Gib es zu: heimlich hast du doch auf die Mayas spekuliert und dir vorerst den Geschenkestress erspart. Doch nun realisierst du, dass du schlicht einem zuvor nicht gekannten apokalyptischem Hype aufgesessen bist und dir nur noch zwei Tage bis zur Bescherung bleiben. Zum Glück gibt es Fontwerk, dein Magazin für Einkaufsberatung und kurzfristige Geldanlagen. Wie bereits im letzten Jahr präsentiere ich exklusiv zehn acht spontane Geschenketipps für Grafikdesigner:
Sonderzeichentasse: Schon beim Morgentee hat man mit dieser formschönen Tasse die Tastenkombinationen der wichtigsten Sonderzeichen griffbereit – sogar plattformunabhängig für Windows und Mac. Überhaupt sendet Christoph Koeberlin mit seinem Typefacts-Shop ein permanentes Signal noch unzureichend erforschter Nerdstrahlung aus und treibt so jedem Fontautisten die Freudentränen in die Augen.
Typologo: Im hart umkämpften Markt der Logo-Bücher sticht dieses gerade erschienene von Michael Evamy wohltuend hervor. Nicht nur, dass er Schriften zu Recht eine Schlüsselrolle in der Logogestaltung zuschreibt, nein, er setzt die 1300 sorgfältig ausgewählten Beispiele verschiedener Epochen auch in einen lehrreichen Kontext. So verlässt sich das Buch nicht nur auf den bloßen Augenpfeffer – selbst wenn es das täte, wäre die Auswahl besser geeignet als ähnliche Bücher in meinem Regal –, sondern beschreibt mindestens kurz Logo, Designer, Hintergrund und/oder Schriftwahl und gliedert das Ganze in sinnstiftende Kapitel. Das macht Typologo unverzichtbar für Grafikdesigner, die hier und da ein Signet gestalten dürfen.
The Anatomy of Type: Stephen Coles hat ein Buch geschrieben. Endlich, sagen Viele. Darin geht er 100 wichtigen Schriftarten auf die Grundlinie und seziert von Adelle bis FF Yoga Sans alles, was nicht rechtzeitig aus seinem Fontmanager-Programm flüchten konnte. Schriftenthusiasten werden sich danach die Finger lecken, allein schon wegen der in der täglichen Praxis nützlichen Querverweise zu Alternativschriften.
Kreativität aushalten – Psychologie für Designer: Dieses Buch ist meine persönliche Entdeckung des Jahres. In vielen Aspekten einen allgemeingültigen Charakter tragend, konzentriert sich der in einer Art Romanform geschriebene Ratgeber jedoch auf Designer und zeigt typische Fallstricke des Alltags auf, besonders, aber nicht nur im kommunikativen Bereich. Autor Frank Berzbach unterrichtet Psychologie und Medienpädagogik und versteht, beide Themen mit typischen Problemstellungen von Berufsanfängern (und sicher auch erfahrenen Gestaltern) zu kombinieren und sinnvolle Ratschläge auf verständliche Weise zu offenbaren. Beispiel: Ohne das überstrapazierte Thema Zeitmanagement zu sehr zu fokussieren, gibt Berzbach effiziente Tipps zu einer optimaleren Herangehensweise des kreativen Workflows. Wissenschaftlich fundiert aber zu keiner Zeit langweilig kann das Buch letztlich dazu beitragen, einfach ein besserer, kreativerer und effizienter arbeitender Gestalter zu werden. Mit der erfrischenden Gestaltung sowie der bemerkenswert hochwertigen Verarbeitung des Buches hat der Hermann-Schmidt-Verlag zudem ein dickes Argument für Druckerzeugnisse Made in Germany präsentiert. Ein überfälliges Buch.
Sigur Rós – Valtari: Für mich das Album des Jahres. Auch wenn sich viele Fans über Valtari enttäuscht zeigten, ist selbst ein für ihre Verhältnisse durchschnittliches Album noch vielen Lebenswerken anderer Künstler haushoch überlegen. Sakral und schüchtern entwickelt es nach und nach eine unbändige Kraft und befeuert die Kreativität des Zuhörers. Dazu trägt nicht zuletzt auch die typisch isländische grafische Gestaltung bei. Anspieltipps des Ambient-Post-Rock-Werks: Ég Anda, Dauðalogn und Varðeldur.
Creative-Sleep-Kissen: Kuschelige Kissen, die den Icons der Adobe Creative Suite nachempfunden sind. Ob man nun besser auf Photoshop, InDesign oder gar Dreamweaver schlafen kann, ist Jedem selbst überlassen. Zur Not tut es auch gleich die ganze Palette. Gegebenenfalls auch als iOS-Version.
Uniform Wares 103: Wir haben alle viel zu wenig Zeit. Aber wir sollten zumindest schöne Uhren haben. Diese Uhr ist schön.
A-Book-Apart-Bibliothek: A Book Apart, der von Jeffrey Zeldman, Jason Santa Maria und Mandy Brown betriebene Verlag des Online-Magazins A List Apart, veröffentlicht einmalig gute Bücher für Webdesigner. Umfassend kompakt und absolut auf der Höhe der Zeit, wenn nicht sogar selbiger voraus. Die acht Titel ›HTML5 for Web Designers‹, ›CSS3 for Web Designers‹, ›The Elements of Content Strategy‹, ›Responsive Web Design‹, ›Designing for Emotion‹, ›Mobile First‹, ›Design Is a Job‹ und ›Content Strategy for Mobile‹ gibt es derzeit als Gesamtbibliothek mit 30% Rabatt (z.B. nur 49$ für die eBook-Variante!). Ich möchte beinahe sagen Pflichtkauf.
Mach ich aber nicht.
Fontwerk | Typografie.Design.Zeitgeist
Das Fontwerk, euer Magazin für ganzheitliche Buchkonzepte, wollte selbstverständlich mehr über das Erfolgsgeheimnis der ehemaligen Typostammtischreferentin wissen. Ich interviewte Judith zu den grafischen Hintergründen des in grobem Leinen gekleideten Bestsellers, den ich nur zu gern als sexy im Äußeren und schlau, tiefsinnig und eloquent im Inneren charakterisiere. Selten hat eine im kühlen Mecklenburg-Vorpommern spielende Geschichte in seiner Gesamtheit derartige Attribute vereinen können.




