Über den Sinn von Twitter-Listen

3. August 2010 | 22.23 Uhr | Kategorie: Persönlich, Typografie, Zeitgeist

Twitter ist zweifelsohne das Internetphänomen unserer Zeit. Millionen Nutzer – darunter zahlreiche Prominente, Global Player und Regierungen – lieben es, die Wachstumsrate ist unglaublich.

Follow FontFont on TwitterSelbstverständlich twittere auch ich. Privat (@gabrowitsch) und beruflich (@FontFont).

Seit einiger Zeit haben die zwitschernden Kalifornier ihrem Service nun sogenannte Listen spendiert. Zugegeben, sie erschienen mir anfänglich reichlich überflüssig. Ihr Wert erkannte ich aber am Tag der Bundespräsidentenwahl. Jeder in der Republik war gespannt, ob Joachim Gauck nicht vielleicht doch dem favorisierten Christian Wulff ein Schnippchen schlagen konnte. Doch die Wahl war geheim und benötigte mehrere Durchgänge. Es dauerte Stunden – eine nur schwer erträgliche Ewigkeit also in der modernen überinformierten Welt.

Schon bei anderen Gelegenheiten sickerten – twitternden Abgeordneten sei Dank – via Twitter Neuigkeiten direkt aus dem Bundestag ins globale Netz, lange bevor sie offiziell den Medien bekannt gegeben wurden. Was also liegt da näher, als einfach alle gesprächigen Volksvertreter abzuhören, in der Hoffnung jemand würde sich schon verplappern? Dazu benötigt man keine Wanzen, sondern eben eine Twitterliste. Eine solche Liste aller twitternden Bundestagsabgeordneten hatte unabhängig vom Ereignis selbst bereits Christoph Zeuch zusammengetragen. Natürlich war Twitter dann auch der erste Kanal, über den die Stimmenverteilungen (inoffiziell) bekanntgegeben wurden.

@gabrowitsch’s Twitterlisten

Begeistert von dieser simplen aber wirkungsvollen Kanalisierung direkt involvierter Personen erstellte ich umgehend meine eigenen Listen, bezogen auf Themen, die mich permanent interessieren. Von den meiner Meinung nach hochwertigsten typo-relevanten Twitteren, über die (wahrscheinlich) umfassendste Listen twitternder Font-Foundries und Schriftgestalter, Webfont-Services und typografischen Organisationen, bis hin zu meinen Lieblingsmusikern und einer rein privaten Liste mit allen Leuten, die ich persönlich kenne. Natürlich folge ich auch anderen, zum Beispiel Christoph Koeberlins beliebten Liste aller deutschsprachigen Typotweets. Ich selbst tauche in so unterschiedlichen Listen wie Webinale-2010, Berlin, Typography, Creative, Inspirationsquellen, Pownce oder Typography Twits auf.

Und genau das macht den Reiz aus. Für sich und andere eine ständig aktualisierbare Lesezeichenliste bereitzustellen und gleichzeitig von der Mühe und redaktionellen Sorgfalt anderer zu profitieren. Man muss nicht jedem Twitterer folgen, sondern kann anhand der Listen quasi eine Zwischenstufe einrichten, die man bei Bedarf abfragen kann. Nebenbei hilft man durch diese indirekte Art der Verschlagwortung dem einzelnen Nutzer sich selbst zu reflektieren, vor allem aber dem System eine gewisse Ordnung zu finden.

Wie nutzt ihr die Twitterlisten? Welche Zusammenstellungen bevorzugt ihr?

⇐ Webfont-Services: Eine Bestandsaufnahme
{BTST 09.10}: Free Fonts ⇒

  1. 1 | Indra | 3. August 2010 um 22.34 Uhr

    top!

  2. 2 | Christoph | 12. August 2010 um 12.36 Uhr

    Seit es die Twitterlisten gibt, finde ich Twitter überhaupt erst richtig brauchbar. Man kann den verschiedensten Leuten aus verschiedensten Gründen folgen und sich anschließend sinnvolle themenbezogene Untermengen bilden.

  3. 3 | Rolf Moczarski | 2. September 2010 um 12.33 Uhr

    Ich muss mich da Christoph anschließen, seit dem die Twitterlisten da sind nutze ich Twitter überhaupt erst richtig.

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