× Was ist Typografie?
» 1. Juli 2005, 07.00 Uhr | Kategorie Typografie | Ein einsamer KommentarDer Begriff Typografie entstammt den griechischen Worten „typos“ (Abdruck, Abbild, Form, Schlag) und „graphein“ (schreiben, malen, ritzen). Man versteht darunter die Lehre von der funktionalen und ästhetischen Form und Gestaltung der Schriftzeichen, sowie der Gestaltung von Druckwerken und anderen visuellen Medien durch Texte, Linien, Flächen, Abbildungen und „typografischem Raum“.
Johann Jakob von Weingarten:
„Inter scientias non minima est typographica
(Die Typografie ist unter den Künsten keine der geringsten)“
Typografie könnte man also auch als Lehre von den einzelnen Buchstaben, von der Zusammenfügung einzelner Buchstaben, der Zusammenfügung von Buchstaben zu Wörtern und von Wörtern zu gliedernden Elementen wie Zeilen, Absätzen, Textblöcken und Spalten bezeichnen. Sie gehorcht im Wesentlichen den Gesetzen der Optik und der Schwerkraft.
Wolfgang Beinert unterscheidet acht Teildisziplinen der gestalterischen Typographie:
- Schriftgestaltung (Schriftentwurf, Type-Design),
- Lesetypografie (Buchtypografie),
- Gebrauchstypografie (Akzidenztypografie, Werbetypografie),
- Corporate Typography (Schrift als Element im Corporate Design sowie in Leit- und Informationssystemen),
- Kunsttypografie (Typo-Design),
- Web- und Screen-Typografie (Digitale Schriftlichkeit),
- Animationstypografie (Schrift in Bewegung, Schriftanimation),
- Plastische Typografie (Schrift im dreidimensionalen Raum).
Man unterscheidet zwischen Mikro- (oder Detail-) und Makrotypografie (Layout). Auch der Entwurf von Schriften ist ein Bereich der Typografie. Auf diese Themen gehe ich jedoch später näher ein.
Jan Tschichold:
„Gute Typographie ist so, wie ein guter Diener gewesen sein mag: da und doch nicht bemerkbar; unauffällig, aber eine Voraussetzung des Wohlbefindens, lautlos, geschmeidig.“
Typografie verdeutlicht und unterstützt durch ihre Form Inhalt und Zweck eines Werkes. Ihr Ziel ist es, dem Leser die Intention eines Textes nahezubringen. In den meisten Fällen soll eine optimale Lesbarkeit der dargestellten Informationen erreicht werden, es kann aber auch oft darum gehen, bestimmte Informationen gezielt hervorzuheben. Diese und weitere Aufgaben können durch vielfältige Möglichkeiten bewältigt werden: der Einsatz unterschiedlicher Schriftarten, Schriftgrößen und Auszeichnungsarten, die Wahl der Zeilenlänge, des Zeilenfalls, des Satzspiegels innerhalb des Papierformates und so weiter und so fort.
War Typografie seit langer Zeit Teil des Fachwissens der Drucker und Schriftsetzer, ist sie heute ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung von Grafikern, Mediengestaltern und ähnlichen Berufsgruppen. Allerdings kann heute jeder am Computer selbst Schriftstücke erstellen und somit auch selbst typografisch tätig werden. Ich wünsche mir dabei einen sensibleren Umgang mit Buchstaben und typografischen Elementen, da Masse leider meistens alles andere als Klasse bedeutet. Diese Rubrik soll dazu ein kleines Stück beitragen.
Zum Abschluss verweise ich hier noch auf zehn interessante Thesen zur Typografie vom „Schriftguru“ Kurt Weidemann.