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Fontwerk

× Type Wars: Die Fonteinbettung schlägt zurück

» 21. Juli 2008, 22.49 Uhr | Kategorie Typografie

Es tut sich was. Im März sorgte Apple mit der neuesten Safari-Version 3.1 für einen entscheidenden Schritt in der Geschichte des Webdesigns [Firefox und Opera werden demnächst folgen]. Nachdem man beim Gestalten von Websites jahrelang quasi nur auf Systemschriften wie Georgia, Arial oder Verdana zurückgreifen konnte, ist mit der Umsetzung des CSS3 Modul Web Fonts endlich freie Schriftwahl angesagt. Theoretisch. Was grundsätzlich für alle Internetnutzer eine längst überfällige Angelegenheit ist, hat in der Praxis einen entscheidenden Haken: die Schriftlizenzen – vom Großteil der dafür qualitativ kaum in Frage kommenden Free Fonts abgesehen – geben eine solche Verwendung nicht her. Das ist verständlich, werden doch die so eingesetzten Schriften auf jeden Besucherrechner kopiert und somit unüberschaubar weitergegeben. Es müssen also Lösungen her, die sowohl im Sinne der Hersteller, als auch der Anwender funktionieren.

Einige Hersteller werden sich bereits intensiv mit der neuen Situation beschäftigen und über kurz oder lang mit entsprechenden Reaktionen aufwarten. Dabei gibt es theoretisch längst eine für alle Beteiligten bessere Alternative, nämlich Microsofts Web Embedding Fonts Tool [WEFT]. Die funktioniert zwar grundsätzlich genauso, jedoch wandelt sie den gewählten Font in ein spezielles Format um, das recht schlank die benutzten Zeichen enthält. Diese EOT-Datei [Embedded OpenType] wird statt einer normalen Schriftdatei [TrueType oder OpenType] auf den Server geladen. Der entscheidende Nachteil: Nur der hauseigene Internet Explodierer kann diesen interpretieren, alle anderen Browser ignorieren die proprietäre Technologie, obgleich man sie gemeinsam mit der Firma Monotype dem World Wide Web Consortium als Standard vorgeschlagen hat.

Die Microsoft-nahe Foundry Ascender Corp. holt nun in Form von FontEmbedding.com zum »Font-Linking«-Gegenschlag aus. Auf der neuen Website gibt es ab sofort eine Art kostenloses webbasiertes WEFT, momentan mit einer kleinen Auswahl Free Fonts von Ray Larabie. Später sollen auch Lizenzschriften folgen. Ziel des Projektes ist, WEFT so zu pushen, dass die Variante mit den üblichen Fonts überflüssig wird.

Ich für meinen Teil bin sehr gespannt, wie sich diese Entwicklung fortsetzt. Ich glaube zwar, dass das von Ascender initiierte Aufbäumen zu spät kommt und sich das neue Font-Linking mit den noch abzuwartenden Angeboten der Schrifthersteller durchsetzen wird, wünsche mir jedoch insgeheim, dass WEFT doch noch mehr wird als eine nur auf dem bösen Browser funktionierende Alternative.

[Mehr zu diesem Thema findet sich auch auf dem neuen Webfonts-Portal webfonts.info.]

Geschrieben von Ivo


Kommentare RSS

  1. Georg S

    Das mit den WEFT Schriften hat nur einen Haken (sonst würde ich die auch anbieten): Die müssen, solange ClearType noch nicht Standard ist, SEHR aufwendig gehintet werden.

    G

  2. Ivo

    Absolut, Georg. Das ist aber mehr ein Problem der Foundries. Dass es geht beweisen ja zum Beispiel oben genannte Systemschriften.

  3. stefano picco

    Sehr schöner und interessanter Artikel, es wäre wirklich mal schön endlich echte Schriften nutzen zu können und nicht alles in Grafiken anlegen zu müssen. Weniger Zeitaufwand, flexibleres Gestalten und auch noch “SEO-freundlich”.

    Ich denke das Lizenzproblem wird nicht viel größer werden als es jetzt schon ist, vielleicht in der Anfangszeit weil viele damit rumexperimentieren werden. Doch langfristig werden die Unternehmen und Personen die heute schon Schriften lizenzsieren auch diese lizenzsieren lassen, alles andere würde mich stark wundern.

  4. Webfonts - Ein Segen? « spic homepage

    […] browserübergreifend durchgesetzt. In einen aktuellen Artikel von Ivo Gabrowitsch im Fontwerk, beschreibt er die aktuelle und gewünschte zukünftige Lösung dieses […]

  5. Tobias

    Kleine Anmerkung: Die Schriften werden nicht auf den Besucherrechner kopiert sondern nur gecached. Sie sind also nach dem Besuch der Seite nicht automatisch im System verfügbar.

  6. Ivo

    Das stimmt natürlich. Ich habe das dennoch bewusst so geschrieben, da es faktisch aber – vor allem aus Sicht der Hersteller – nichts anderes als ein Kopieren ist. Der Font ist zwar nicht automatisch im System [auf dem Präsentierteller] verfügbar, doch aber auf den Rechner kopiert worden, wenn auch »nur« im Cache.

  7. Tobias

    Hmmm. Natürlich ist es technisch gesehen kein Problem die Schrift aus dem Cache zu hohlen. Aber dies erfordert immer noch eine direkte Aktion des Nutzers. Es setzt also voraus das der Nutzer bewusst die Schrift “stehlen” möchte.

    Für mich ist das durchaus ein sehr großer Unterschied.

    Auch eine EOT Schrift wird in den Cache geladen. Und ich gehe jetzt einfach mal davon aus das es bei Bedarf relativ schnell Programme geben wird die EOT Schriften in OpenType umwandeln.

    Ein Schutz vor Diebstahl kann also nicht gewährleistet werden. Aber in beiden Fällen ist eine, möglicherweise auch strafrechtlich relevante, Aktion des Nutzers erforderlich.

  8. Ivo

    Interessanter Gedanke. Die Gefahr besteht natürlich, dass EOT-Dateien auch über kurz oder lang in OpenType-Fonts umgewandelt werden können. Da [wie ich es verstehe] EOTs aber abgespeckte Schriftdateien sind, kann eine Umwandlung sicher nicht so einfach fehlende Informationen [fehlende Glyphen z.B.] hinzuerfinden. Insofern ist sicher bei beiden mindestens eine strafrechtliche relevante Handlung [bei EOT sogar zwei: aus dem Chache holen und umwandeln, allein das ist vielleicht schon einigen zu viel …] nötig, aber das qualitative Ergebnis ist ein anderes. Das Ganze ist ja nicht nur im Hinblick auf eine spätere Verwendung auf einer weiteren Website, sondern auch auf eine Verwendung als Print-Font zu sehen. Deshalb bin ich eher auf der WEFT-, als auf der font-linking-Seite.

  9. Tobias

    OpenType Fonts kann man ja genau wie EOT’s auf eine Grundzeichensatz beschränken.

    Die Schriften zu beschränken finde ich im übrigen eine grässliche Idee. Ich will endlich die gesamte Breite der OpenType Features nutzten können. Automatische Ligaturen im Web, das wäre doch mal was. Und theoretisch sind sie auch schon möglich (http://dev.w3.org/html5/html-author/charref).

    Meinem Lainrechtsverständnis nach dürfte das Umwandeln in OpenType quasi genau wie das Knacken eines Kopierschutzes sein was auch noch rechtlich relevant ist. Also ein Pluspunkt für die EOT.

    Auf jeden Fall bin ich der Meinung das der Kopierschutz nicht die Weiterentwicklung behindern sollte. Ob nun EOT oder nicht — Wer sich Schriften illegal besorgen will findet immer eine Möglichkeit. Auch durch @font-face wird es nicht legal Schriften zu stehlen.

  10. Ralf Herrmann

    Der 2. Font War wird wie der 1. mit einem Unentschieden ausgehen und exakt genauso verlaufen, wie bei der Musikindustrie. Erst wurden Music-Downloads ignoriert. Als sie immer mehr Verbreitung fanden, versuchte man sie zu stoppen – ohne Erfolg. Dann versuchte man mitzuspielen, aber nur mit immensen technischen Beschränkungen (DRM). Und nun, nach vielen Jahren kann man die Songs einfach ohne jeglichen Schutz kaufen. Die Kunden sind glücklich und die Industrie macht satte Gewinne damit – trotz der Tatsache, dass man praktisch jeden Song auch irgendwo illegal herunter laden kann.

    EOT ist prima, aber man kann die Browser-Hersteller nicht dazu bewegen, eine direkte TTF-/OTF-Einbindung zugunsten von EOT fallen zu lassen. Das wird nicht passieren und deshalb stößt mir die Lobby-Arbeit von Ascender auch etwas sauer auf. Webfonts werden so oder so “geklaut” werden, egal ob man sie als EOT oder TTF-/OTF-Fonts extrahiert. Die Frage ist allein, welche Chancen für die Webdesigner bzw. Gewinne für die Fontanbieter dem gegenüberstehen. Die technischen Rahmenbedingungen sind da eher nebensächlich und ein Font War demzufolge auch.

  11. Designworks ::: Photoshop | InDesign | Illustrator | Grafikdesign » Fontwerk-Artikel über Font-Einbettung

    […] Gabrovitsch hat in seinem Blog Fontwerk einen interessanten Artikel zum Thema Font-Einbettung für Websites […]

  12. Bart

    Ich hoffe das der Standard sich durchsetzt und nicht WEFT. Vergessen wurde in diesem Artikel das es bereit bei Netscape 4 eine solche Technologie schon gab die damals von Bitsream mit entwickelt wurde:
    TrueDoc

    Ich denke es ist schon ein grosser Fortschritt wenn man für die Headlines freis Wahl der Schriften hat und da muß der Font nicht 100% Screen-optimiert sein.

  13. Ivo

    @ Ralf: Ein Unentschieden wäre das schlimmste, was passieren könnte. Das würde heißen, dass sich – weil sich die Browserhersteller wieder nicht einigen können – wieder kein einheitlicher Standard bildet.

    Das Ganze steht und fällt also mit dem Internet Explorer.

    @ Bart: TrueDoc habe ich nicht vergessen, aber im aktuellen Type War spielt diese Technologie keine Rolle. Wie im übrigen auch sonst nicht mehr seit einigen Jahren.

    Für die Headlines hat man ja aufgrund geltender Lizenzbeschränkungen auch keine freie Schriftwahl. Eine größere als für den Fließtext schon, dank sIFR zum Beispiel.

  14. Ralf Herrmann

    >>>> Ralf: Ein Unentschieden wäre das schlimmste, was passieren könnte. Das würde heißen, dass sich – weil sich die Browserhersteller wieder nicht einigen können – wieder kein einheitlicher Standard bildet.

    Eigentlich nicht. Der Standard heißt “@font-face” und EOT oder OTF/TTF sind zwei Möglichkeiten um diesen Standard zu nutzen. Für Freeware-Fonts kann man dann einfaches Fontlinking verwenden (da wäre EOT ja auch völlig überflüssig) und für kommerzielle Fonts nimmt man EOT oder EOT + OTF/TTF (mit einem wie-auch-immer gearteten Download-Schutz).
    Natürlich sollte das langfristige Ziel sein, dass alle Browser beide Möglichkeiten unterstützen (so wie sie alle GIF/JPG/PNG unterstützen), aber dass es unbedingt die EINE Lösung in Form EINES einzigen Formates geben muss, finde ich nicht. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile, wie eben auch die verschiedenen Bildformate.

  15. Adam Twardoch

    > Ein Unentschieden wäre das schlimmste, was passieren
    > könnte. Das würde heißen, dass sich – weil sich
    > die Browserhersteller wieder nicht einigen können –
    > wieder kein einheitlicher Standard bildet.

    Stimmt! Die Möglichkeit, dass man sowohl GIF- als auch PNG-Bilder in HTML-Seiten einsetzt, hat dem Web ja so enorm geschadet.

    Übrigens, seit März 2008 ist EOT eine öffentliche Spezifikation, verfügbar beim W3 Consortium: http://www.w3.org/Submission/EOT/

    A.

  16. Ivo

    Stimmt! Die Möglichkeit, dass man sowohl GIF- als auch PNG-Bilder in HTML-Seiten einsetzt, hat dem Web ja so enorm geschadet.

    Natürlich nicht, aber das ist ja nicht wirklich zu vergleichen, denn jeder Browser kann sowohl GIFs als auch PNGs problemlos darstellen. Hier deutet sich momentan aber eine ähnliche Situation an, wie es sie schon einmal mit MS Internet Explorer (WEFT) und Netscape (TrueDoc) gab. Diese Situation wäre wohl zwar nicht mehr so »schlimm« wie damals, da diese beiden Formate heute wohl parallel existieren könnten, aber einfacher wäre ein Standard. Nichtsdestotrotz möchte ich noch einmal betonen, dass ich mich so oder so über die Entwicklung freue und auch mit den zwei parallel existierenden Methoden leben kann, denn wir brauchen endlich mehr Fonts im Web!

    Übrigens, seit März 2008 ist EOT eine öffentliche Spezifikation, verfügbar beim W3 Consortium: http://www.w3.org/Submission/EOT/

    Öffentliche Spezifikation? Ich habe das eher als Vorschlag von MS und Monotype zur Empfehlung als Standard durch das W3C interpretiert.

  17. Adam Twardoch

    > Öffentliche Spezifikation? Ich habe das eher als Vorschlag
    > von MS und Monotype zur Empfehlung als Standard durch das
    > W3C interpretiert.

    Ist es eher grün oder schmeckt es eher nach Karotte?

    Es ist natürlich sowohl das eine als auch das andere. Microsoft hat eine Spezifikation des EOT-Formats auf der W3 Consortium veröffentlicht (daher: öffentliche Spezifikation), und im gleichen Zug das Format zur Standardisierung vorgeschlagen. Unabhängig davon, ob W3C das EOT-Format standardisiert oder nicht, ist es und bleibt eine öffentliche Spezifikation. Das eine ist das eine und das andere ist das andere.

    Analog: Microsoft hat vor einiger Zeit die Spezifikation des Office Open XML-Formats veröffentlicht und es bei der ISO zur Standardisierung angemeldet (als ISO/IEC 29500). Unabhängig davon ob ISO letzendlich die Norm ISO/IEC 29500 annimmt (d.h. die Widersprüche einger Länder beseitigt), ist und bleibt Office Open XML eine öffentliche Spezifikation.

    Im Gegensatz dazu sind die binären Microsoft Office-Formate lediglich öffentliche Spezifikationen ( http://www.microsoft.com/interop/docs/OfficeBinaryFormats.mspx ), sie werden aber höchstwahrscheinlich nie als internationale Norm anerkannt.

    A.

  18. Adam Twardoch

    Die Analogie mit der Musikindustrie greift nicht so ganz. Ein Musikstück kauft man für den persönlichen Konsum, und man konsumiert ihn. In welcher Form das Stück gespeichert ist, ist zweitrangig — Hauptsache es “funktioniert”. Die DRM-Lösungen, sei es kopiergeschützte CDs oder Audio-Dateien a la AAC “funktionieren” nicht, weil diverse Abspielgeräte sie nicht unterstützten bzw. der Umgang mit den Umständlich war. Wäre er nicht umständlich gewesen, wäre es den Kunden am Ende egal, welches Format sie benutzen, ob mit DRM oder nicht. Hauptsache, es spielt die Musik.

    Mit OpenType-Schriften ist es anders. Durch die Standardisierung von EOT entsteht überhaupt die Möglichkeit, dass verschiedene Schriftenhersteller ihre Schriften für die Webeinbettung überhaupt freigeben. Außerdem ist der Kunde dann auf der sicheren Seite. Wenn er OTF- oder TTF-Dateien auf seinem Server ablegt so dass sie von Safari interpretiert werden können, kann jedermann ja diese Schriften herunterladen. Dann liegt die rechtliche Verantwortung der illegaler Verbreitung bei dem Kunden.

    Wenn der Kunde aber sachgemäß ein EOT erstellt und sie dann auf dem Server ablegt, dann hat er die Sorgfaltspflicht erfüllt. Wenn nun jemand diese EOT-Datei herunterlädt und sie dann mit Software zurück in eine OTF- oder TTF-Datei umwandelt, dann ist dieser — und nicht der Kunde — ggf. rechtlich verantwortlich.

    Außerdem ist EOT ja kein DRM. Es ist halt ein drittes Schriftenformat — eines nur im Web nutzbar. Das hat praktische Vorteile, weil er ist speziell fürs Web geschaffen (u.a. bessere Lizenzinformation, MicroType-Komprimierung).

    Bald wird ein Kunde beim Kauf einer Schrift wählen können, ob er sie als OTF, TTF oder EOT haben möchte. Und irgendwann löst EOT das OTF und TTF komplett ab :)

    A.

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