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Die besten Schriften 2008

Archiv der Kategorie »Zeitgeist«

× Da passt was nicht

» 21. Februar 2007, 09.54 Uhr | Kategorie Zeitgeist | 7 Kommentare

Wenn ich morgens um sieben zur Physiotherapie ins Virchow-Klinikum gehe, komme ich immer an der Onkologie vorbei. Jedesmal sehe ich am Tropf hängende Patienten im Bademantel vor der Tür stehen [bei Minusgraden], die rauchend über die Unfähigkeit der Ärzte schimpfen. Es kommt mir unweigerlich der dicke Mann in den Sinn, der kürzlich im Restaurant am Nachbartisch saß, ein Eisbein und eine große Cola bestellte und einem seiner ständig wechselnden »Quacksalber« die Schuld an seiner Fettleibigkeit gab. Dann denke ich mir manchmal: Irgendwas passt da nicht zusammen. Ich komm nur nicht drauf …

Geschrieben von Ivo


× Montevideo ist wie München am Meer*

» 13. Februar 2007, 20.31 Uhr | Kategorie Zeitgeist | Ein einsamer Kommentar

Der Autor der »Mörderfackel« hat wieder zugeschlagen. Nachdem Armin Reins das Mittelmaß in der deutschen Werbung bekämpfte, fühlt er nun der »Corporate Language« auf den Zahn. Mit Genuss verschlang ich sein Buch, das – wie ich finde – genau das richtige ist für Texter, Werber, Kommunizierer und alle die verstehen wollen, warum sie von den Werbern nicht verstanden werden. Um es mit den Worten des Spiegels zu sagen: »Nach der Lektüre wissen sie genauer, warum sie manche Dinge kaufen und andere nicht.«

Corporate Language von Armin ReinsAbwechslungsreiche, aber in sich schlüssige Kapitel vermitteln entscheidende Erkenntnisse für eine bessere Unternehmenssprache, die entscheidender wahrgenommen wird, als großspurige Versprechungen teurer Kampagnen. Oder wer hat sich nicht schon einmal über ein arrogantes Schreiben seiner Versicherung geärgert? Außerdem erfährt man bereits auf den ersten Seiten, wie man mit einem einzigen Satz zum Multimillionär werden kann. Jener Satz ist nun aber schon vergeben.

»Es geht heute in den Texten häufig nicht mehr darum, durch eine Vielzahl von Argumenten zu glänzen. Es geht darum, die richtige Haltung zu kommunizieren. Denn der Verbraucher kauft immer mehr Produkte, die ihn in seiner Haltung bestätigen.«

Derlei anhand bemerkenswerter Beispiele erläuterte Theorien und Erkenntnisse lassen mir nichts anderes übrig, als »Corporate Language« dem thematisch auch nur annähernd Interessierten wärmstens zu empfehlen. Allein schon er abermals entzückenden typografischen Gestaltung des Hermann-Schmidt-Verlags wegen. Ich bin sehr gespannt auf Armin Reins, der – nachdem ich meinen Kollegen von seinem Buch vorschwärmte [gibt es da vielleicht einen Zusammenhang?] – als Sprecher der TYPO 2007 engagiert wurde. Ende des unbezahlten Werbeblocks.

* Wer übrigens wissen will, was es mit der Überschrift auf sich hat, wird nicht umhin kommen, die Seiten ab 39 zu studieren … ;)

Geschrieben von Ivo


× Maskottchenterrorismus

» 8. Februar 2007, 11.29 Uhr | Kategorie Zeitgeist | 7 Kommentare

Jetzt hat es also auch meinen Verein getroffen. Nach Herthinho, Wölfi, Ritter Keule und ihren ganzen bescheuerten Kollegen aus Randsportarten wie Handball oder Biathlon wird wohl bald auch ein armer Braunschweiger Student im Löwenkostüm durchs Stadion an der Hamburger Straße flitzen. Und das, obwohl Eintrachts PR-Leiterin Miriam Herzberg noch kürzlich betonte, dass es ein Maskottchen am Spielfeldrand nicht geben wird.

Ich verstehe ja, dass man dem einen oder anderen Kleinkind mit solchen Aktionen den Stadionbesuch schmackhaft machen möchte. Doch vergisst man nicht allmählich die Leute, die noch in der Überzahl sind? Diejenigen, die 90 Minuten ihre Mannschaft feiern und Fußball sehen wollen. Der wird neben Einlaufmusik, Eckballanimation und Videowand nämlich auch noch gespielt. Vergisst man leider manchmal. Stück für Stück wird diesen Fans zweiter Klasse, die Stehplätze statt Multifunktionsarenen wollen, Fankurven statt Spielplatzblöcke, Schals statt Anzug tragen und Bier statt Sekt trinken das Spiel vermiest. Dabei war Fußball immer der Sport des Proletariats. Billig, einfach, dreckig und ehrlich.

Der vom einfachen Fan gefühlte Trend geht aber offenbar dahin, nur noch zahlungskräftige Besucher in die Arenen zu locken, die finanziell ähnlich gut gestellt sind wie die Spieler selbst. Dann braucht man aber in Zukunft nur noch 500 VIP-Logen und keine Tribünen mehr. Die Wurstbude kann dann auch gleich abgerissen werden. Diese Entwicklung finde ich unschön und ich vermisse hierbei den Respekt vor dem Normalsupporter. Ich lebe selten in verklärten Erinnerungen von früher. Aber beim Fußball erinnere ich mich gern an Zeiten, als es Bier noch in Gläsern gab und darin sogar 5% Alkohol enthalten war. Nicht, dass ich es als Kind schon getrunken hätte, aber die selbstgebastelte Fahne [die man noch ins Stadion nehmen durfte] schwenkend habe ich höchstens mal Tore vermisst, jedoch keine zwei Meter großen Plüschtiere.

Der weise Addi Preißler war seiner Zeit weit voraus: »Entscheidend ist auf dem Platz«. Nennt mich in diesem Punkt von mir aus polemisch und ignorant. Diese Maskottchengeschichte ist leider nur ein weiterer unrühmlicher Haltepunkt einer Reise in für Fußballpuristen düstere Zeiten. Wenn ich eine hohle Show will, geh ich zur Blue Man Group. Ich will, dass sich die Spieler Blei in die Schuhe tun, damit sie schwerer werden. Fußball als Inhalt. Weniger gleich mehr. Ich gebe damit wieder ab an die angeschlossenen vereinseigenen Marketingabteilungen.

Geschrieben von Ivo


× Support your local dialect

» 18. Januar 2007, 13.05 Uhr | Kategorie Zeitgeist | Kommentieren?

Die Spatzen pfeifen es vom Kupferschieferdach: nach dem schon heute zum Kult avancierten ersten Elsterglanz-Konzert [Elsterglanz?] im Eisleber Wiesenhaus verdichten sich die Hinweise auf eine bevorstehende Tour, beginnend im Steintor-Varieté in Halle. Das kann man zumindest dem Mansfelder Buschfunk und der Klotür elsterglanz-dieband.com entnehmen. Dort finden sich mittlerweile sogar diverse von Sven und Gilli geschriebene Songtexte, zum Beispiel »Waldemar der Brombeerblueser«, »Motocross in Teutschenthal« und »Die Mutter von James Bond«. Unbedingteintrittskartenhabenwill!

Geschrieben von Ivo


× Rot für das Ampelweibchen

» 13. Januar 2007, 12.33 Uhr | Kategorie Design, Zeitgeist | 2 Kommentare

Als ich jüngst das Foto vom Dresdner Ampelweibchen sah, fand ich das witzig. Als Pandon zum Standardsymbol eine amüsante Idee, toll für Touristen. Da wusste ich aber noch nicht, dass dahinter eine ernsthafte politische Initiative steckt.
Das Dresdner Ampelweibchen
Das Dresdner Ampelweibchen [Foto von J.Siebert]

Im Radio kurz darauf ein Interview mit Canan Bayram, Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus und frauenpolitische Sprecherin der SPD. Sie forciert ernsthaft die generelle Einführung von weiblichen Ampelsymbolen. Eine etwas konkretere politische Inititiative »Wien sieht’s anders« startete vor einigen Wochen in der Österreichischen Hauptstadt. Hier geht man sogar noch einen ganzen Schritt weiter und versucht, alle Piktogramme im öffentlichen Raum mindestens zur Hälfte zu verweiblichen.

Frauen bitte flüchten, Männer hiergeblieben!Was als Ausdruck lokalpolitischer Lockerheit noch amüsiert, ist als ernsthafte Idee so überflüssig wie ein Hühnerauge. Piktogramme sind in der Regel neutral und nicht männlich. Oder haben etwa alle Männer Glatze, sind geschlechtslos und laufen zu allem Überfluss nackt herum, wie der Ampelmann uns weiß machen möchte? Was soll ein Piktogramm überhaupt leisten? Es muss bereits im ersten Moment des Betrachtens klar erkennbar sein. Daher ist auf jedes überflüssige Detail zu verzichten. Hierzu gehören bei einem Menschen symbolisierenden Piktogramm Haare, Klamotten und sonstige spezielle Merkmale. Sonst muss man am Ende noch Kinder berücksichtigen, Frisurentrends, körperlich Versehrte, religiös Verschleierte und verschiedene Farbigkeiten für unterschiedliche Hautfarben. Um dem Ganzen vielleicht noch eine kleine nette Anmutung zukommen zu lassen kann man ja auf dezente Mittelchen zurückgreifen, wie etwa die Hände beim beliebten Ostampelmännchen. Aber eben immer neutral gegendert [ein Unwort!] und unter der Maßgabe, dass eine prägnante Informationsweitergabe vor halbgarer Political Correctness steht. So meint Markus Heckhausen von Ampelmann Berlin treffend über derartige Bestrebungen:

Der Rock und die Zöpfe nehmen den Figuren die Klarheit, die sie nach umfangreichen Studien von ihrem Entwickler Karl Peglau 1961 [Ost-Ampelmann, I.G.] bekommen haben. Und bei einem derart wichtigen Thema sollte auch nicht all zuviel experimentiert werden.

Es scheint offensichtlich zum Trend zu gehören, das ohnehin schwindende Gemeinverständnis weiter zu demontieren, sich noch deutlicher vom Mitmenschen abzugrenzen. »WIR wollen nicht vergessen werden. WIR auch nicht. Und WIR schon gar nicht.« Will man das wirklich?

Besteht durch die detailliertere Darstellung von Piktogrammen nicht auch die Gefahr, dass sich nur noch bestimmte Personengruppen an etwaige Verbotsschilder halten, nur noch Frauen bei Rot an der Ampel stehen bleiben, alle Muslime den Fußgängerüberweg boykottieren? Okay, der Sarkasmusmodus wird an dieser Stelle wieder deaktiviert. Aber genau darin liegt die Schwierigkeit in der Gestaltung von Piktogrammen. Die detaillierte Abstraktheit, möchte ich sie mal so nennen. Schnell erkennen, den Hinweisen folgen und nicht von einem Auto überfahren werden.

Abschließend stellt sich natürlich noch die Frage, ob derartige Mittel tatsächlich eine gesellschaftliche Gleichberechtigung schaffen? Ändert ein weibliches Verkehrszeichen wirklich etwas an den Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen? Werden wir dadurch gleich[berechtigt]er? Ich finde es bedenklich, dass gerade jene frauenpolitische SprecherInnen und Gender-Mainstreaming-Faschisten die Damen der Schöpfung auf lange Haare und Rock reduziert darstellen wollen. Immer schön die traditionellen aber überholten Wertvorstellungen pflegen. Damit dürfte ihrem eigentlichen Ansinnen doch wenig gedient sein. Unter diesen Gesichtspunkten braucht man über die Sinnhaftigkeit von den entstehenden Kosten wohl kaum noch zu diskutieren.

Das Bestreben nach einer Gleichbehandlung von Frau und Mann ist längst nicht abgeschlossen und weiterhin wichtig. Es gibt aber Bereiche, die vom blinden Aktionismus verschont bleiben sollen. Dazu gehören Zeichen und Symbole, die der allgemeinen Sicherheit dienen, eben beispielsweise Ampelmenschen. Es gilt, gemeinsam die wirklichen Probleme in diesem Bereich anzupacken, als Fronten wieder deutlicher herauszuarbeiten und Unterschiede zu manifestieren. Das sind Zeichen der Hilflosigkeit und Zeugen eines Problemunverständnisses, die die eigentlichen Probleme sicher keinen Schritt näher an Lösungen heranbringen werden.

Geschrieben von Ivo


× Raümungsverkauf

» 12. Januar 2007, 18.17 Uhr | Kategorie Zeitgeist | 3 Kommentare

Der totale Raümungsverkauf!

Gesehen in der Müllerstraße in Berlin-Wedding.

Geschrieben von Ivo


× Typografische Beugehaft

» 11. Januar 2007, 10.38 Uhr | Kategorie Zeitgeist | Kommentieren?

Wer DAS realisiert, weiß, was Studieren bedeutet.

Es geht nämlich nicht ums Finden, sondern ums Suchen.

Geschrieben von Ivo


× Der Wandel unserer Konsumgüter

» 7. Januar 2007, 18.07 Uhr | Kategorie Design, Zeitgeist | 4 Kommentare

Vorher-Nachher am Beispiel von Wrigley's Juicy Fruit (Bild aus vorher-nacher.at)Christian Thomas ist nicht nur Meister der aufgeräumten Webgestaltung, sondern auch glänzender Beobachter von Verpackungsdesigns. Wie diese sich im Wandel der Zeit verändern, weiß der Wiener pointiert zu kommentieren. Interessante Designentwicklungen von Konsumgütern aus dem Nahrungsmittel-, Körperpflege- und weiteren Gewerben stellt er auf seiner Website »Vorher Nachher« gegenüber.

[Danke für den Tipp an den MG-Blog]

Geschrieben von Ivo


× Die richtige Sitzposition am Computerarbeitsplatz

» 20. Dezember 2006, 12.23 Uhr | Kategorie Zeitgeist | 6 Kommentare

Kürzlich beschäftigte ich mich im Rahmen der Praktikumsbegleitenden Vorlesung »Arbeitsrecht« mit dem Thema »Ergonomie am Arbeitsplatz«. Dabei fiel mir auf, dass ich bei der Arbeit am Rechner – ob nun zu Hause oder im Büro – so ziemlich jeden Fehler mache, den man nur machen kann. Da ich sicher nicht der Einzige bin, der diesem Problem bisher recht sorgenfrei entgegenstand, habe ich einmal die wichtigsten Maßnahmen der optimalen Sitzposition am Computerarbeitsplatz in kürzest möglicher Weise zusammengetragen. Dieses im Bewusstsein unterrepräsentierte Thema soll nicht zuletzt auch Inspiration für die obligatorische »Was-ich-mir-im-neuen-Jahr-vornehme-Liste« sein.

Wie sollte man also bei der Arbeit am Rechner sitzen?

Die wichtigsten Punkte der richtigen Ergonomie am Arbeitsplatz Schreibtisch und Arbeitsstuhl sollten grundsätzlich so eingestellt werden, dass eine ergonomisch optimale Arbeitshaltung möglich ist. Hierbei sollten Ober- und Unterschenkel sowie Ober- und Unterarme einen Winkel von mindestens 90° bilden [siehe Grafik]. Der Monitor steht idealerweise direkt auf der Arbeitsfläche oder vertieft in einem speziellen Tischeinschnitt, um auf einen Betrachtungswinkel von etwa 35° zu kommen. Keinesfalls darf der Bildschirm über der Augenhöhe des Betrachters liegen. Die Bildschirmoberfläche sollte etwa senkrecht zu der Sehachse auf die Bildschirmmitte angeordnet sein. Je nach Größe des Monitors variiert auch der Kopfabstand. Dass Blendungen und Spiegelungen grundsätzlich nicht gesundheitsfördernd sind, sollte klar sein.

Das sind natürlich nur die allerwichtigsten Punkte zur Krankenkassenfreundlichen Büroarbeit, die man auf jeden Fall beachten sollte. Einen weiterführenden Ratgeber stellt das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz zur kostenlosen Verfügung und sei hiermit wärmstens zur Lektüre empfohlen. [Alternativlink: umweltministerium.bayern.de/shoplink/stmugv-as-00005.htm]

Geschrieben von Ivo


× Zwanzig Chinesen oder ein Deutscher

» 13. Dezember 2006, 07.27 Uhr | Kategorie Zeitgeist | 9 Kommentare

[Achtung, heut’ ist hier wieder Chinastimmung …] Anlässlich der immer näher kommenden Gefahr (?) der für ein Butterbrot arbeitenden Chinesen frage ich mich verstärkt, wie wir als Europäer dieser Entwicklung Stand halten können? In der chinesischen Provinz Anhui, in der ich kürzlich war, verdient man etwa 150 Euro im Monat. Das heißt, man kann grob geschätzt 20 Chinesen für den Lohn eines Deutschen beschäftigen. Können wir aber 20 mal schneller und besser sein, um für Unternehmer interessant zu bleiben? Ich glaube, wir müssen so langsam mehr als eine Schippe drauflegen, um konkurrenzfähig zu bleiben …

Geschrieben von Ivo


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