× Impressionen von der ATypI in St. Petersburg [1]
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26. September 2008, 16.26 Uhr | Kategorie
Typografie

So, nach der Rückkehr aus der Heldenstadt Leningrad Санкт-Петербург will ich noch die diesjährige ATypI nachbetrachten. Aus privater und beruflicher Sicht hatte ich viel Spaß. Die Stadt ist wunderschön, wenngleich auch wolkenverhangen und mit Erkältungserregern eingedeckt. Zumindest kehrten fast alle Beteiligten mehr oder weniger krank zurück. Eine Reise ist St. Petersburg aber definitiv wert, allein die Jahreszeit will gut gewählt sein.

Beeindruckt hat mich die Kreativität und Vielfältigkeit der russischen Studenten, die diese im Rahmen einer Ausstellung zur Schau stellten. Interessant zu sehen, wie sie – entgegen der hierzulande üblichen Reihenfolge – zuerst ihre kyrillischen Alphabete gestaltet haben und daraus dann die lateinische Erweiterung. Ein Teil der Ausstellung zeigte übrigens die vom TDC prämierten Exponate, unter denen sich unter anderem auch die aktuelle Slanted befand.
Mein persönliches Highlight der Konferenz war neben dem Typophile Film Fest, das ich aufgrund der Teilnahme am Treffen der EULA-Interessengruppe leider vorzeitig verlassen musste, vor allem die viel zu kurze, aber hochrangig besetzte Podiumsdiskussion zu meinem Diplomthema Webfonts. Roger Black, Bert Bos, Håkon Wium Lie [die beiden Entwickler von CSS], Thomas Phinney [Adobes Produktmanager für Fonts] und Si Daniels [Microsoft Typography] tauschten dabei ihre größtenteils bekannten Argumente aus, ließen für mich aber dennoch ein Bild entstehen, wohin die Reise gehen wird. Unter dem zusätzlichen Eindruck eines intensiveren Gesprächs mit dem sehr sympathischen Si Daniels scheint mir die mittelfristige Zukunft der Webfonts klar geworden zu sein.
Microsoft wird, unterstützt vom Großteil der Foundries und Schriftgestalter, beim Internet Explorer weiterhin an seiner EOT-Technologie festhalten. Das World Wide Web Consortium wird diese aller Voraussicht nach als offenen Standard neben der @font-face-Technologie akzeptieren. Laut Bert Bos ist gar eine dritte parallele Technik denkbar, was derzeit jedoch unwahrscheinlich ist. Ich habe den Eindruck, dass diejenigen Schrifthersteller, die die Webfontsentwicklung mitgehen wollen, derzeit noch fast ausnahmslos auf EOT setzen. Entscheiden über Erfolg oder Misserfolg der Technologien werden jedoch primär die Webdesigner. Diese wollen eine einfache Lösung, vergleichbar mit den bestehenden Möglichkeiten, aber eben hauptsächlich mit einer deutlich größeren Schriftauswahl. Da aus dieser Sicht die Fontverlinkung mit @font-face die Nase vorn hat, sollten sich die Foundries ebenfalls hiermit beschäftigen.
Zum Schluss noch einige in der Überschrift bereits angekündigte Impressionen aus der Stadt an der Newa. Weitere Fotos anderer Konferenzteilnehmer finden sich außerdem in der noch wachsenden ATypI-Flickr-Gruppe.

Das Veranstaltungsgebäude der ATypI 2008: der Beloselsky-Belozersky-Palast am berühmten Newski-Prospekt.

Bert Bos, Si Daniels, Tom Phinney, Roger Black und Håkon Lie diskutieren über Webfonts.

FF Trixie in kyrillisch für eine »Weinboutique«

Der Hauptsaal im Beloselsky-Belozersky-Palast während einer Pause.

Die aktuelle Ausgabe der russischen Vogue: sehr schöne kyrillische Slab Serif, aber welche genau?

Das kleine Flüsschen Fontanka.

Robert Bringhursts Klassiker, auch auf russisch.

Auch ohne das Original Subway dürfte man die kyrillische Version deuten können.

Er musste kurzfristig absagen, war aber doch allgegenwärtig: …

… Erik Spiekermann … beziehungsweise seine ITC Officina Sans.

Schriftenbestimmung extrem: Ist auch dies die ITC Officina?

Ähnlich, wie ich es auch in San Francisco erlebt habe, gibt es in Russland viele verwundete Veteranen, die auf den Straßen betteln. Hier sogar einer, der zwischen den rasenden Autos auf eine rote Ampel wartet.

Am Tag der Abreise kam sogar die Sonne raus. [Foto: Jens Kutilek]

Dieses Logo fand ich bemerkenswert, weil es mit dem л spielt und die tragenden Stützen von Brücken symbolisiert.

Der kleine Saal während eines Vortrages von Alexandra Korolkova.

Fontlab-Chef Ted Harrison bei seinem EULA-Vortrag.
Weitere Bilder folgen.
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TrackBack URIArrrg, um die Webfonts-Gespräche mit Si und Co. beneide ich dich jetzt. Bin gespannt auf Deinen Bericht beim nächsten Stammtisch!
Sehr schöner Bericht… Dann wird euch das sonnige Berlinwetter hoffentlich wieder gesunden lassen. ;)
Die Pfeile an der Subway – ojeoje! Die sehen eher … äh … unergonomisch aus. ;-)
schöne Slab Serif, aber welche?
Das sollte doch die gute alte ITC American Typewriter sein, oder? Heißt in der kyrillischen Form anscheinend Secretary.
Danke für den Bericht!
[…] Weitere Bilder folgen [hier Teil 1]. […]
Ivo,
einen Unterschied zwischen “EOT” und “@font-face” zu machen ist wie zwischen “grün” und “Farbe” zu unterscheiden.
Sowohl die Web-Fonts im Format EOT als auch die Desktop-Fonts in den Formaten OTF und TTF werden mit Hilfe von @font-face in Webseiten eingebunden — die Syntax ist identisch. Mehr sogar — EOT war im Prinzip die letzten 10 Jahre die einzige Implementierung von @font-face. Dass Du @font-face jetzt scheinbar lediglich mit OTF und TTF in Verbindung setzt, ist falsch und verwirrend.
Schöne Grüße,
Adam
Zunächst: nicht ich mache den Unterschied zwischen EOT und @font-face, sondern die Hersteller. Technisch gesehen sind beide Technologien – eben bis auf den Zwischenschritt des separaten Fontformats – identisch. Da interpretier ich auch gar nix neues herein. Wenn es aber nicht genau diesen Unterschied geben würde, würde es diese Diskussion ja nicht geben.
Wo du vielleicht Recht hast, ist dass Gleichsetzen von @font-face mit OTF und TTF. Irgendwie hat sich das seit Beginn der Diskussion in vielen Begrifflichkeiten so durchgestzt, auch bei mir. Das ist ja auch immer wieder Diskussionsinhalt, vor allem auf Typophile oder im W3C selbst. Bert Bos hat da kürzlich bessere Termini vorgeschlagen, aber auch nicht derart überzeugende, dass ich bislang von meinen Begriffen absehen will [»One-Way-« bzw. »Two-Way-Linking«]. Vielleicht sollte man einfach zwischen @font-face pur und @font-face EOT unterscheiden oder zwischen W3C @font-Face und Microsoft @font-face oder @font-face 2002 und @font-face 2009? ;)
Inhaltlich bleibt die Sache aber so oder so, wie sie ist: Ich persönlich sehe eben in EOT – das habe ich auch in der W3C-Telefonkonferenz zum Ausdruck gebracht – keinen wirklichen Vorteil und setze beide Technologien auch faktisch gleich.
Ich hatte das ja auch immer wieder angemahnt, zum Beispiel hier: http://www.fontblog.de/der-2-fontkrieg#comment-91988
Es stimmt natürlich, dass selbst in Expertenkreisen die Begrifflichkeiten wild durcheinander gewürfelt werden (selbst auf fontembedding.com zum Beispiel). Aber genau deshalb sollten wir, die es besser wissen, umso mehr auf die korrekte Verwendung pochen und selbst korrekt anwenden.
@font-face bzw. Font Linking ist die Grundtechnologie. Denn die Fonts sind immer nur verlinkt und immer per @font-face-Regel eingebunden. Nur die Font-Formate unterscheiden sich. Es gibt solche, die (in der Regel) an eine URL gebunden sind, und jene, die das nicht sind. Wie nennen wir das kurz und prägnant?
Wir wäre es mit “Tied Font Linking” und “Untied Font Linking”?
Ralf
Ivo,
Deine Terminologieverwendung ähnelt derjenigen, wenn einige Nutzer “OpenType” sagen und damit nur PostScript-flavored OpenType (OTF) meinen.
EOT *ist* @font-face. Es ist nicht “Microsoft @font-face”. Die @font-face Einbindung in CSS ist formatunabhängig, d.h. jedes Schriftenformat das sich mit @font-face in irgendeinem Browser einbinden lässt ist “W3C @font-face”-kompatibel. Es könnte OTF, TTF, EOT, PFR, PFB oder UFO sein.
Zur Zeit wird @font-face für das EOT-Format von Microsoft und für die OTF- und TTF-Formate von Apple unterstützt. Wenn also überhaupt, könnte man von “Microsoft @font-face” und “Apple @font-face” sprechen, was aber auch grundsätzlich falsch ist weil die Apple-Implementierung vermutlich bald in Opera eingebaut ist und die Microsoft-Implementierung von der W3C als Standard erwogen wird.
Weder die eine noch die andere Variante ist “@font-face pur” — EOT ist nicht mehr und nicht weniger “pur” als OTF oder TTF. Genauso wie OTF nicht mehr und nicht weniger “pures OpenType” ist als TTF.
Wenn Du korrekt sein möchtest, wäre wahrscheinlich “@font-face EOT” ggü. “@font-face OTF/TTF” die sinnvollste Beschreibung, mit @font-face als Sammelbegriff.
Genauso wie OpenType PS und OpenType TT oder OpenType OTF und OpenType TTF als Unterbegriffe mit OpenType als Sammelbegriff verwendet werden.
Grüße,
Adam
[…] wars. [hier noch Teil 1 und Teil […]
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