Artikel im Juni 2006


Geld verdienen mit Schriftendesign

Ob und wie viel Geld man möglicherweise mit dem Design einer Schrift verdienen kann wird momentan bei Slanted diskutiert. Besonders aussagekräftig – weil beinahe ungewöhnlich konkret – ist hierbei der Beitrag von Jürgen Siebert (Fontblog), etwas weiter unten im Thread.

Zum Beitrag: slanted.de/915

Typospur (13): Rigoletto 1935

Rigoletto 1935 Staats-Oper Unter den Linden Berlin

Das Bild zeigt ein Programmheft einer Aufführung von »Rigoletto« von Guiseppe Verdi vom 26. April 1935 in der Staats-Oper Unter den Linden Berlin. Dieses typografisch überaus interessante Heftchen, von Selmar Bayer Druck Berlin hergestellt, habe ich jüngst auf einem Flohmarkt erstanden. Beim Titel musste ich zwar ein in der damaligen Zeit sehr präsentes Symbol sowie eine fragwürdige Parole per Retusche entfernen, doch werde ich sicher bald weitere Inhalte daraus im Rahmen der Typospuren veröffentlichen. Zu liebevoll wurden Inhalt und Anzeigen gestaltet, um sie für immer in der Versenkung verschwinden zu lassen.

Übrigens, die Preise für die Oper vor 71 Jahren beliefen sich zwischen 1 Reichsmark (4. Rang Stehplatz) und 10 Reichsmark (1. Rang Sessel 1. Reihe).

Danke, stimmt so

Kassenzettel vom Kaiser's

Ich warte heute noch auf das ausgewiesene Rückgeld vom Einkauf beim Kaiser’s.

Berlin (37): (Deutschland-)Flagge zeigen

Deutschlandfahne auf dem Reichstag
Auch ich zeige Flagge. Gut, wenn man einen reichhaltigen Bilderfundus sein eigen nennt.

Zehn Gebote für Polygrafen

Auf meinem kleinen historischen Exkurs in die Tiefen der Druck- und Designgeschichte sind mir einige weitere interessante Fundstücke in die Finger geraten. Zum Beispiel die 10 Gebote für Polygraphen, wobei mich bereits die Bezeichnung Polygraf selbst fasziniert, weil er prägnant das breit gefächerte Berufsfeld wie kein zweiter beschreibt. Was genau hinter der Bezeichnung steckt, die auch ich mir nur zu gern überstülpe, beschreibt die weiterführende Wikipedia-Definition genauer:

Das Berufsbild Polygraf ist durch den technologischen Fortschritt in der Druckvorstufe entstanden. Der Polygraf ist das Resultat der beiden Berufe Typograf (Text) und Lithograf (Bild).

Geschätzte Polygrafengemeinde, eure heiligen zehn Gebote lauten also wie folgt:

  1. Bemühe dich, mit einfachen Mitteln gute, kunsthandwerkliche Wirkungen zu erzielen.
  2. Lass dich durch anfänglichen Misserfolg nicht entmutigen. Nur wer lernt, kommt weiter.
  3. Bilde dich an edlen Vorbildern, aber ahme nicht gedankenlos nach.
  4. Verwende für jede Arbeit passendes Material und hüte dich vor Ersatzmitteln.
  5. Übe deine Erfindungsgabe: eine Arbeit, die deine Werkstatt verlässt, soll dein eigen Gepräge tragen.
  6. Überhaste keine Arbeit, denn gut Ding will Weile haben.
  7. Halte auf Wertarbeit. Wer zu leicht mit sich zufrieden ist, wird nie das Beste leisten.
  8. Gehe mit der Zeit, aber lass dich nicht von ihr unterkriegen.
  9. Denke daran, dass jede Zeit ihre besonderen Ausdrucksformen hat.
  10. Erziehe durch neue Ideen dich und die Abnehmer deiner Erzeugnisse, das ist deine hohe Pflicht als Jünger Gutenbergs.

Ich hoffe, dass alle Eidgenossen die Gebote entsprechend beherzigen, denn sie haben in Zeiten steigender Expertenflut und ständig wachsender Anzahl von Hobby-Mediengestaltern heute mehr Bedeutung denn je.

Für eine qualitativere Arbeit, ein besseres Handwerk, eine schönere Welt. Amen.

Fontwerk