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7 mit Querstrich

26. November 2009 | 23.40 Uhr | Typografie

7 mit QuerstrichEs sind vor allem die Amerikaner die sie nicht kennen, weder geschrieben noch gedruckt: die »7« mit Querstrich. Zwar ist ihre digitale und gedruckte »1« mit unserer identisch, ihre geschriebene jedoch kommt ohne Anstrich aus. So wird unsere 1 in Nordamerika gern mal mit einer 7 verwechselt. Kein Wunder, dass man zuweilen auf Verständnisprobleme trifft.

In unseren Breiten führt die 7 in gedruckter Form ebenfalls ein Leben ohne Querstrich, zumindest in unseren Textschriften. Mir sind nur vier Schriften bekannt, die mehr oder weniger zu den Textschriften gezählt werden können und die Sieben mit einem zusätzlichen Strich verschönern. Dazu gehören Scangraphics Isonorm, die Baltica und Candida von Jakob Erbar, sowie die Schadow von Georg Trump. 7 mit QuerstrichAlle diese Schriften stammen aus den 30er Jahren, wo man offensichtlich noch weniger geizig mit Querstrichen umging. Ganz anders sieht es da im Bereich der Schreibschriften aus. Ich habe mir mal die Freiheit genommen, ein paar interessante Vertreter herauszupicken. Das erscheint vielleicht dem geneigten Leser etwas sinnbefreit, jedoch wird nun Google denjenigen mit nachfolgenden Vorschlägen helfen, die irgendwann mal nach einem Font mit »kontinentaler 7« suchen.

  • Le Asterix & Le Obelix
  • ITC Ballerino
  • FF DuBrush
  • FF Eddie
  • Felt Tip Woman
  • Flood
  • Hadfield
  • HighScript
  • Impuls
  • Ivà
  • Jakob
  • FF Justlefthand
  • FF Letterine
  • Loupot
  • Magneto
  • FF Marker
  • FF Market
  • MeMimas
  • FF Mister K
  • Agfa Nadianne
  • FF Pepe
  • Petras Script
  • FF Prater
  • Reporter No. 2
  • FF Ropsen Script
  • MvB Sacre Bleu
  • FF Schulschrift
  • FF Soupbone

7 mit Querstrich
Natürlich finden sich auch unter den Displayschriften einige Vertreter jener seltenen Gattung, zum Beispiel:

  • FF Angst
  • ITC Belter
  • Maidenhead
  • FF Marten
  • FF Minimum
  • Mobilette
  • Tokay

Zu guter Letzt konnte ich noch einige wenige gebrochene Schriften ausfindig machen, darunter:

  • FF JohannesG
  • Lucida Blackletter
  • Monmouth

Ja, hier werden die wirklich relevanten Themen abgefrühstückt. Sinnlos höre ich da? Mitnichten! Nicht ab einem bestimmten persönlichen Geek-Faktor. [Es kann sein, dass sich ein gewisses internationales Online-Magazin demnächst einer ähnlichen Fragestellung widmet und zu ähnlichen Beispielen kommt. Das ist deshalb, weil, äh, ja, weil eine Journalistin hierzu um meine kurze Hilfe bat. Nachdem ich mich jedoch zum Zwecke der fundierten Antwort bei einer zeitlich nicht unerheblichen Recherche in meinen Büchern ertappte, blieb mir gar nichts anderes übrig, als meine Erkenntnisse auch auf meiner eigenen Seite zu veröffentlichen. Auf deutsch nämlich. Bevor das noch ausstirbt.]

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  1. 1 | Indra | 26. November 2009 um 23.58 Uhr

    na, wenn die Baltica und die Candida nicht mal nahezu identisch sind …
    schöne Zusammenstellung! Ich bin für eine fontlist.
    (wo ich aber gerade da am rum machen bin: wieso bezeichnest Du die Schriften als Serifenbetonte Linear-Antiqua? Darunter verstehen wir klassisch ja die Slab-Serifs, bzw. lineare eben. Die hier haben aber ja wohl volle Kanne Strichkontrast.)

  2. 2 | Ivo | 27. November 2009 um 06.17 Uhr

    Hehe, weil man nachts nach einem langen Arbeitstag keine solchen Artikel mehr schreiben soll. Hab das mal entsprechend geändert. Danke für den Hinweis an die Ober-Schriftklassifikationsexpertin.

  3. 3 | Stefano Picco | 27. November 2009 um 09.54 Uhr

    Super Artikel, sehr interessant. Man lernt nie aus, danke!

    Und seit Minuten überlege ich ob ich die Sieben mit oder ohne Querstrich schreibe … ich schreib einfach mal :P

  4. 4 | nora | 27. November 2009 um 14.14 Uhr

    Sacre Bleu ist ein interessantes Exemplar … diese Schrift ist mir bis jetzt durchgegangen. Unverzeihlich eigentlich ;-) Klasse Beitrag und schönes WE wünsch ich dir!

  5. 5 | Martin | 27. November 2009 um 23.11 Uhr

    Seit ich vor etwa fünf Jahren Tschicholds Häme über Siebenen mit Querstrich gelesen habe, trainiere ich meiner Handschrift Mediävalziffern an. 2009 war sehr gut geeignet dafür, also fürs Schreiben des Datums. Und im Juli hatten alle Datumsangaben eine schöne 7 mit Unterlänge in der Mitte. Tschichold liegt richtig, die 7 mit Querstrich ist was für Grundschullehrerinnen. In die handschriftliche Korrespondenz erwachsener Leute gehören Mediävalziffern. Es braucht lange, sich den 7er Querstrich auszutreiben, aber es lohnt sich, das Schriftbild gewinnt ungemein mit Minuskelziffern.

  6. 6 | Adam Twardoch | 27. November 2009 um 23.52 Uhr

    Ken Barbers Studio Lettering von House Industries hat die 7 sowohl mit Querstrich als auch ohne. Darüber hinaus gibt es in den Schriften weitere lokalisierte Formen, die in Handschriftstilen verschiedener Länder auftreten:

    http://new.typographica.org/2009/typeface-reviews/studio-lettering/

  7. 7 | Ivo | 28. November 2009 um 11.29 Uhr

    Stimmt, Adam, die hatte ich nicht auf dem Schirm. Danke für den Hinweis.

    Den Querstrich abzugewöhnen kann ich mir bei mir selbst überhaupt nicht vorstellen. Allein schon weil er bei der 7 so viel Spaß macht. Er hat sowas zerstörerisches.

  8. 8 | Eduardo Tunni | 15. Dezember 2009 um 16.28 Uhr

    Our typography called Chaco have a seven with bar.

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