika

Logo der Fußball-WM 2010 in SüdafrikaHeute wurde von der FIFA das nächste Fußball-WM-Logo des Turniers in Südafrika 2010 präsentiert. Und siehe da, was muss ich sehen? Wieder einmal wird der stilisierte Pokal der WM 2002 in Südkorea und Japan verwendet. Jenes Detail, das mir beim oft gescholtenen aktuellen Logo als definitiv gröbster »Schnitzer« missfällt (wobei ich anmerken möchte, dass ich diesbezüglich nicht in den üblichen kritischen Tenor einsteige). Daraufhin habe ich mich mal auf der offiziellen Weltmeisterschafts-Website fifaworldcup.com schlau gemacht und musste feststellen, dass dieser Blödsinn offenbar Methode hat. Die FIFA schreibt:

Die FIFA als Veranstalter des Turniers hatte die Agentur „Whitestone“ aus London mit der Entwicklung des Logos betraut. Basierend auf der hervorragenden Arbeit bei der Weltmeisterschaft in Japan/Korea gemacht hatte. Schon dafür hatte „Whitestone“ das Logo entwickelt. Elemente dieses Logos, insbesondere der Pokal, mussten sich in dem für 2006 wiederfinden – und werden auch in den Logos aller zukünftigen Weltmeisterschaften auftauchen.

Logo der Fußball-WM 2002 in Japan und KoreaNa Klasse. Ein Logo, das einfach gewissen Gestaltungsgrundlagen unterworfen ist, kann doch nicht einfach ein anderes Logo in sich aufnehmen. Wo bleibt da die vielgepriesene Originalität eines Logos? Wenigstens darf man wohl tatsächlich der Agentur keinen Vorwurf machen. Höchstens den, dass sie nicht dazu in der Lage war, den Kunden von der Unsinnigkeit des Vorhabens zu überzeugen. Man darf jedenfalls gespannt sein, was die zukünftigen Logodesigns noch mit sich bringen. Aus designguide.at möchte ich in diesem Zusammenhang nur einmal einige kurze Merkmale des guten Logodesigns in Erinnerung rufen:

Das Logo soll aus einer klaren guten Idee heraus entwickelt werden. Es sollte keine überflüssigen Elemente beinhalten, nicht voller Details stecken. Das Logo sollte einfach gut einprägsam sein und Schönheit mit Zweck verbinden.

Das erstellte Logo sollte keinesfalls eine Kopie anderer Logos sein. Das erinnert den Betrachter an das ursprüngliche Logo, und somit an ein anderes Produkt bzw. eine andere Firma.

Logo der Fußball-WM 2006 in DeutschlandLogo der Fußball-WM 1986 in MexikoAn überflüssigen Elementen mangelt es dem Aktuellen ja offensichtlich nicht. Aber dazu ist ja auch schon alles gesagt worden. Auf jeden Fall ist nunmehr den Londoner Designern farblich und typografisch gelungen, einen typisch (süd-)afrikanischen Charakter zu erzielen, was beim aktuellen Design in Bezug auf Deutschland eher nicht der Fall ist. Außerdem verzichtet man nun – endlich – auf den völlig überflüssigen, aber bisher zu verwendenden Copyright-Hinweis. An meinen Liebling von Mexiko 1986 (allein die Typo ist super) kommt das zukünftige Logo der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 allerdings immer noch nicht heran. Obwohl das von 2002 schon nah dran war, wenn man mal von den üblen Maskottchen absieht.

Update: Das Fontblog hat ebenfalls einen kleinen Abriss zum Thema veröffentlicht mit zahlreichen zusätzlichen Hintergrundinformationen.

© Logos: FIFA

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