× Maskottchenterrorismus
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8. Februar 2007, 11.29 Uhr | Kategorie
Zeitgeist
Jetzt hat es also auch meinen Verein getroffen. Nach Herthinho, Wölfi, Ritter Keule und ihren ganzen bescheuerten Kollegen aus Randsportarten wie Handball oder Biathlon wird wohl bald auch ein armer Braunschweiger Student im Löwenkostüm durchs Stadion an der Hamburger Straße flitzen. Und das, obwohl Eintrachts PR-Leiterin Miriam Herzberg noch kürzlich betonte, dass es ein Maskottchen am Spielfeldrand nicht geben wird.
Ich verstehe ja, dass man dem einen oder anderen Kleinkind mit solchen Aktionen den Stadionbesuch schmackhaft machen möchte. Doch vergisst man nicht allmählich die Leute, die noch in der Überzahl sind? Diejenigen, die 90 Minuten ihre Mannschaft feiern und Fußball sehen wollen. Der wird neben Einlaufmusik, Eckballanimation und Videowand nämlich auch noch gespielt. Vergisst man leider manchmal. Stück für Stück wird diesen Fans zweiter Klasse, die Stehplätze statt Multifunktionsarenen wollen, Fankurven statt Spielplatzblöcke, Schals statt Anzug tragen und Bier statt Sekt trinken das Spiel vermiest. Dabei war Fußball immer der Sport des Proletariats. Billig, einfach, dreckig und ehrlich.
Der vom einfachen Fan gefühlte Trend geht aber offenbar dahin, nur noch zahlungskräftige Besucher in die Arenen zu locken, die finanziell ähnlich gut gestellt sind wie die Spieler selbst. Dann braucht man aber in Zukunft nur noch 500 VIP-Logen und keine Tribünen mehr. Die Wurstbude kann dann auch gleich abgerissen werden. Diese Entwicklung finde ich unschön und ich vermisse hierbei den Respekt vor dem Normalsupporter. Ich lebe selten in verklärten Erinnerungen von früher. Aber beim Fußball erinnere ich mich gern an Zeiten, als es Bier noch in Gläsern gab und darin sogar 5% Alkohol enthalten war. Nicht, dass ich es als Kind schon getrunken hätte, aber die selbstgebastelte Fahne [die man noch ins Stadion nehmen durfte] schwenkend habe ich höchstens mal Tore vermisst, jedoch keine zwei Meter großen Plüschtiere.
Der weise Addi Preißler war seiner Zeit weit voraus: »Entscheidend ist auf dem Platz«. Nennt mich in diesem Punkt von mir aus polemisch und ignorant. Diese Maskottchengeschichte ist leider nur ein weiterer unrühmlicher Haltepunkt einer Reise in für Fußballpuristen düstere Zeiten. Wenn ich eine hohle Show will, geh ich zur Blue Man Group. Ich will, dass sich die Spieler Blei in die Schuhe tun, damit sie schwerer werden. Fußball als Inhalt. Weniger gleich mehr. Ich gebe damit wieder ab an die angeschlossenen vereinseigenen Marketingabteilungen.
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Christoph
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zechi
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Harki
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Jürgen Siebert
Ich habe gerade zu diesem Thema eine Kolumne für PAGE geschrieben. Sie endet so: »Zur UEFA-Europameisterschaft 2008 (Austragungsländer: Österreich und Schweiz) werden gleich Zwillinge ins Rennen geschickt. Sie heißen Trix und Flix. Auf der Internetseite der UEFA ist zu lesen: ›Die beiden Maskottchen wurden von Warner Bros. Consumer Products ins Leben gerufen und begleiten uns während den Qualifikationsspiele zur UEFA EURO 2008™ sowie im eigentlichen Turnier.‹ Stinkt nach viel Geld.
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Der Klas
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Marc
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Ivo
TrackBack URIBravo!
Übrigens konnte ich aus glaubhaften Quellen ein Bild des “Löwen” besorgen:
http://www.heartstringsfiberarts.com/bunny.jpg
“Billig, einfach, dreckig und ehrlich.”
Ich habe mich beim Fußball nie dreckig gemacht. Ehrlich…
Der Rest stimmt.
Obwohl, für Bumsi empfinde ich eine gewisse Sympathie.
Gut gesprochen, auch wenn’s natürlich “German Industry Romantik” ist und damit vermutlich Sehnsucht nach Zeiten, die - leider - unwiderruflich dahin sind.
Fontblog hat das ja angesichts der Handball-WM angesprochen: Eine Sportart, die noch was werden will, ahmt gerade die schlimmsten Züge des heutigen Fußballs nach. Uns das gerade bei einem extrem knurrigen, harten Sport. Da kann man wohl nichts machen, furchtbar.
Und: Maskottchen, die aus einer Plüschhülle bestehen, in der ein Student steckt, sind immer erzpeinlich. Wenn schon ein Maskottchen, dann bitte ein lebendes Tier. So ist das auch in der englischen Armee, und die haben da schon noch ihren Sinn für die guten Sitten.
Der Präsident des Österreichischen Fußballbundes Friedrich Stickler meinte jüngst: ›Ich finde die beiden Maskottchen wirklich gut gelungen und habe sie sofort gemocht. Sie haben eine fröhliche, positive und sympathische Ausstrahlung.‹ Diese Fröhlichkeit, so hofft er, ›soll und wird sich auch auf das Turnier 2008 übertragen‹. Lieber Friedrich Stickler: Haben Sie vergessen, was die deutsche Fußball-Begeisterung im Sommer 2006 ausgelöst hat? Also Goleo war’s nicht … Ich glaube, ähem, es war guter Fußball. Aber der ist ja bekanntlich nur die schönste Nebensache der Welt.«
Trix und Flix? Oh Gott, hört sich nach dem 747 Boardfilm “Fick und Fotzi die beiden Nymphomanstewardessen im Bumsbomber nach Bangkok” an!
Ich fand Bumsi ja schon geil! welche Agentur denkt sich sowas aus?
Als Name für das BS Löwchen fänd ich Regio ganz nett! Passt dann auch zur Saison 2007/2008! :-)
Hi,
Ich habe meine permalinkstruktur geändert. Der Richtige Link “Handball” ist nun http://celedyr.net/wir-sind-weltmeister/
mfg,
Marc
Vielen Dank, Marc, für diesen Hinweis.
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