
Darf man einen Artikel mit dem Eingeständnis, einen Fehler gemacht zu haben beginnen? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass es ein Fehler war, das neue TypoJournal nicht zu bestellen, nachdem es vor knapp zwei Wochen auf den Markt kam. Mein »Problem« ist, dass ich derzeit etwas Magazin-müde bin und zudem noch einigen Lesestoff vor mir habe, zu dem ich partout nicht komme. Es warten sogar noch einige Bücher auf mich, die hartnäckig im Status eingeschweißt verharren. So musste mir Herausgeber Ralf Herrmann das Magazin, welches sich als Offline-Evolution des größten deutschsprachigen Typoforums versteht, schon persönlich auf dem Typostammtisch [Bericht folgt] überreichen. In der morgendlichen Badewanne habe ich es mir dann schließlich zu Gemüte geführt.

Gleich zu Beginn überrascht mich der Beitrag zum Titelthema »Fundsachen«. Dort zeigen zahlreiche Typografie.info-Mitglieder ihre liebsten Typofundstücke. Mit dem Interview mit Barbara Dechant und Anja Schulze bekommt das Berliner Buchstabenmuseum ein Gesicht. Die Schriftfamilie Helsinki kannte ich bislang nur aus dem Netz und mobilisiert gedruckt weitere Kräfte. Georg Seiferts Graublau Sans als Fließtextschrift sowieso, auch wenn sie mir mindestens einen Punkt zu klein erscheint. Die Liberta von Friedrich Althausen, der ein umfangreicher Artikel gewidmet ist, stellt sich als eine bemerkenswerte Neuentdeckung dar. Ein hilfreicher Beitrag aus dem Typowiki macht im Magazin einen deutlich nachhaltigeren Eindruck als online. Ebenso der Buchtipp.
Fazit: Ein gelungenes Experiment, welches die Erwartungen voll erfüllt. Zwei Tipps möchte ich den Machern des Magazins jedoch noch auf den Weg geben: zum einen vermisse ich einen Heftrücken, allein schon, um meinen Noch-zu-lesen-Stapel besser im Griff zu haben. Zum anderen muss ich leider sagen, dass das Papier extrem ungehalten auf Badewannenwasser reagiert …
Design made in Germany

Sowas konnte hier nicht passieren: Fast gleichzeitig veröffentlichten Nadine Roßa und Patrick Sommer das erste Design made in Germany—Design Magazine. Ganz im Gegensatz zum TypoJournal geht es hier nämlich rein um die digitale Verbreitung der frohen Botschaft, genauer gesagt interessanter Projekte deutscher Agenturen, Grafikbüros und Designer. In Fallstudien wird deutschem Design auf den Grund gegangen.
Auch DMIG startet mit einer Art Designercrowdsourcing, indem eben jene Frage nach den Merkmalen typisch deutscher Gestaltung verschiedenen internationalen Fachleuten gestellt wird. Das Besondere ist, dass jeder Artikel von einem dritten Grafiker oder Gestalter umgesetzt wurde, was das Magazin angenehm auflockert und somit ganz nebenbei auf mehreren Ebenen inspirierend wirken lässt. Sowohl optisch als auch inhaltlich finde ich das Onlinemagazin sehr erfrischend. Das Konzept ist reizvoll und durchdacht, von Seite eins bis Seite 63.

