Kategorie »Zeitgeist«


Die richtige Sitzposition am Computerarbeitsplatz

Kürzlich beschäftigte ich mich im Rahmen der Praktikumsbegleitenden Vorlesung »Arbeitsrecht« mit dem Thema »Ergonomie am Arbeitsplatz«. Dabei fiel mir auf, dass ich bei der Arbeit am Rechner – ob nun zu Hause oder im Büro – so ziemlich jeden Fehler mache, den man nur machen kann. Da ich sicher nicht der Einzige bin, der diesem Problem bisher recht sorgenfrei entgegenstand, habe ich einmal die wichtigsten Maßnahmen der optimalen Sitzposition am Computerarbeitsplatz in kürzest möglicher Weise zusammengetragen. Dieses im Bewusstsein unterrepräsentierte Thema soll nicht zuletzt auch Inspiration für die obligatorische »Was-ich-mir-im-neuen-Jahr-vornehme-Liste« sein.

Wie sollte man also bei der Arbeit am Rechner sitzen?

Die wichtigsten Punkte der richtigen Ergonomie am Arbeitsplatz Schreibtisch und Arbeitsstuhl sollten grundsätzlich so eingestellt werden, dass eine ergonomisch optimale Arbeitshaltung möglich ist. Hierbei sollten Ober- und Unterschenkel sowie Ober- und Unterarme einen Winkel von mindestens 90° bilden [siehe Grafik]. Der Monitor steht idealerweise direkt auf der Arbeitsfläche oder vertieft in einem speziellen Tischeinschnitt, um auf einen Betrachtungswinkel von etwa 35° zu kommen. Keinesfalls darf der Bildschirm über der Augenhöhe des Betrachters liegen. Die Bildschirmoberfläche sollte etwa senkrecht zu der Sehachse auf die Bildschirmmitte angeordnet sein. Je nach Größe des Monitors variiert auch der Kopfabstand. Dass Blendungen und Spiegelungen grundsätzlich nicht gesundheitsfördernd sind, sollte klar sein.

Das sind natürlich nur die allerwichtigsten Punkte zur Krankenkassenfreundlichen Büroarbeit, die man auf jeden Fall beachten sollte. Einen weiterführenden Ratgeber stellt das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz zur kostenlosen Verfügung und sei hiermit wärmstens zur Lektüre empfohlen. [Alternativlink: umweltministerium.bayern.de/shoplink/stmugv-as-00005.htm]

Mein Foto in der MAX: Eine Frage des Prinzips

Cooool, denke ich, als ich die Betreffszeile einer E-Mail aus dem Burda-Imperium in meinem Postfach lese: »Bildanfrage von MAX Magazin«. Ein Foto von mir in einem Hochglanzmagazin, das wär doch mal was. Mal eben genauer lesen …

Lieber Ivo,

die Zeitschrift MAX, Deutschlands monatliches Foto- und Lifestyle-Magazin, druckt seit elf Monaten in jeder Ausgabe ein mehrseitiges Flickr-Portfolio mit den besten Fotografien aus Flickr. Der Zuspruch, den wir bekommen, ist enorm, Deshalb möchten wir die Serie auch in den kommenden Heften fortsetzen.

Uns ist bei unseren Recherchen ein Bild von Ihnen aufgefallen, das wir gerne drucken würden. Das Motiv Don´t make a phone call können wir uns , sehr gut im Heft vorstellen, da wir in der nächsten Ausgabe ein kleines „Traffic Sign-Special“ haben werden.

Ich ahne es ja schon …

Wenn Sie Lust haben, Teil der nächsten MAX-Ausgabe zu werden, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns das Bild hochaufgelöst in 300 dpi zusenden könnten – am liebsten per Mail an […labersülz…] Vielen Dank und herzliche Grüße aus Hamburg […laberrhabarber…]

Ich bin auch schon ganz hochaufgelöst. Was wird denn nun aus meiner Befürchtung? … Moment, was steht da unten?

P.S. Die vielleicht wichtigste Frage zum Schluss: Wir können leider kein Fotohonorar bezahlen. Aber jeder Flickr-Fotograf wird namentlich genannt, bekommt also einen Credit. Und eine MAX-Ausgabe gibt’s natürlich per Post.

Na bitte. Beinahe vermiedenvergessen. Dieser Edelmut. »Können leider nix bezahlen«. Wer denn dann, wenn nicht eine Zeitschrift, die eine Auflage von 230.000 Exemplaren und eine Reichweite von bis zu 0,6 Millionen Lesern aufweist, 3,50 Euro kostet und für die Anzeigenseite 14.400 Euro verlangt? Ich will mit Fotos ja nicht reich werden [obwohl …, darüber habe ich ja noch gar nicht nachgedacht], aber warum nicht wenigstens eine symbolische Anerkennung von 50 Euro, eine neue Speicherkarte, einen Flickr-Pro-Account, meinetwegen sogar ein Jahresabo aus dem Verlagsportfolio, aber lediglich das obligatorische Belegexemplar und die sowieso selbstverständliche Namensnennung? Du knipst, ich verdiene, wie es Hobbyfotograf Eris23 so schön in einer Diskussion auf den Punkt bringt. Das untergräbt den Markt der professionellen Fotografen, deren Bilder über ähnlich gute Suchfunktionen wie Flickr auch bei Getty & Co. zu »recherchieren« sind. Das alles kann ich nicht unterstützen. Eine Frage des Prinzips. Macht beim Bäcker ja auch keiner. Zumindest noch nicht.

Die Dreistigkeit, ein solches Angebot zu unterbreiten ist die eine Seite. Was mich aber eigentlich erschreckt ist, wie Leute, die Einiges auf dem Kasten haben [schaut man sich die teilweise sehr hochwertigen Bilder der letzten Ausgaben 12/06, 11/06, 10/06 an], sich nicht für diese Unverfrohrenheit zu schade sind und sich für lau »verkaufen«. Ihr macht den Markt und euren Namen kaputt. Wie wollt ihr denn dann den Leuten klar machen, dass ihr für einen so reichweitenstarken Abdruck umsonst arbeitet, für eventuell folgende kleinere Aufträge dann aber Geld nehmen wollt? Euren professionellen Kollegen dürfte dieses Wasserabgraben Bauchschmerzen bereiten. Das deckt sich doch alles auffallend mit dem oft diskutierten Problem »Generation Praktikum«, bei dem vergleichsweise allgemeine Einigkeit herrscht. Es liegt letztendlich doch an jedem selbst, ob es sich seitens der Unternehmen lohnt, unentgeltliche Arbeitsangebote anzubieten.

So bleibt mir schlussendlich auch keine andere Wahl, als auf die großmütige Anfrage mit folgender E-Mail zu antworten:

Sehr geehrter Herr W.,

vielen Dank für die Anfrage zur Nutzung eines meiner Bilder. Leider kann ich unter den genannten Bedingungen einer Nutzung nicht zustimmen.

Fotografie ist für mich nur ein Hobby. Ich finde ich es jedoch sehr bedenklich, wenn ein kommerziell agierendes Magazin den »User Generated Content«, der das Internet heute ausmacht, für ein extrem kostengünstiges Füllen mehrerer Magazinseiten ausnutzt. Ich denke, ein symbolisches Dankeschön für die Fotografen wäre das Mindeste, was man der Fairness halber anbieten sollte und sicher auch in Ihrem natürlich viel zu geringem Budget noch drin ist. Schließlich wissen Sie sicher, dass auch Getty & Co. funktionierende Suchfunktionen besitzen, die 300 dpi dort sogar obligatorisch sind.

Einige mehr derart agierende Zeitschriften würden eine ganze Berufsgruppe ruinieren, zu der ich glücklicherweise nicht gehöre. Es gibt genug junge professionelle Fototalente, die in einer ähnlichen Fotoserie die Möglichkeit gern nutzen würden, ihre Seiten zu füllen und dennoch günstiger arbeiten als große Namen der Branche, ihre Kosten aber dennoch decken können. Umsonst arbeiten darf nicht selbstverständlich werden. Das dürfte der Qualität und damit dem Verkauf Ihres Magazins mittelfristig auch nicht dienlich sein. Ich möchte das auch nicht unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ivo Gabrowitsch

Weitere lesenswerte Links zu diesem Thema:

Tucholsky, Sex und Gregor Gysi

Irgendwie habe ich mir in letzter Zeit bestimmte Eigenschaften der Bewohner dieser schönen Stadt angewöhnt. Zum Beispiel überall die Leute von der Seite anzuquatschen. Berliner Schnauze eben. So habe ich das vorhin auch in einem Dönergrill im Prenzlauer Berg gemacht. Einfach den Hartmut angequatscht. Ob er schon Erfolg an den beiden Spielautomaten hatte. In selbige hatte er, schön verteilt, gerade 14 Euro eingeworfen. In der einen Hand die Duett-Kippe, in der anderen Berliner Pilsener. Wie er zugab, hatte er davon schon einige getrunken. Auf meine Anmerkung, dass ich kein Spieler sei, meinte er nur: „Ihr jungen Menschen könnt euch ja noch mit Sex ablenken.“ Er zitierte daraufhin Wilhelm Busch, Kurt Tucholsky und Heinz Quermann. Die Zitate handelten von Freundschaft und Einsamkeit.

Hartmut war Bäcker. Arbeitslos nach der Wende. Ist sogar aus der SED geflogen. Anfang 60 mag er wohl gewesen sein. Vielleicht sogar schon Ende 60. Frührentner. Die Automaten zählten sein Geld unaufhörlich herunter. Er war durchaus intelligent und erstaunt, dass ich Herbert Köfer kannte. Dafür bekam ich neben seinem anerkennenden Respekt einen Kaffee spendiert. Leider wusste ich nicht, wie der DDR-Spion hieß, dessen Existenz das Ende der Ära Willy Brandt einläutete. Somit hatte ich einen weiteren Kaffee leichtfertig verspielt. Er fragte, ob man die DDR mit dem Dritten Reich vergleichen könne. Meine Antwort darauf enttäuschte ihn. Wer intelligenter sei, Gregor Gysi oder Michel Friedmann. Dass das Leben seit seiner Scheidung einsam ist. Was wichtiger sei, Liebe oder Freundschaft. Die Automaten ratterten.

Auf meine Frage, wen man denn nun am 18. September wählen könne, wusste er eine Antwort. Er habe immer PDS gewählt. Aber jetzt, wo die Mehrwertsteuer erhöht werden soll, kann es nur die SPD sein. Jawohl, die SPD. Wie solle man als Rentner das auch alles bezahlen, sagte er und zündete sich bereits die vierte Duett-Zigarette seit dem Beginn unseres Gesprächs an. Meinem Argument, dass sie ab morgen wieder teurer werden würden, entgegnete er: „Ist doch schon seit heute teurer, jedenfalls habe ich vorhin schon mehr bezahlt als sonst.“

Die Ausbildung früher sei besser gewesen. Viel besser als im Westen. 1990 traf er mal in einer Speisegaststätte einen Ingenieur von Siemens. Sein bester Freund, Elektroingenieur aus Ost-Berlin, meinte nach der vierten Frage an den Siemens-Herren: „Lass ab, Hartmut, der versteht mich schon nicht mehr.“ Für Hartmut waren das alles „böhmische Dörfer“, wie er selbst anmerkte, aber die Ausbildung war auf jeden Fall früher besser.

Als ich ging, stand auf der Anzeige an beiden Automaten »0 Euro.«

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