Kategorie »Persönlich«


Webfonts ins Radio und auf die Bühne!

Radio 1

Die viel diskutierten Webfonts haben die Blogs und Foren dieser Welt für einen kurzen Moment in Richtung öffentlich-rechtliches Radio verlassen. Sven Oswald und Daniel Finger haben mich zu diesem Thema für ihre Sendung Escape – Digitales Leben interviewt. Die Sendung, die ausnahmsweise aufgezeichnet wurde, wird heute um 14 Uhr auf Radio 1 des RBB ausgestrahlt. Typografische Themen werden im Radio – wohl schon aus rein visuellen Gründen – doch recht selten behandelt. Dabei gäbe es so viel mehr zu berichten. Wobei … das könnte sicher jede Interessengruppe, Branche oder Wissenschaft von sich behaupten. Radio 1 kann in Berlin und Brandenburg ganz normal übers heimische Stern-Radio empfangen werden, aber auch weltweit über Livestream.

Natürlich kann man in den drei Minuten, die einem das Format bietet, dieses komplexe und sich beinahe täglich neu erfindende Thema nicht wirklich ausreichend darstellen. Dennoch war das Interview eine sehr aufregende Erfahrung. Ich hoffe, die Problematik letztlich doch verständlich untergebracht zu haben. Eben das ist momentan wirklich nicht einfach, manövriert sich doch die Diskussion um die Zukunft der Schriftdarstellung im Netz in immer nebligere Gewässer. Ich habe mir deshalb vorgenommen, den aktuellen Status der Entwicklung demnächst hier im Fontwerk zusammenzufassen.

TypeCon 2009Einem vorläufigen Höhepunkt steuert diese Entwicklung auf der TypeCon2009 in Atlanta entgegen. Verschiedene Technologien stehen offensichtlich in den Startlöchern und werden die Schriftenbranche vor eine Kraftprobe stellen, wie sie sie wohl seit dem Durchbruch digitaler Fonts nicht mehr erlebt hat. Die Podiumsdiskussion »Web Font Embedding – The New State of the Debate« wird die wichtigsten Positionen miteinander konfrontieren und hoffentlich neue Erkenntnisse ans Tageslicht befördern. Aufregende Zeiten.

Mein Kind wird zehn!

10 Jahre Gabrowitsch.de
10-jähriges Website-Jubiläum, symbolisch dargestellt mit P22 Zaner One und One Xtras

Auf den Tag genau vor zehn Jahren schubste ich meine erste Website ins Netz. Mit dem eigenhändig in Netscape Composer erstellten Vorläufer dieser gerade betrachteten Seite wurde ich innerhalb meines persönlichen Umfeldes noch als Exot betrachtet. Unglaublich, wie dieses Medium seitdem in unserem Leben Platz genommen hat. Ich war seit meiner Online-Entjungferung, die in Form eines Besuchs der Website der Fantastischen Vier etwa drei Jahre zuvor stattfand [damals noch erreichbar über ein extrem langsames, aber lautes Modem sowie der Eingabe einer ewig langen CompuServe-URL], auf geradezu dämonische Weise von ihm fasziniert. Diese Begeisterung hält bis heute an.

1999 war Webspace noch ein kostbares Gut, so dass ich meine ersten Gehversuche auf dem Server meiner damaligen Hochschule machte. Dazu musste man dem entsprechenden wissenschaftlichen Mitarbeiter eine Diskette in die Hand drücken, der die darauf befindlichen Webdaten dann munter auf den Uniserver kopierte. Bei jedem einzelnen Update …

Am 14. Juni 1999 tanzten also erstmals die animierten GIFs über den dezent dunkel gekachelten Hintergrund, mit negativer Times New Roman wurden die fälligen Botschaften in die Welt posaunt. Zehn Jahre sind seitdem vergangen, knapp fünf davon mehr oder weniger in Blogform. Zehn Jahre aktiven Auslotens der Möglichkeiten weltweiter Vernetzung. Zehn Jahre des privaten Globalpublizismus. Zehn Jahre des Ausreizens technischer und inhaltlicher Möglichkeiten. Zehn Jahre, in denen ich viel über das Medium gelernt habe. Und über mich selbst.

10 Jahre Gabrowitsch.de2009 sieht meine Internetwelt so aus: Zeit ist mit 30 Jahren deutlich kostbarer geworden, als sie es noch im zarten Alter von 20 war. Praktische Spielereien mit den neuesten technologischen Entwicklungen sind einfach nicht mehr drin. Allein ein neues Design der Website ist auf mittelfristige Sicht nicht machbar. Auch inhaltlich ist es schwer geworden, Schritt zu halten. Dabei mangelt es keinesfalls an potenziellen Themen und Ideen. Im deutschsprachigen Bereich ist das typografisch-fachliche Angebot an lesenswertem Futter zudem sehr übersichtlich geworden. Will heißen, dass heute eigentlich die beste Zeit für entsprechenden textlichen Ausstoß ist. Doch diese wertigen Beiträge entstehen leider nicht beim halbstündigen Morgenkaffee. So kommt mir der aktuelle Massentrend der 140 Zeichen gelegen. Die Themen werden in Tweets nicht mehr intensiv vorgestellt, ausgeweitet oder bewertet, sondern vielmehr quantitativ statt qualitativ und überhaupt gezwitschert. Auf zwei Twitterkanälen befriedige ich schnell und dreckig das eigene Mitteilungsbedürfnis: privat auf twitter.com/fontwerk und beruflich auf twitter.com/FontFont. Dann und wann erscheint sogar noch ein Beitrag in der Tradition alter Zeiten im Fontblog bzw. im FontFeed, aber das kann man alles auch an einer Hand abzählen. Auch im ehemals regelmäßig und eine Zeit lang sogar ausschließlich von mir bedienten Fotobereich habe ich mich längst entschleunigt und bin auf die analoge Fotografie umgestiegen. So passiert dieser Bereich quasi nur noch unbemerkt, weil fernab des globalen Netzes. Eine paradoxe Situation, denn prinzipiell steigen die eigenen Ansprüche gleichzeitig mit den Erfahrungen, dem Wissen und den Ideen — aber leider eben entgegengesetzt zum vorhandenen Freizeitrahmen.

So muss man bei einem solchen Jubiläum auch fragen dürfen: wird es in zehn Jahren die Website immer noch geben? Ich weiß es nicht. Es kann sein, dass ich morgen einfach alles stoppe oder gar lösche, um nur noch passiv am Webgeschehen teilzunehmen. Es kann aber auch sein, dass ich morgen genauso gut mit einem regelmäßigen Typo-Videocast, einer neuen zweisprachigen Artikelreihe oder aufwändigen Schriftenportraits an den Start gehe. Ich weiß es wirklich nicht. So bleibt mir nur, die vergangenen zehn Jahre noch einmal Revue passieren zu lassen und einzusehen, dass letztlich wohl auch dieser Artikel in 140 Zeichen hätte Platz finden können.

Vielen Dank für die mir und meinen Themen bisher geschenkte Aufmerksamkeit.

TYPO Berlin 2009: Rückblick

TYPO 2009
Das viel diskutierte diesjährige TYPO-Design unter Verwendung einer meiner derzeitigen Lieblingsschriften

Nach zwei Monaten Leerlauf im Fontwerk wird es mal wieder Zeit für ein paar Zeilen. Was liegt näher, als kurz noch die vergangene TYPO Berlin zu resümieren, wie ich es auch in den letzten Jahren getan habe. Diese TYPO war eine sehr besondere für mich, da ich zum ersten Mal als Sprecher aktiver Teil der größten europäischen Designkonferenz sein durfte. Um es gleich vorweg zu nehmen: dieser Teil der Veranstaltung lief recht gut. Zu meiner eigenen Überraschung konnte ich mich fünf Minuten vor Präsentationsbeginn auf den Ruhepuls von Dschamolidin Abduschaparov einstellen, so dass die Situation auf der Bühne erträglich  wurde und so die unendlichen typografischen Weiten von OpenType im Vordergrund standen [Bericht von HD].

TYPO 2009Leider habe ich den Großteil der anderen Vorträge in diesem Jahr verpasst, da ich viel zu sehr damit beschäftigt war, die Zeit mit vielen tollen Leuten zu verbringen. Auch wenn es abgedroschen klingt, aber das Ganze ist am Ende vor allem ein großes Familientreffen … mit dem Unterschied, dass am Ende auch drei Tage nicht ausreichen, mit allen genügen Zeit zu verbringen. Mein persönliches Programmhighlight des ersten Tages war schließlich Pantea Lachins Vortrag über die Gruppenaustellung Kath Keshi, wohingegen ich persönlich etwas enttäuscht von Esther Dysons Keynote und Florian Fischers »Form Follows Space«-Dingens war.

TYPO 2009Der zweite Tag startete erfrischend mit einem Pecha Kucha, das es über den Typostammtisch nun auch auf die große Bühne geschafft hat und auch hier mit seinem kurzweiligen Charakter begeistern konnte. Reading-Absolvent Mitja Miklavčič widmete sich danach eingehend der guten alten Clarendon, was sehr fundiert, aber manchen offenbar zu trocken erschien. Chip Kidd rundete den Abend mit seinem mehr komödiantischen Vortrag unter dem Credo »Bitch, I don’t know your life!« ab und erfüllte damit mal wieder alle Erwartungen. Wahrscheinlich könnte er auch den BVG-Fahrplan präsentieren und ich würde mich darüber schlapp lachen.

TYPO 2009FontBureau-Gründer Roger Black nahm sich zu Beginn des dritten Tages meines Lieblingsthemas an, den Webfonts. Auch hier hatte ich das Gefühl: alle wollen sie, aber keiner weiß so recht wie. Hervorragend recherchiert und zusammengetragen war die »kurze Geschichte der Perspektive« von Nick Shinn, obgleich es von vielen als eine Art Kontrastprogramm zu unterhaltenden Nabelschauvorträgen empfunden wurde, aber gerade deshalb auch auf seine Art herausstach. Den fachlichen Abschluss gestaltete diesmal Sol Sender, der sich für die Kampagne zu Barack Obamas Präsidentschaftskandidatur verantwortlich zeigte. Spannende Einblicke in das Kommunikationsdesign der ganz großen Weltpolitik, es hätte kaum besser enden können.

Eine kleine aber wichtige Randnotiz: Die neue Webseite von FontShop Deutschland feierte auf der TYPO nach langer Entwicklungszeit Premiere. Weitere Berichte von Besuchern der Konferenz wurden hier zusammengetragen. Das Thema des nächsten Jahres ist Lust. Den fälligen Wortwitz dazu erspare ich mir.

Zweitausendacht: A Year Of Trance

Die besten Trance-Tracks des Jahres 2008

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Ohne Buddhas in die Bergmannstraße

Quo vadis? darf zu Recht gefragt werden, nachdem ich gestern nun meine Diplomarbeit abgegeben habe. Nach vier Jahren endet damit für mich ein Kapitel, das ich jeden Tag genossen und genutzt habe. Die Entscheidung, noch einmal die Hörsaalbänke zu drücken, habe ich zu keiner Zeit bereut, auch wenn ich froh bin, endlich wieder ins »echte Leben« zu dürfen. Doch wohin geht es jetzt für mich und was bedeutet das für’s Fontwerk?

Zur ersten Frage Folgendes: Stellt euch vor, (weiterlesen…)

Fontwerk