Artikel des Jahres 2005


Tucholsky, Sex und Gregor Gysi

Irgendwie habe ich mir in letzter Zeit bestimmte Eigenschaften der Bewohner dieser schönen Stadt angewöhnt. Zum Beispiel überall die Leute von der Seite anzuquatschen. Berliner Schnauze eben. So habe ich das vorhin auch in einem Dönergrill im Prenzlauer Berg gemacht. Einfach den Hartmut angequatscht. Ob er schon Erfolg an den beiden Spielautomaten hatte. In selbige hatte er, schön verteilt, gerade 14 Euro eingeworfen. In der einen Hand die Duett-Kippe, in der anderen Berliner Pilsener. Wie er zugab, hatte er davon schon einige getrunken. Auf meine Anmerkung, dass ich kein Spieler sei, meinte er nur: „Ihr jungen Menschen könnt euch ja noch mit Sex ablenken.“ Er zitierte daraufhin Wilhelm Busch, Kurt Tucholsky und Heinz Quermann. Die Zitate handelten von Freundschaft und Einsamkeit.

Hartmut war Bäcker. Arbeitslos nach der Wende. Ist sogar aus der SED geflogen. Anfang 60 mag er wohl gewesen sein. Vielleicht sogar schon Ende 60. Frührentner. Die Automaten zählten sein Geld unaufhörlich herunter. Er war durchaus intelligent und erstaunt, dass ich Herbert Köfer kannte. Dafür bekam ich neben seinem anerkennenden Respekt einen Kaffee spendiert. Leider wusste ich nicht, wie der DDR-Spion hieß, dessen Existenz das Ende der Ära Willy Brandt einläutete. Somit hatte ich einen weiteren Kaffee leichtfertig verspielt. Er fragte, ob man die DDR mit dem Dritten Reich vergleichen könne. Meine Antwort darauf enttäuschte ihn. Wer intelligenter sei, Gregor Gysi oder Michel Friedmann. Dass das Leben seit seiner Scheidung einsam ist. Was wichtiger sei, Liebe oder Freundschaft. Die Automaten ratterten.

Auf meine Frage, wen man denn nun am 18. September wählen könne, wusste er eine Antwort. Er habe immer PDS gewählt. Aber jetzt, wo die Mehrwertsteuer erhöht werden soll, kann es nur die SPD sein. Jawohl, die SPD. Wie solle man als Rentner das auch alles bezahlen, sagte er und zündete sich bereits die vierte Duett-Zigarette seit dem Beginn unseres Gesprächs an. Meinem Argument, dass sie ab morgen wieder teurer werden würden, entgegnete er: „Ist doch schon seit heute teurer, jedenfalls habe ich vorhin schon mehr bezahlt als sonst.“

Die Ausbildung früher sei besser gewesen. Viel besser als im Westen. 1990 traf er mal in einer Speisegaststätte einen Ingenieur von Siemens. Sein bester Freund, Elektroingenieur aus Ost-Berlin, meinte nach der vierten Frage an den Siemens-Herren: „Lass ab, Hartmut, der versteht mich schon nicht mehr.“ Für Hartmut waren das alles „böhmische Dörfer“, wie er selbst anmerkte, aber die Ausbildung war auf jeden Fall früher besser.

Als ich ging, stand auf der Anzeige an beiden Automaten »0 Euro.«

Meine Tipps für den Urlaub in der Toskana (sowie Venetien und Emilia Romagna)

Nachdem ich gut erholt aus Italien zurückgekehrt bin möchte ich etwas machen, was ich schon nach den letzten Urlaubsreisen tun wollte. Ich schreibe frisch gewonnene Erkenntnisse, besondere Tipps, aber auch Stolperfallen aus meiner bescheidenen subjektiven Sicht nieder.
Postkartenmotiv (Zypressenhügel)
Postkartenmotiv (Zypressenhügel)
Wie immer sind wir mit den sogenannten Billigfliegern geflogen. Für den Hinflug buchten wir HLX von Tegel nach Venedig, für den Rückflug easyJet von Pisa nach Schönefeld. Beide Flüge kosteten für zwei Personen jeweils 120 Euro. Diese Reisevariante ziehe ich der allgemein üblichen Italien-Autotour über die Alpen vor. Ist einfach schneller und entspannter. Abendstimmung in der Toskana
Abendstimmung in der Toskana

In Venedig mieteten wir uns ein Auto von Hertz für sieben Tage. Kostenpunkt für einen Ford Fiesta 229,– Euro. Gut möglich, dass es bei frühzeitiger Buchung übers Internet günstiger wird. An dieser Stelle gleich einmal die zwei wichtigsten Auto-Tipps vornweg:

1.) Nutze, so weit möglich, die Nebenstraßen. Hier ist man oft allein mit der Weite der Landschaft und findet die wahren Schätze der Toskana abseits der Touristenhochburgen.
2.) Nimm CDs mit. Es ist unmöglich, in Italien einen gescheiten Radiosender zu finden. Solltest du doch einen gefunden haben kannst du davon ausgehen, dass du nicht einmal das nächste Lied zu Ende hören kannst, ehe ein zweiter Sender sich über deinen Lieblingssender legt oder das große Rauschen das Auto beschallt. So viel zu meinem kleinen Auto-Exkurs.

Sommer in der Toskana
Sommer in der Toskana

Unterkünfte suchten wir wie immer über die örtlichen Touristeninformationen. Die haben meistens eine Liste aller möglichen Herbergen und wenn sie gut und nett sind, dann wissen die, was noch frei ist und rufen sogar für dich beim Bettprovider deiner Wahl an. Nachfolgend will ich, der Einfachkeit halber, mal meine Tipps, was Reiseziele und Unterkünfte betrifft kurz anführen:

  • Golf von Beretta bei Piombino: Wenn es Strand sein soll, dann nur der Golf von Beretta. Der ist idyllisch gelegen, sehr gepflegt und, was in Italien sehr wichtig ist, umsonst.
  • Arena di Verona: Jedes Jahr im Sommer findet dort ein Opernfestival statt. »Nabucco« in der altehrwürdigen Arena: ein Traum.
  • Restaurant »Locanda Ceccardo« Sant‘ Andreapelago – Pievepelago (Modena): Ein unglaubliches Restaurant. Von außen eine unscheinbare Dorfkneipe, von innen ein edles Spezialitätenrestaurant der Emilia Romagna, mitten im Ortskern von S. Andrea. Telefonisch erreichbar unter: (ITA) 05 36 – 7 24 27 (Man spricht englisch) Abenddämmerung in San Miniato
    Abenddämmerung in San Miniato

  • »Casa Romagnoli« San Miniato (Pisa): Relativ günstige Zimmer mit einem traumhaften Blick über die Arno-Ebene (siehe Panoramafoto). Erreichbar im Netz unter casaromagnoli.fasturl.it oder per Telefon und Fax unter (ITA) 05 71 – 41 82 29 (Man spricht nur italienisch)
  • Bed & Breakfast »Villa Lavarino« in S. Andrea Pelago: In den Appenninen gibt es nahe Pievepelago an der ss12 ein wahres Kleinod einer Unterkunft. Die Hausherrin Gina macht ein extrem umfangreiches und leckeres Frühstück, beobachtet Vögel und kümmert sich um ihren traumhaft schönen Garten. Ob sie ein freies Bettchen hat, kann man sie per Telefon fragen: (ITA) 05 36 – 7 14 15 (Sie spricht englisch). Eine E-Mailadresse habe ich auch von ihr, aber die ruft sie selten ab.
  • »Hotel Noemi« Venedig: 50 Meter vom berühmten Piazza San Marco entfernt liegt ein sehr günstiges Hotel (günstig im Sinne der sonstigen Preise in dieser Stadt). Buchbar ist das Ganze online unter hotelnoemi.com
  • Agriturismo »Casa Guiggiani« Casteglione: Auf einem Hügel befindet sich diese familiäre Agriturismo-Unterkunft. Vom hauseigenen Pool kann man weit über das Chianti-Tal blicken. Preislich ist es auch relativ günstig und wunderschön gelegen. Kontaktdaten: Loc. Castagnoli – 53013 Giaole in Chianti (Siena), Tel.: (ITA) 05 77 – 73 10 31 (Man spricht italienisch).
  • Agriturismo »S. Francesco« bei Volterra (Pisa): ss68 bei Kilometer 46. Für 23 Euro gibt es ein Zimmer auf einem alten Bauernhof, idyllisch auf einem Hügel mit kleinem Frühstück. Etwa 6 km von Volterra entfernt. Telefonisch erreichbar unter: (ITA) 05 88 – 3 50 27 (Italienische Sprachkenntnisse erforderlich)

Alles in allem kann ich Italien einmal mehr als Urlaubsland empfehlen. Ich werde mit Sicherheit nicht das letzte Mal auf den Stiefel gereist sein. Dazu ist es dort einfach zu schön.
Man kann sich leicht von der italienischen Gemütlichkeit anstecken lassen.
Man kann sich leicht von der italienischen Gemütlichkeit anstecken lassen.

Weitere Bilder aus Italien gibt es hier in den folgenden Tagen zu sehen.

Berlin (7): Achtung, Senioren!

Achtung, Senioren!

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