Kommt jetzt das Versal-ß?

30. April 2007 | 18.39 Uhr | Kategorie: Typografie

Im Jahr 2004 beantragte Andreas Stötzner – Autor der Zeitschrift SIGNA und Mitglied des Internationalen Arbeitskreis Signographie – beim Unicode Consortium die Aufnahme eines Latin Capital Letter Double S in den Unicode-Standard. Der Antrag wurde jedoch verworfen. Zum Einen aus technischen Gründen, zum Anderen, da die Existenz dieses Buchstabens nicht ausreichend bewiesen war.

Nun scheint aber laut einer Meldung auf Signographie.de ein Durchbruch gelungen zu sein. Andreas Stötzner schreibt dort:

Das versale Eszett (scharfes S) wird aller Voraussicht nach als neuer Buchstabe in den internationalen Zeichensatz ISO 10646 bzw. Unicode aufgenommen. Ein entsprechender Beschluß wurde auf der Tagung des zuständigen ISO-Fachgremiums am 27. April 2007 in Frankfurt am Main verabschiedet. Der Kodierungsantrag zum Versal-scharf-S wurde vom Deutschen Institut für Normung (DIN) eingebracht. Deutschland wurde in der einwöchigen, turnusmäßigen Sitzung durch Mitglieder des DIN-NIA 29.01 (Codierte Zeichensätze) vertreten.

Die Bestätigung des Kodierungsbeschlusses und definitive Aufnahme des versalen Scharf-S wird in Jahresfrist erwartet. Damit würde das kleine »Eszett« nach einigen Jahrhunderten Sonderstatus endlich seine Großbuchstaben-Entsprechung und das deutsche Alphabet seinen vollwertigen 27. Buchstaben erhalten. Besonders bei Personen- oder Ortsnamen wäre damit die lange vermißte Möglichkeit eindeutiger Schreibung der S-Laute auch in Majuskelschreibweise gegeben.

Bestrebungen, das versale scharfe S auch offiziell einzuführen, gibt es seit 128 Jahren.

Weitere Infos zum Versal-ß:

  • signographie.de/cms/signa_9.htm
  • typografie.info/typowiki/index.php?title=Versal-Eszett
  • de.wikipedia.org/wiki/Versal-Eszett

Ein früherer kurzer Beitrag von mir zum Thema:

  • fontwerk.com/254/versal-eszett-bei-den-oeffentlich-rechtlichen
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  1. 1 | andreass | 30. April 2007 um 19.47 Uhr

    Tja, die Hartnäckigkeit von den Stötzners wurde von so manchem Kollegen unterschätzt. Ich begrüße die Entwicklung! Da sich dieses Thema hervorragend für den Boulevard eignet und das Sommerloch erst noch kommt, wird damit sicherlich so manche “Sau” durchs Dorfs getrieben werden.

  2. 2 | Ivo | 15. Mai 2007 um 20.47 Uhr

    Kurzer Einwurf. Die SZ [welch passender Zufall] beschäftigt sich ebenfalls mit unserem Thema: sueddeutsche.de/,ra4m3/kultur/artikel/407/114293/.

  3. 3 | Ivo | 22. Mai 2007 um 17.56 Uhr

    Und jetzt sogar meine alte Heimatzeitung die »Mitteldeutsche«.

  4. 4 | Buddy Casino | 26. Mai 2007 um 19.40 Uhr

    Zum einen gibt es im Deutschen kein Wort, dass mit “ß” beginnt und zum anderen bildet der Umriss von Wörtern aus Kapital- oder Großbuchstaben stets nur ein verschieden langes Rechteck, das, obzwar feierlich und streng, nicht immer leicht als Ganzes erfasst werden kann. Der selbe Wortlaut ist in der Minuskelschreibweise durch Ober- und Unterlängen und dazu, seit der Renaissance, durch den i-Punkt kräftig artikuliert.
    Wörter aus Großbuchstaben müssen wir eigentlich buchstabieren; Wörter aus Kleinbuchstaben aber erfassen wir im Zusammenhang, als Wortbilder. Erst die Minuskelschrift hat der unbegrenzten Ausbreitung jeder Art von Bildung den Weg geebnet.
    Sicherlich eignen sich die Versalen gut für Buchtitel und für alle architektionischen und feierlichen Aufgaben, jedoch ist heutzutage kaum jemand in der Lage die Ursachen verfehlter Schriftanordnungen zu erkennen in der Lage und eine Skizze einer Ladenüberschrift nicht zu beurteilen, ob die Buchstaben als solche wohlgeformt sind und ob ihr Rhythmus geglückt ist.
    Großbuchstaben müssen immer leicht gesperrt und ihre Buchstabenzwischenräume ausgeglichen werden. Weites Sperren man vermeiden; das geringste Durchschnittsspatium ist anderthalb Punkt.
    Solange dies nicht in die Köpfe der Wald- und Wiesensetzer der Behörden und Ämter, Schulen und Universitäten und Privathaushalten durchgedrungen ist, sollte auch nicht über ein großes “ß” nachgedacht werden.

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