Kategorie »Grafikdesign«


Zehn Weihnachtsgeschenke für Grafikdesigner

Meconomy

Markus Albers – Meconomy (Foto: Martin Mai)

Oh Tannebaum, oh Tannebaum. Wohl dem, der bereits alle Weihnachtsgeschenke beisammen hat. Für die Nachzügler bietet Fontwerk, Ihr Magazin für Konsum und Lebenshilfe, ein paar Verbrauchertipps für den kreativen Bereich — zehn spontane Präsente für Grafikdesigner:

  • brand eins: Unter Designern noch oft unterschätzt, aber ihrem Horizont zugutekommt ein Abonnement des besten deutschen Wirtschaftsmagazins.
  • Carbon Based Lifeforms – Twentythree: Minimales, flächiges, meditatives Ambient-Album. Ideal für konzentriertes Arbeiten am Rechner.
  • Field Notes: Ideen wollen auch unterwegs festgehalten werden. Moleskine-Notizbücher sind out. Field Notes sind in.
  • Fonts: Egal welche, egal wo. Fonts sind der Schraubenschlüsselsatz für Grafikdesigner.
  • Glyphs: Jeder Grafikdesigner sollte zumindest einmal versucht haben, eine eigene Schrift zu gestalten. Glyphs ist der Font-Editor der Stunde.
  • iTunes-Geschenkkarte: Wer auf Nummer Sicher gehen möchte.
  • Markus Albers – Meconomy: Das Buch, das erklärt, wie man in der heutigen Arbeits- und Lebenswelt Erfolg hat.
  • Sophia Muckle – Parcours: Designer dieser Welt: Schwimmt euch frei! Dieses Buch sagt, wie.
  • Tickets für die TYPO Berlin: Nirgendwo anders bekommt man in drei Tagen eine solch kompakte Dosis Inspiration injiziert. Frühbucherrabatt bis Jahresende.
  • Trendglas Teatime: Auch in Zeiten größten Stresses muss ein gepflegter Tee möglich sein. Natürlich nur in einer formschönen Tasse wie dieser.

Die fünf besten Font-Foundry-Websites 2010

Dreieinhalb Jahre liegt mein letzter Exkurs in Sachen Foundry-Websites bereits zurück. Seitdem hat sich vieles geändert: Webtechnologien, Designtrends, die Diversität der Hersteller, mein ästhetisches Empfinden und der Geschmack sowieso. Zeit also für eine erneute Bestandsaufnahme. Welches sind die ansehnlichsten Websites der Schrifthersteller?

Die Haupterkenntnis aus meinem diesjährigen Mega-Test ist ernüchternd: unter den über 150 Bookmarks, die ich in den letzten Tagen intensiv durchforstet habe, findet sich nicht eine einzige Website, die ich als echten Leuchtturm des Webdesigns bezeichnen würde. Um ehrlich zu sein ist aus der ursprünglich geplanten Top-Ten-Hitliste sogar lediglich eine Top-Five-Liste geworden (ich bin in den letzten Jahren wohl kritischer geworden).

Sicher, nichts ist unspektakulärer als eine vor Monaten oder Jahren gelaunchte Website und ich weiß aus der eigenen beruflichen Praxis, wie schwierig es ist, eine gute Online-Präsentation für Schriften zu entwickeln. Otto Normalsurfer macht sich keine Vorstellung, wie unglaublich komplex die Erstellung eines Font-Webshops ist. Allein die zugrunde liegenden Shop-Daten sind ungleich komplizierter als zum Beispiel die für Klamotten oder typische Softwareprodukte. Von den Problemen der Schriftdarstellung, Glyphenübersicht und Variantenvielfalt mal abgesehen. Je größer die Bibliothek, umso schwieriger wird es sogar noch. Gerade deshalb tauchen wohl lediglich kleinere Hersteller in meiner von Subjektivität geprägten Liste auf.

Klim Type Foundry (Neuseeland)

Klim Type Foundry
Kris Sowersby ist nicht nur einer der aufstrebenden Schriftgestalter der letzten Jahre, auf der Website seiner Ein-Mann-Foundry Klim Type weiß er auch das Wichtigste in Szene zu setzen: seine Buchstaben. Die Seite kommt fast gänzlich ohne Bilder aus, präsentiert sich äußerst reduziert, klar strukturiert und funktioniert lediglich monochromatisch. Sein kleines »Easter Egg« Why Type? steht dabei beispielhaft für ein unbekümmertes Selbstbewusstsein, das dem Besucher in jeder Sekunde vor Augen geführt wird.

Commercial Type (USA/Großbritannien)

Commercial Type
Wir zeigen nichts außer Schrift. Über die ganze Bildschirmbreite. Nicht nur eine, sondern mehrere. Diese einfachen aber eigentlich genialen Ausgangspunkte definierten Paul Barnes und Christian Schwartz bei der Gründung ihres Schriftlabels Commercial Type und des dazugehörigen Webshops. Hinzu fügten sie lediglich einige wenige Seiten (wie News oder FAQ). Im Prinzip brauch es auch nicht mehr, vor allem, wenn die Schriften im Programm von derart hoher Qualität sind. Einziger Wermutstropfen: Die Farben und vor allem Schriftbeispiele ändern sich viel zu schnell und häufig. Leider kann man diesen Automatismus nicht stoppen.

Typejockeys (Österreich)

Typejockeys
Die Typejockeys Michael, Anna und Thomas machen einfach alles richtig. Sie veröffentlichen wenig, aber dafür großartige Schriften, sie sehen diese vor allem als Türöffner für Grafikdesignprojekte und reisen durch die Berge Lande um ihre typografische Mission zu verkünden. Kein Wunder also, dass sie nach dem Platz 1 der besten Schriften 2009 nun auch noch in dieser Hitparade auftauchen. Die Typejockeys sind nicht nur eine Bereicherung für die bisher recht karge österreichische Typoszene, mit ihrer vor professioneller Coolness strotzenden Website auch für den Rest der Welt.

Process Type Foundry (USA)

Process Type Foundry
Eingangs sagte ich es bereits: je kleiner die Bibliothek, umso geringer die komplexen Herausforderungen bei der Webentwicklung. So kann man zum Beispiel bei einer Handvoll Produkte noch manuell aufbereitet Schriftmuster zu jeder einzelnen Familie zeigen, spezielle OpenType-Features oder Kaufoptionen. Das alles geht ab einer gewissen Größe nur noch automatisiert, was jedoch die Programmierung deutlich erschwert. Das Problem haben Eric Olsen und Nicole Dotin nicht. Sie können weitestgehend die Vorteile einer kleinen Foundry wie Process Type nutzen und tun dies auch. Besonders gelungen finde ich neben der In-Use-Gallerie die allgemeine Anmutung der Website, welche sich als eine der wenigen wie aus dem Jahr 2010 anfühlt.

Type Together (Tschechien/Argentinien)

Type Together
Die Seite von Type Together lebt. Ständig gibt es Neues zu entdecken, man schaut immer mal wieder gern vorbei. Die Produktseiten zählen zu den umfangreichsten der Branche und lassen kaum Fragen offen. Immer nah an der Grenze zum Informationschaos fühlt man sich dennoch zu keiner Zeit verloren sondern irgendwie gut aufgehoben und willkommen. Viele echte Beispiele zeigen die Schriften im täglichen Einsatz und unterstützen die Kaufentscheidung. Nicht zuletzt dank dieser Webpräsenz haben Veronika Burian und José Scaglione in relativ kurzer Zeit eine Marke im Typo-Business etabliert, die nicht mehr wegzudenken ist.

Fazit

Sicherlich hat keine der genannten Beispiele das Rad neu erfunden, aber das war auch nicht zu erwarten. Außergewöhnliche Extravaganz kann vielleicht kurzfristig Besucher anlocken, wird aber in der Regel selten Kaufanreize schaffen, schon gar nicht langfristig. Eine Shopseite muss sich, wenn sie erfolgreich sein will, einfach gewissen Zwängen unterwerfen. Sie muss robust sein, technisch aktuell, sie muss die Gewohnheiten der Besucher antizipieren, sie muss übersichtlich sein, einfach und verständlich, aber doch mit dem gewissen Etwas. Ein Spagat, der umso schwerer wird, wenn komplexe Daten wie Fonts zugrunde liegen. Den aufgeführten Seiten gelingt jener Spagat auf jeweils eigene Art und Weise.

Welche Schrifthersteller haben eurer Meinung nach die besten Internetauftritte?

Die Renaissance der Seitenleisten

Nachdem ich jahrelang den Trend der einspaltigen und reduzierten Webdesigns predigte, scheint mir diese Mode längst wieder Geschichte zu sein. Auch dank Twitter und Facebook sind Seitenleisten wieder modern. Grund genug, mein etwas angestaubtes Design zugunsten eines solchen Zusatzes und einigen anderen dezenten Änderungen ein wenig aufzufrischen. Damit einher soll, so zumindest mein Vorsatz, eine Reanimierung des Fontwerks gehen, das in den letzten Monaten arg von mir vernachlässigt wurde. Dabei brauch ein zehnjähriges Kind doch eigentlich viel mehr Zuneigung …

Ähnlich, aber doch anders: das alte Design von Fontwerk.com.

Ähnlich, aber doch anders: das alte Design der Website. Und tschüss.

Designrolle rückwärts

Wer kennt das Gefühl nicht, wenn man mal wieder ungläubig an Anzeigen hängenbleibt, die einem irgendwie bekannt vorkommen, oder beim neuen Logo der Hausbank einem Déjà-Vu-Effekt unterliegt. Zitiert und kopiert wird nicht nur was gut ist, aber eben das besonders oft. Retrodesign ist modern und war es wohl auch schon immer. Nachdem der Verlag Hermann Schmidt bereits die halbe Blogszene mit einem Rezensionsexemplar des gleichnamigen Buches zu diesem Thema bedacht hat, durfte auch ich die 318 im schicken Kunstledereinband gebundenen Seiten in den Händen halten.

RetrodesignDie erst 25-jährige Sara Hausmann und ihr zwanzig Jahre älterer Agenturpartner Achim Böhmer versprechen nicht weniger als »eine analytische Zeitreise« und »raffinierte und überraschende Gegenüberstellungen«. Der Werbetext verspricht weiterhin, »ein kraftvolles „stylelab“ […], ein Destillat der Stile, Farben, Muster, Zeichen, charakteristischen Schriften, Layouts, Objekte und Bauten – als solide Grundlage für Ihr Retrodesign!«. Da sind wir auch schon beim eigentlichen Problem angelangt. So sehr ich meine Schwierigkeiten habe, die Nachricht des Werbetextes zu entschlüsseln, so sehr hatte ich meine Schwierigkeiten, die eigentliche Idee und Struktur des Buches zu verstehen. Ein Blick auf die erklärende Webseite des Buches sollte aber Licht ins Dunkel bringen. Eigentlich. »Die drei Module Retro Design, Retro Style und Retro Review formen das stylelab«. Das Stylelab? Muss man denn wirklich immer auf diese Verenglischerei zurückgreifen?

RetrodesignWas ich durchaus verstehe ist die gelungene Vorstellung der 18 wichtigsten Designstile: Dekonstruktivismus, Postmoderne, Punk, Pop, Space Age, Organisches Design, Schweizer Schule, Art déco, Konstruktivismus, Dada, Plakatstil, Art Nouveau, Japonismus, Arts and Crafts, Historismus, Klassizismus, Rokoko/Barock und Renaissance. In diesem Teil des Buches konnte ich noch einiges lernen, was mir bisher noch nicht so präsent war. Dieser Teil wird unter »Retro Style« zusammengefasst. »Retro Design« hingegen kann mich nicht so recht überzeugen, denn nicht immer sind die Gegenüberstellungen von Original und Adaption gut gelungen, gleichwohl die Idee hierbei sehr reizvoll ist. Auch wollen mir die »plakativen Aufmacherseiten« der jeweiligen Stile einfach nicht gefallen.

Der dritte Teil des Buches, »Retro Review« ist ähnlich kurzweilig und gar noch informativer als der zweite und zusammen vielleicht schon Kaufargument genug. Darin werden die entscheidenden Impulse für das Entstehen der vorgestellten Designströmungen beleuchtet. Das dürfte insbesondere für Studenten des Grafik- und Kommunikationsdesign von Interesse sein. Was regelmäßig bei Schmidt-Büchern und demnach auch hier überzeugt, ist die drucktechnische Qualität. Zu selten findet man heute noch geprägte Einbände aus Kunstleder oder schwarzem Blattschnitt in einem solch großzügigen Format [25,5 × 29 cm]. So wird sich das gute Stück auf jeden Fall hervorragend in meiner gerade aufgebauten Bücherwand machen. Inhaltlich bin ich hingegen immer noch etwas unentschieden. HD meint: »[…] ist allein […] die Bilderflut schon den Preis wert.« 818 Abbildungen sind in der Tat eine ganze Menge. Noch dazu in bestechender Qualität. Vielleicht hat man beim lokalen Buchhändler die Möglichkeit, ein wenig in »Retrodesign Stylelab« zu blättern. 89 €, die prinzipiell schon durch die aufwändige Recherche und Druckqualität gerechtfertigt sind, wollen schließlich wohlüberlegt ausgegeben werden.

In der Badewanne mit dem TypoJournal

TypoJournal

Darf man einen Artikel mit dem Eingeständnis, einen Fehler gemacht zu haben beginnen? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass es ein Fehler war, das neue TypoJournal nicht zu bestellen, nachdem es vor knapp zwei Wochen auf den Markt kam. Mein »Problem« ist, dass ich derzeit etwas Magazin-müde bin und zudem noch einigen Lesestoff vor mir habe, zu dem ich partout nicht komme. Es warten sogar noch einige Bücher auf mich, die hartnäckig im Status eingeschweißt verharren. So musste mir Herausgeber Ralf Herrmann das Magazin, welches sich als Offline-Evolution des größten deutschsprachigen Typoforums versteht, schon persönlich auf dem Typostammtisch [Bericht folgt] überreichen. In der morgendlichen Badewanne habe ich es mir dann schließlich zu Gemüte geführt.

TypoJournal

Gleich zu Beginn überrascht mich der Beitrag zum Titelthema »Fundsachen«. Dort zeigen zahlreiche Typografie.info-Mitglieder ihre liebsten Typofundstücke. Mit dem Interview mit Barbara Dechant und Anja Schulze bekommt das Berliner Buchstabenmuseum ein Gesicht. Die Schriftfamilie Helsinki kannte ich bislang nur aus dem Netz und mobilisiert gedruckt weitere Kräfte. Georg Seiferts Graublau Sans als Fließtextschrift sowieso, auch wenn sie mir mindestens einen Punkt zu klein erscheint. Die Liberta von Friedrich Althausen, der ein umfangreicher Artikel gewidmet ist, stellt sich als eine bemerkenswerte Neuentdeckung dar. Ein hilfreicher Beitrag aus dem Typowiki macht im Magazin einen deutlich nachhaltigeren Eindruck als online. Ebenso der Buchtipp.

Fazit: Ein gelungenes Experiment, welches die Erwartungen voll erfüllt. Zwei Tipps möchte ich den Machern des Magazins jedoch noch auf den Weg geben: zum einen vermisse ich einen Heftrücken, allein schon, um meinen Noch-zu-lesen-Stapel besser im Griff zu haben. Zum anderen muss ich leider sagen, dass das Papier extrem ungehalten auf Badewannenwasser reagiert …

Design made in Germany

Design made in Germany

Sowas konnte hier nicht passieren: Fast gleichzeitig veröffentlichten Nadine Roßa und Patrick Sommer das erste Design made in Germany—Design Magazine. Ganz im Gegensatz zum TypoJournal geht es hier nämlich rein um die digitale Verbreitung der frohen Botschaft, genauer gesagt interessanter Projekte deutscher Agenturen, Grafikbüros und Designer. In Fallstudien wird deutschem Design auf den Grund gegangen.

Auch DMIG startet mit einer Art Designercrowdsourcing, indem eben jene Frage nach den Merkmalen typisch deutscher Gestaltung verschiedenen internationalen Fachleuten gestellt wird. Das Besondere ist, dass jeder Artikel von einem dritten Grafiker oder Gestalter umgesetzt wurde, was das Magazin angenehm auflockert und somit ganz nebenbei auf mehreren Ebenen inspirierend wirken lässt. Sowohl optisch als auch inhaltlich finde ich das Onlinemagazin sehr erfrischend. Das Konzept ist reizvoll und durchdacht, von Seite eins bis Seite 63.

Fontwerk