Wenn die prägendste Designagentur des Jahrzehnts (Zitat Thomas Rempen) eine Werkschau veröffentlicht, darf man einiges erwarten. Ich erwartete jedenfalls viel, nachdem »Good Design Is a Tough Job« nun schon seit einigen Wochen in meinem Bücherregal schlummerte. Endlich fand ich die Zeit, mir das Buch genauer anzuschauen.
Natürlich wären Strichpunkt nicht Strichpunkt, wenn sie den Rückblick auf ihr 15 Jahre währendes Schaffen plump als Werkschau verkaufen würden. Unter einem Manifest machen sie es nicht. Anhand 40 preisgekrönter Projekte stellen die Agenturgründer Kirsten Dietz und Jochen Rädeker 20 Thesen zu gutem Design auf. Leitsätze wie »Gutes Design ist ungemütlich«, »Gutes Design tut weh« und »Gutes Design schafft Anerkennung« bilden den Rahmen der Retrospektive, sind dabei jedoch ebenso richtig wie sie bemüht wirken, zumindest teilweise. Egal, denn auch wenn das Konzept der Thesen aus meiner Sicht nicht essenziell notwendig ist, tut es aber den einzelnen Arbeiten keinen Abbruch und wird seine Freunde vor allem bei jungen Designern finden, die auf der Suche nach ihrem eigenen Manifest sind. Das ist gar nicht despektierlich gemeint, mir fehlte nur hier und da die Prägnanz und der Überraschungseffekt der Aussagen. Möglicherweise hätte eine Reduzierung auf die Hälfte der Thesen da mehr bewirkt.
Am Ende feiern Strichpunkt sich mit dem Buch vor allem selbst. Und das sollen sie auch, denn ihre detailverliebten Projekte gehören zum Besten, was die Branche zu bieten hat. StrichPunkt. Über 1100 Abbildungen von Arbeiten für Auftraggeber wie Scheufelen, Ruhrtriennale, Daimler, Adidas, Cancom oder Staatstheater Stuttgart sind Grund genug, sich »Good Design Is a Tough Job« zuzulegen. Die knapp gehaltenen Erläuterungen geben interessante Einblicke in die Aufgabenstellungen und dürften nicht nur Anfängern hilfreiche Erkenntnisse und Inspiration bieten.
Obwohl dem gold- und prägeveredeltem Umschlag auch ein Hardcover ganz gut zu Gesicht gestanden hätte und eine 6pt große Univers Light nicht gerade als lesefreundlich gilt, wurden meine hohen Erwartungen erfüllt. Das Buch kann ich ruhigen Gewissens empfehlen.
39,80 € im Verlag Hermann Schmidt Mainz.
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