Webseitenbetreiber wollen vor allem eines: möglichst viele Besucher auf ihre Seite locken. Dabei werden alle Mittel ausgeschöpft. Packende Inhalte, ansprechendes Design, funktionierende Technik, ein bisschen Werbung, bis hin zu umfangreichen SEO-Maßnahmen sind dabei selbstverständlich. Kaum einer aber denkt an die inhaltliche Gestaltung einer 404-Seite. 404-Seiten (»Page not found«) sind sogenannte tote Links, die auf eine nicht (mehr) vorhandene Datei im Web verweisen. Die können entstehen, wenn sich URLs zum Beispiel aufgrund später stattfindender Umstrukturierungsmaßnahmen verändern, die eingehenden Links aber noch die alten sind. Aber warum sollte man auch in einen derart nutzlosen Bestandteil eines Webprojekts investieren?
Die Antwort ist einfach: eine außergewöhnlich gestaltete 404-Seite kann auch ordentlich Traffic, also Besucher generieren. Kaum ein Webentwickler zieht diese Tatsache jedoch in Betracht. Wie das aussehen kann zeigt das heutige Beispiel von Nosh. Nosh ist ein kleines Startup, welches sich Essensempfehlungen in bestimmten Restaurants verschrieben hat. Völlig konträr zum Thema ihrer Seite erstellten die Macher ein Video, in dem sie als Söldner Jagd auf eine angreifende Website machen. Klingt bescheuert (und ist es wohl auch), ist aber außergewöhnlich. Und Außergewöhnliches mögen die Menschen. Zugegeben, man kann nicht sicher sein, dass a) jemand eine solche Seite überhaupt bemerkt und b) das dann auch noch irgendwie erwähnenswert findet und c) mindestens einer der Multiplikatoren auch noch eine sehr laute Stimme im Netz hat.
Eines der lautesten Stimmen im Netz ist die von John Gruber von Daring Fireball (4 Millionen Besucher im Monat). Der verwies heute kurz und knapp auf die Nosh’se 404-Seite:
Nur zehn Minuten später (10!) hatten schon 17.000 Daring-Fireball-Leser das Video gesehen und natürlich auch via Twitter & Co. weiterempfohlen:
Im Moment, also fünf Stunden später, folgten bereits 70.000 Leute dem Link und schauten das Video, weitaus mehr dürften Nosh angesteuert haben und ohne das Video zu sehen die Website erkundet haben oder zugegeben gleich auch wieder verlassen haben (Bounce Rate). Erfahrungsgemäß wird eine solche Entdeckung wochen- und monatelang (manchmal auch Jahre) immer wieder entdeckt, so dass der tatsächliche Besuchergewinn in die Hunderttausende, nein locker in die Millionen gehen dürfte. Nicht schlecht für ein Bestandteil einer Website, die eigentlich gar keiner sehen soll, oder?
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