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Die besten Schriften 2008

× Geschichte des Gautschens

» 5. Juni 2006, 17.30 Uhr | Kategorie Drucktechnik

Im Zuge der Organisation einer Gautschfeier stieß ich während meiner Recherche auf folgende interessante Informationen zur Geschichte des Gautschens:

Das Postulat

Im späten Mittelalter legten die Buchdruckerordnungen strenge (und teure) Aufnahmevoraussetzungen für Lehrlinge im Druckgewerbe fest: beurkundete „Eheliche Geburt“, Aufnahmebürgschaft, Lehrgeld, Beiträge zu den Unterstützungskassen und „Wohlverhalten“ auch angesichts schikanöser Behandlung durch den Ausbilder waren die Bedingungen einer vier- bis sechsjährigen Lehrzeit. Ging alles gut, folgte darauf das eigentliche Initiationsritual, das „Postulat“ (lat. = Forderung), der Lehrling wurde in die Gemeinschaft der ausgelernten „Gehilfen“ übernommen.

Die Zeremonie im 16. Jahrhundert war derb: Dem „Kornuten“ (lat. = Hörnerträger) wurden die Hörner abgeschlagen, die Nägel gefeilt, ein Zahn gezogen und die Haare gestutzt – mal mehr, mal weniger symbolisch. Die anschließende Zecherei dauerte oft mehrere Tage – zu zahlen hatte der Kornut.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich das Postulat zu derartigen Auswüchsen entwickelt, dass es 1771 in Österreich und 1803 in Preußen und weiteren Ländern verboten wurde.

Die Gautschfeier

Meine eigene GautschfeierDie Genossen der „Schwarzen Kunst“ aber waren erfinderisch: Anstelle des Postulats trat ab Beginn des 19. Jahrhunderts das „Gautschen“ (aus der Papiermachersprache: gautschen = pressen frisch geschöpfter Bögen) als harmlosere Variante: der Delinquent wird mit einer launigen Rede des Gautschmeisters traktiert und von zwei kräftigen Packern in eine Bütte kalten Wassers getaucht, womit er in den Kreis der Jünger Gutenbergs aufgenommen ist. Eine Urkunde bescheinigt die „Taufe“.

Bis heute gilt der aufwendig ornamentierte „Gautschbrief“ mancherorts mehr als der eigentliche Lehrbrief.

(Quelle: Historische Druckwerkstatt Putgarten)

Weitere Informationen über das Gautschen:

Geschrieben von Ivo


Kommentare RSS

  1. Fontwerk » Spongebob Coverkopf

    […] Hatte ich eigentlich erwähnt, dass ich in der aktuellen Ausgabe der Uni-Zeitschrift »TFH Presse« als Covergirlboy glänze? Das Titelbild stammt von der ersten Gautschfeier für die frisch diplomierten Drucktechnikingenieure der TFH Berlin. Dort fungierte ich, da ich bereits gegautscht wurde, als Schwammhalter und durfte sogar zwei Professoren je einen Eimer Wasser über die Dozentenrübe schütten. Der Bericht über das Spektakel – gesetzt in der Spiekermannschen Meta – findet sich dort auf Seite 5, weitere Fotos auf tfh-berlin.de/~alumni und fb6.tfh-berlin.de/foto (ich bin übrigens immer wieder »begeistert«, wie inhomogen die Webadressen einzelner Fachbereiche an Universitäten angewendet werden). […]

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