Kategorie »Grafikdesign«


Die Renaissance der Seitenleisten

Nachdem ich jahrelang den Trend der einspaltigen und reduzierten Webdesigns predigte, scheint mir diese Mode längst wieder Geschichte zu sein. Auch dank Twitter und Facebook sind Seitenleisten wieder modern. Grund genug, mein etwas angestaubtes Design zugunsten eines solchen Zusatzes und einigen anderen dezenten Änderungen ein wenig aufzufrischen. Damit einher soll, so zumindest mein Vorsatz, eine Reanimierung des Fontwerks gehen, das in den letzten Monaten arg von mir vernachlässigt wurde. Dabei brauch ein zehnjähriges Kind doch eigentlich viel mehr Zuneigung …

Ähnlich, aber doch anders: das alte Design von Fontwerk.com.

Ähnlich, aber doch anders: das alte Design der Website. Und tschüss.

Designrolle rückwärts

Wer kennt das Gefühl nicht, wenn man mal wieder ungläubig an Anzeigen hängenbleibt, die einem irgendwie bekannt vorkommen, oder beim neuen Logo der Hausbank einem Déjà-Vu-Effekt unterliegt. Zitiert und kopiert wird nicht nur was gut ist, aber eben das besonders oft. Retrodesign ist modern und war es wohl auch schon immer. Nachdem der Verlag Hermann Schmidt bereits die halbe Blogszene mit einem Rezensionsexemplar des gleichnamigen Buches zu diesem Thema bedacht hat, durfte auch ich die 318 im schicken Kunstledereinband gebundenen Seiten in den Händen halten.

RetrodesignDie erst 25-jährige Sara Hausmann und ihr zwanzig Jahre älterer Agenturpartner Achim Böhmer versprechen nicht weniger als »eine analytische Zeitreise« und »raffinierte und überraschende Gegenüberstellungen«. Der Werbetext verspricht weiterhin, »ein kraftvolles „stylelab“ […], ein Destillat der Stile, Farben, Muster, Zeichen, charakteristischen Schriften, Layouts, Objekte und Bauten – als solide Grundlage für Ihr Retrodesign!«. Da sind wir auch schon beim eigentlichen Problem angelangt. So sehr ich meine Schwierigkeiten habe, die Nachricht des Werbetextes zu entschlüsseln, so sehr hatte ich meine Schwierigkeiten, die eigentliche Idee und Struktur des Buches zu verstehen. Ein Blick auf die erklärende Webseite des Buches sollte aber Licht ins Dunkel bringen. Eigentlich. »Die drei Module Retro Design, Retro Style und Retro Review formen das stylelab«. Das Stylelab? Muss man denn wirklich immer auf diese Verenglischerei zurückgreifen?

RetrodesignWas ich durchaus verstehe ist die gelungene Vorstellung der 18 wichtigsten Designstile: Dekonstruktivismus, Postmoderne, Punk, Pop, Space Age, Organisches Design, Schweizer Schule, Art déco, Konstruktivismus, Dada, Plakatstil, Art Nouveau, Japonismus, Arts and Crafts, Historismus, Klassizismus, Rokoko/Barock und Renaissance. In diesem Teil des Buches konnte ich noch einiges lernen, was mir bisher noch nicht so präsent war. Dieser Teil wird unter »Retro Style« zusammengefasst. »Retro Design« hingegen kann mich nicht so recht überzeugen, denn nicht immer sind die Gegenüberstellungen von Original und Adaption gut gelungen, gleichwohl die Idee hierbei sehr reizvoll ist. Auch wollen mir die »plakativen Aufmacherseiten« der jeweiligen Stile einfach nicht gefallen.

Der dritte Teil des Buches, »Retro Review« ist ähnlich kurzweilig und gar noch informativer als der zweite und zusammen vielleicht schon Kaufargument genug. Darin werden die entscheidenden Impulse für das Entstehen der vorgestellten Designströmungen beleuchtet. Das dürfte insbesondere für Studenten des Grafik- und Kommunikationsdesign von Interesse sein. Was regelmäßig bei Schmidt-Büchern und demnach auch hier überzeugt, ist die drucktechnische Qualität. Zu selten findet man heute noch geprägte Einbände aus Kunstleder oder schwarzem Blattschnitt in einem solch großzügigen Format [25,5 × 29 cm]. So wird sich das gute Stück auf jeden Fall hervorragend in meiner gerade aufgebauten Bücherwand machen. Inhaltlich bin ich hingegen immer noch etwas unentschieden. HD meint: »[…] ist allein […] die Bilderflut schon den Preis wert.« 818 Abbildungen sind in der Tat eine ganze Menge. Noch dazu in bestechender Qualität. Vielleicht hat man beim lokalen Buchhändler die Möglichkeit, ein wenig in »Retrodesign Stylelab« zu blättern. 89 €, die prinzipiell schon durch die aufwändige Recherche und Druckqualität gerechtfertigt sind, wollen schließlich wohlüberlegt ausgegeben werden.

In der Badewanne mit dem TypoJournal

TypoJournal

Darf man einen Artikel mit dem Eingeständnis, einen Fehler gemacht zu haben beginnen? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass es ein Fehler war, das neue TypoJournal nicht zu bestellen, nachdem es vor knapp zwei Wochen auf den Markt kam. Mein »Problem« ist, dass ich derzeit etwas Magazin-müde bin und zudem noch einigen Lesestoff vor mir habe, zu dem ich partout nicht komme. Es warten sogar noch einige Bücher auf mich, die hartnäckig im Status eingeschweißt verharren. So musste mir Herausgeber Ralf Herrmann das Magazin, welches sich als Offline-Evolution des größten deutschsprachigen Typoforums versteht, schon persönlich auf dem Typostammtisch [Bericht folgt] überreichen. In der morgendlichen Badewanne habe ich es mir dann schließlich zu Gemüte geführt.

TypoJournal

Gleich zu Beginn überrascht mich der Beitrag zum Titelthema »Fundsachen«. Dort zeigen zahlreiche Typografie.info-Mitglieder ihre liebsten Typofundstücke. Mit dem Interview mit Barbara Dechant und Anja Schulze bekommt das Berliner Buchstabenmuseum ein Gesicht. Die Schriftfamilie Helsinki kannte ich bislang nur aus dem Netz und mobilisiert gedruckt weitere Kräfte. Georg Seiferts Graublau Sans als Fließtextschrift sowieso, auch wenn sie mir mindestens einen Punkt zu klein erscheint. Die Liberta von Friedrich Althausen, der ein umfangreicher Artikel gewidmet ist, stellt sich als eine bemerkenswerte Neuentdeckung dar. Ein hilfreicher Beitrag aus dem Typowiki macht im Magazin einen deutlich nachhaltigeren Eindruck als online. Ebenso der Buchtipp.

Fazit: Ein gelungenes Experiment, welches die Erwartungen voll erfüllt. Zwei Tipps möchte ich den Machern des Magazins jedoch noch auf den Weg geben: zum einen vermisse ich einen Heftrücken, allein schon, um meinen Noch-zu-lesen-Stapel besser im Griff zu haben. Zum anderen muss ich leider sagen, dass das Papier extrem ungehalten auf Badewannenwasser reagiert …

Design made in Germany

Design made in Germany

Sowas konnte hier nicht passieren: Fast gleichzeitig veröffentlichten Nadine Roßa und Patrick Sommer das erste Design made in Germany—Design Magazine. Ganz im Gegensatz zum TypoJournal geht es hier nämlich rein um die digitale Verbreitung der frohen Botschaft, genauer gesagt interessanter Projekte deutscher Agenturen, Grafikbüros und Designer. In Fallstudien wird deutschem Design auf den Grund gegangen.

Auch DMIG startet mit einer Art Designercrowdsourcing, indem eben jene Frage nach den Merkmalen typisch deutscher Gestaltung verschiedenen internationalen Fachleuten gestellt wird. Das Besondere ist, dass jeder Artikel von einem dritten Grafiker oder Gestalter umgesetzt wurde, was das Magazin angenehm auflockert und somit ganz nebenbei auf mehreren Ebenen inspirierend wirken lässt. Sowohl optisch als auch inhaltlich finde ich das Onlinemagazin sehr erfrischend. Das Konzept ist reizvoll und durchdacht, von Seite eins bis Seite 63.

Banksy gegen den BND

Banksy in Berlin

Der weltbekannte und von mir sehr bewunderte Street Artist Banksy hat es diesmal offenbar auf die hoch bewachte Baustelle des Bundesnachrichtendienstes abgesehen. Ich müsste mich schon sehr täuschen, wenn es sich bei dem eben in der Chausseestraße aufgenommenen Werk nicht um eines vom geheimnisumwitterten Künstler aus England handelt. Selbst wenn es am Ende nur ein Nachahmer war: das Graffito ist großartig und passt perfekt an diesen unheimlichen Ort in der Nachbarschaft! Ich bin gespannt, wie lange das gute Stück an der mit zahlreichen Videokameras gesicherten Sichtblendwand erhalten bleibt und ob weitere Banksys gesichtet werden.

Banksy in Berlin

Gutes Buchdesign

Buchcover »On fishing« Buchcover »Supercapitalism« Buchcover »The Silver Swan« Buchcover »Schulz and Peanuts«
Während ich gerade im Zoomfeed über Chip Kidd im Besonderen und das Design von Buchcovern im Allgemeinen philosophiere, möchte ich dringend eine themenbezogene Website empfehlen. Auf covers.fwis.com finden sich in angenehmer Regelmäßigkeit schön gestaltete Bücher, vornehmlich aus dem amerikanischen Raum. In der Regel wird dort der jeweilige Gestalter genannt und somit die Grundlage weiterer Recherchen geschaffen. Die Kommentar- und Diskussionsfunktion ist natürlich obligatorisch. Alles in allem ein schöner Quell der Inspiration, der mir jüngst wieder die Notwendigkeit der Spationierung versaler Überschriften ins Bewusstsein rief. Einige meiner persönlichen Favoriten – vor allem aus typografischer Sicht – habe ich mit den oben gezeigten Vorschaubildchen verlinkt.