»
31. Mai 2005, 16.10 Uhr | Kategorie
Persönlich
| Kommentieren?
Wieso muss es wieder so spannend werden, verdammte Axt noch einmal? Kann man nicht einfach mal den Sack vor dem letzten Spieltag zu machen? Muss ich wieder bis zum Schlusspfiff gegen einen Herzkasper ankämpfen?
Aber das muss wohl so sein wenn man Fan eines drittklassigen Traditionsvereins ist, der seit Jahren in der Versenkung der Regionalliga verschwunden ist. Wenn man heute noch von Erfolgen zehrt, die man selbst gar nicht mit erleben konnte, da man ja erst 26 Jahre alt ist, die einzige Meisterschaft aber bereits seit 38 Jahre Geschichte ist.
Nur einmal, am 18. Mai 2002 um genau 15.47 Uhr hat man es selbst miterlebt: den langersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga. Das war nicht nur mein Geburtstag, in diesem Jahr wurde daraus sogar der schönste Tag meines Lebens. Vielleicht kann sich jemand ungefähr vorstellen, was das bedeutet. Heute kann ich sogar ruhigen Gewissen beichten, dass ich an den folgenden zwei Tagen meine einzige Krankschreibung meiner berufstätigen Zeit zu verzeichnen hatte ;-) Gut, wenn dann auch der Chef ein Eintracht-Fan ist.
All das bahnt sich nun spätestens seit dem überraschend klaren Auswärtssieg der Braunschweiger beim Tabellenführer Paderborn wieder an. Schon vor dem Erreichen der Herbstmeisterschaft hatte ich ein gutes Gefühl. Aber was nun seit Samstag in mir vorgeht, spottet jeder Beschreibung. Ich zähle die Tage, ja mittlerweile die Stunden (es sind noch 94) bis zum Anpfiff des Saisonfinales gegen die bereits abgestiegenen Amateure von Arminia Bielefeld.
Oh, Eintracht. warum tust du mir das an? Warum? Warum bin ich nicht einfach Bayern-Fan geworden? Also bitte. Bitte, bitte, bitte mach es! Ein Tor mehr als Bielefeld reicht mir schon. Und warte bitte nicht wieder bis zur Nachspielzeit. Ich hab doch immer fein meinen Eintritt bezahlt und habe dich angefeuert, mein Trikot und die Schals gepflegt und sogar schon das neue Dress bestellt.
So, jetzt aber noch mal schnell die Aufstiegs-CD von 2002 reingeworfen und die Okerwelle-Radioreportage der letzten Minuten angeschmissen: „…hoch rein, über die linke Seite… Weetendorf mit der Chance… jetzt hams sie es…mach ihn rein… nein, nein, nein, nein…Was für eine Situation… aber da kriegen sie ihn aus fünf Metern nicht rein … jetzt vielleicht … TOOOOOORRRR!!!! TOOOOR FÜR BRAUNSCHWEIG! THOMAS PIORUNEK! THO-MAS-PI-O-RU-NEK! ZWEI ZU EINS FÜR DIE BRAUNSCHWEIGER EINTRACHT!!!! 90. MINUTE! UND HIER IST JETZT DIE HÖLLE LOS!!! ES IST NICHT ZU FASSEN! ZWEI ZU EINS…“
Geschrieben von Ivo
»
25. Mai 2005, 11.33 Uhr | Kategorie
Zeitgeist
| 17 Kommentare
„Hallo du. Darf ich dich zu unserem Bibelkreis hier in der TFH einladen?“
„Sorry, aber ich habe keine Zeit.“
„Dann komm doch einfach nächste Woche mal vorbei.“
„Ganz ehrlich? Ich habs nicht so mit Jesus. Ich kann dieser Sache nicht wirklich etwas abgewinnen. Sorry.“
„Aber Jesus ist für deine Sünden ans Kreuz geschlagen worden!“
„Was denn für Sünden?“
„Deine Sünden.“
„Ich hab doch gar nichts gemacht.“
„Wer kann schon wirklich behaupten, er sei frei von Schuld?“
„Ich.“
„Kannst du das wirklich sagen?“
„Siehst du doch.“
„Wenn dein Leben an dir vorbeiziehen würde, würdest du nicht an manchen Stellen rot werden?“
„Hmmm… Lass mich kurz mal überlegen.… Nö!“
„Na? Wirklich?“
„Du, ich muss leider echt los…“
„Ich bin Peter. Wie heißt du?“
„Ivo. Aber ich muss jetzt echt los. Wahrscheinlich treffe ich dich doch nächsten Montag wieder hier.“
„Jesus sei mit dir!“
„Jaja, hau rein.“

Geschrieben von Ivo
»
20. Mai 2005, 21.30 Uhr | Kategorie
Zeitgeist
| Ein einsamer Kommentar
So, Feierabend. Der fünfte Block ist vorbei, ab nach Hause. Runter zur U-Bahn. Oha, die U6 ist schon da. „Bitte zurücktreten!“. Das schaff ich noch - STRIKE! Sauber. Die fünf Minuten bis zur nächsten hab ich schön gespart. Was könnte ich damit… BUMM! „SCH…!“, höre ich es hinter mir. Ah, ich bin also nicht der einzige, der die paar Minuten nicht auf die nächste Bahn warten kann. Ein junger, 2-3 Jahre älterer Mann steckt zwischen den gelben Türen fest, kann sich aber kurz nachdem sich die Bahn in Bewegung setzt befreien. Fast.
Sein Parka steckt fest in der U-Bahn-Tür. Sieht ziemlich bescheuert aus. Die Schadenfreude liegt wie Blei in der Luft. Der arme Kerl. Er zieht und zerrt, ein weiterer Fahrgast hilft dabei. „Machense doch nicht die Jacke kaputt, junger Mann“ tönt es von einer etwas betagteren Dame durch den Waggon. „Nee nee, gleich hält er ja wieder…“ entgegnet die eingeklemmte Gesichtstomate. In diesem Moment wird mir und wohl auch den anderen das ganze Ausmaß des Dramas bewusst. Auf der U6 in Richtung Süden gibt es nach dem Bahnhof Leopoldplatz, wo wir rein gesprungen sind, keinen Bahnsteig mehr, bei dem man rechts aussteigen kann. Die Tür wird also geschlossen bleiben. Herr Kolleje, einmal durch die Hauptstadt bitte! Die fünf Minuten Ersparnis multiplizieren sich um einen vorher kaum für möglich gehaltenen Faktor. Herrlich. Ein Glück, dass ich nur drei Stationen weiter aussteigen kann und meinen Bauch und meinem Gesicht mit einem lauten Lachen Enstpannung verschaffen kann. Danke, guter Parkamann, Schadenfreude tut ja so gut.
Übrigens, ich bin auf der linken Seite ausgestiegen, falls es jemanden interessiert..
Geschrieben von Ivo